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Gesundheitsämter schicken Schülergruppen in Quarantäne

Düsseldorf/Köln (dpa/lnw)

Die Ferien sind gerade gut eine Woche her - und schon sind viele Schüler in NRW wieder in Quarantäne. Die soll nach dem Willen des Landes eigentlich nur für direkte Sitznachbarn eines infizierten Schülers gelten - doch die Praxis sieht teils anders aus.

Von dpa

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Foto: David Young/dpa

Bei einem Corona-Fall in einer Schule schicken Gesundheitsämter nach wie vor teilweise große Gruppen in Quarantäne - trotz eines neuen Landes-Erlasses. So kamen seit den Sommerferien zum Beispiel in Solingen und Bonn bereits ganze Klassen in Quarantäne. Dabei handele es sich um Einzelfälle, in denen die Hygieneregeln nicht durchgehend eingehalten worden seien, teilten Sprecher der Städte am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit.

Auch andernorts ermitteln die Gesundheitsämter bei einem positiven Test die individuelle Situation - mit der Folge, dass unter Umständen nicht nur die direkten Sitznachbarn des infizierten Kindes in eine 14-tägige Quarantäne müssen.

«Wenn es im Sportunterricht, in der OGS [Offene Ganztagsschule] oder in der Pause enge Kontakte gab, zum Beispiel, wenn Kinder zusammen ohne Masken in einer Vogelnestschaukel gesessen haben, wird im Einzelfall geprüft, welche Kinder in Quarantäne müssen», sagte etwa ein Sprecher der Stadt Köln. So wurden nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeiger» 38 Zweitklässler einer Grundschule bereits am zweiten Schultag in Quarantäne geschickt, weil sie in einem relativ kleinen Raum gemeinsam gegessen hatten.

«Das Schuljahr ist so gestartet, wie viele befürchtet haben», kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Sigrid Beer. «Delta-Variante und Reiserückkehrende führen dazu, dass ganze Lern- und OGS-Gruppen nach wenigen Schultagen in die Quarantäne müssen.» Beer warf Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vor, die Augen vor der Realität zu verschließen: «Kontakte beim Sportunterricht, in der Mensa oder während der Pause werden vergessen. Deshalb sehen sich die Gesundheitsämter in der Praxis kaum in der Lage, die vereinfachten Quarantäneregelung anzuwenden - und schicken doch wieder zahlreiche Kinder in die Quarantäne.»

Gebauer hatte vor gut zwei Wochen angekündigt, dass im neuen Schuljahr bei einem Corona-Fall nicht mehr zwangsläufig die ganze Klasse in Quarantäne muss. Als «enge Kontaktpersonen» gelten nach dem entsprechenden Erlass des Gesundheitsministeriums jetzt nur noch Schüler, die vor, hinter, rechts oder links vom Infizierten gesessen haben. Gleiches gilt für Lehrer und weiteres Schulpersonal, wenn sie engen Kontakt zum betroffenen Schüler hatten. Geimpfte ohne Symptome sind von der Quarantäne ausgenommen.

Wer einen negativen PCR-Test vorlegt, darf wieder am Unterricht teilnehmen - außer er ist «nach einer Einzelfallprüfung vom Gesundheitsamt als Kontaktpersonen identifiziert worden», erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

In Solingen sind nach einem WDR-Bericht unter anderem zwei fünfte Klassen einer Gesamtschule seit der Einschulungsfeier in Quarantäne. Die Kinder hätten bei der Feier in der Turnhalle auf Matten beieinander gesessen und seien anschließend gemeinsam in die Klassenräume gegangen, so dass sich nicht mehr nachvollziehen lasse, welche der Kinder in engem Kontakt miteinander gewesen seien. Ein Stadt-Sprecher betonte, es handele sich hier um eine Sondersituation.

Generell gelte für Solinger Schulen jedoch: Sollte es Abweichungen von den vorgegebenen Hygieneregeln - Maske, Lüften, Abstand - geben, oder «sollte sich die Situation für den Stadtdienst Gesundheit unübersichtlich darstellen, müssen gerade bei der hohen Solinger Inzidenz größere Gruppen in Quarantäne genommen werden». Im Schnitt seien seit den Ferien pro Fall sieben Quarantänen ausgesprochen worden.

Wie viele Schüler in NRW seit den Ferien bisher in Quarantäne kamen, konnten Schul- und Gesundheitsministerium am Mittwoch nicht sagen. Erste Zahlen dazu soll es Anfang kommender Woche veröffentlicht werden.

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