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Flutkatastrophe im Ahrtal

Für die Kita St. Mauritius heißt es nun: "Willkommen im Container!"

Grafschaft

Das Gebäude der Kita St. Mauritius in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde durch die Flutkatastrophe komplett zerstört. Doch der Betrieb läuft wieder – in einer ungewöhnlichem Provisorium.

Von Gunnar A. Pier

Wenn Sabine Sausen die Tür öffnet, mischt sich fröhliches Kindergeschrei in den Baustellenlärm: Die Kita St. Mauritius aus Bad Neuenahr-Ahrweiler ist vorübergehend in einem Container-Ensemble untergekommen. Foto: Gunnar A. Pier

Neben dem Gerätehaus der Feuerwehr-Löschgruppe Grafschaft-Nierendorf stehen schmucklose blaue Container, davor verteilt ein Bagger Schotter und man könnte meinen, das hier sei einfach nur eine verregnete Baustelle. Aber an den Türen der Container kleben Zettel wie „Willkommen in der roten/gelben Gruppe“, und wenn Sabine Sausen die Tür öffnet, mischt sich fröhliches Kindergeschrei in den Baulärm. Denn in den blauen Metallkisten ist die Kita St. Mauritius untergekommen. Vorübergehend, versteht sich.

Eigentlich gehört die Einrichtung nach Heimersheim, einen Ortsteil etwas außerhalb von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Gebäude liegt abseits der Straße in einer Senke. Als am 14. Juli 2021 die Hochwasserkatastrophe das Ahrtal heimsuchte, spülte die dreckige Brühe auch hier als mehrere Meter hohe Welle durchs Gemäuer. Zurück blieb ein heilloses Chaos: zerstörte Wände, durcheinander gewirbeltes Mobiliar. Vieles nahm das Wasser auch auf Nimmerwiedersehen mit.

Ungemütliche Sommerferien

Das alles passierte drei Wochen vor den Kita-Sommerferien. Statt das Kita-Jahr gemütlich ausklingen zu lassen und die Schulkinder gebührend zu verabschieden, griff das Team also schon wenige Tage, nachdem das Wasser zurückgegangen war, zu gröberem Gerät. Die nassen Trockenwände mussten raus, die Möbel auf einen Sperrmüllhaufen, der Putz von den Wänden. Einsatzkräfte der Bundeswehr packten mit an.

Nach den Ferien startete das St.-Mauritius-Team in die Notbetreuung, die die bistumseigene Kita-gGmbH einrichtungsübergreifend organisiert hatte. Zunächst waren die Heimersheimer im nahen Gimmigen untergeschlüpft.

Die Container-Lösung

Ende September bekam die St.-Mauritius-Kita ihr erstes eigenes Provisorium: das Container-Ensemble neben dem Feuerwehrgerätehaus im 7,5 Autokilometer entfernten Ortsteil Nierendorf der Gemeinde Grafschaft. Drei Gruppenräume entstanden dort, dazu ein Büro, ein düsterer Mitarbeiterraum und ein bunt gestalteter Kindertoilettencontainer. „Das ist schon relativ behelfsmäßig“, findet Leiterin Sabine Sausen. Die Gruppenräume sind zwar hell und großzügig, das Mobiliar dank kurzfristig bereitgestellter Spenden ausreichend und der öffentliche Spielplatz ist nah. Aber es gibt kaum Schallschutz, wodurch es in den Räumen sehr laut wird. An Mittagsschlaf braucht hier kein Kind zu denken. Warmes Mittag­essen für die Kinder lässt sich nicht zubereiten, und wer auf die Toilette will, muss zunächst die Hausschuhe ausziehen und in die Stiefel schlüpfen, um außenrum in den übernächsten Container zu gehen.

Die Kita St. Mauritius in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Stadtteil Heimersheim, am 18. August 2021 fünf Wochen nach der Hochwasser-Katastrophe. Foto: Gunnar A. Pier

Bald kommen „Nobel-Container“

Aber Sabine Sausen will sich gar nicht beklagen, schließlich ist bemerkenswert, in wie kurzer Zeit immerhin diese Lösung geschaffen wurde. Und in wenigen Wochen zieht St. Mauritius erneut um. Auf einem ehemaligen Bolzplatz im heimischen Heimersheim werden „Nobel-Container“ aufgebaut, wie Sausen es nennt. Sie seien bestens geeignet als Kita – die jetzigen Probleme scheinen dort gelöst.

Wer die Kita-Leiterin dann fragt, ob sie schon Pläne für die Verwendung der Gelder aus der Spendenaktion unserer Zeitung hat, schaut in leuchtende Augen. „Ja!“, sagt sie begeistert. „Ein Sinnesraum wird wahrscheinlich möglich.“ Ein Forscherschrank mit Mikroskopen für den Experimentier-Raum, Naturbausteine aus Holz, eine Lichtwanne. Dinge also, die sich Kitas sonst über Jahre vom Munde absparen, die nun alle weg sind und nicht zur Grundausstattung gehören, mit denen die Einrichtungen in die Zukunft starten sollen. „Wir können alles nach den neuesten pädagogischen Standards einrichten“, strahlt Sabine Sausen.

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