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Münsterländer ist neuer NRW-CDU-Chef

Hendrik Wüst verspricht: „Ich werde mir ein Bein ausreißen“

Bielefeld

Der Münsterländer Hendrik Wüst ist neuer Chef der NRW-CDU. Auf dem Parteitag der Landes-CDU in Bielefeld wurde der 46-Jährige mit 98,3 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. „Ich werde mir ein Bein ausreißen, diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen“, sagte Wüst.

Von Elmar Ries

Hendrik Wüst, neuer CDU-Landeschef in NRW, nimmt den Applaus der Delegierten in Bielefeld entgegen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Die CDU hat am Samstag das erste Kapitel der Machtübergabe in Nordrhein-Westfalen geschrieben. Hendrik Wüst wurde als neuer Landesparteichef gekürt; er folgt auf Armin Laschet. Kapitel zwei steht in der kommenden Woche an: Der 46 Jahre alte Jurist aus Rhede bei Bocholt soll dann auch Regierungschef in NRW werden. Wüst, bisher Verkehrsminister, wurde auf dem 43. Landesparteitag der CDU in Bielefeld mit 98,3 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. „Vielen herzlichen Dank für dieses gigantische Ergebnis“, sagte er unmittelbar nach der Wahl. „Ich werde mir ein Bein ausreißen, diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen.“

Der personelle Wechsel wurde notwendig, nachdem sich Laschet, der in diesem Jahr als Kanzlerkandidat der Union angetreten war, schon vor der Bundestagswahl festgelegt hatte, auch im Falle eines Scheiterns nicht in seinen Ämtern in NRW zu bleiben. Der 60-Jährige führte den mit rund 122.000 Mitgliedern stärksten CDU-Landesverband seit 2012. Zuletzt war er 2018 mit 96,3 Prozent und seinem damit besten Ergebnis zum dritten Mal wiedergewählt worden. Wüst toppte dieses Resultat nun. Er war der einzige Kandidat.

Der Bielefelder Parteitag soll ganz im Zeichen des Aufbruchs stehen. Doch der Schatten der für die Union verloren gegangenen Bundestagswahl ist noch immer lang. Er reicht bis nach Ostwestfalen. Von dort aus sendet die Landes-CDU darum ein vielstimmiges Werben um Geschlossenheit – und kritisiert den jüngsten innerparteilichen Streit deutlich, ohne allerdings Namen zu nennen. „Politik ist Mannschaftssport“, sagt zum Auftakt der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, der Tagungspräsident des Parteitags ist. „Haltung statt Spaltung“ ist eine zentrale Botschaft, die Hendrik Wüst später in seiner Bewerbungsrede aussenden wird. Der innerparteiliche Streit im Wahlkampf, der Zwist zwischen den Schwesterparteien habe „vielen Parteimitgliedern körperlich wehgetan“, sagt er.

Wüst trifft den Nerv der Delegierten

Wüst trifft den richtigen Ton – und damit den Nerv der Delegierten. Die CDU bleibe nur Volkspartei der Mitte, wenn die Alltagssorgen der Menschen ihr Kompass seien und sie klare Antworten auf eben diese Sorgen geben könne. Das ist seine Botschaft. Und diese Antworten dürften nicht „im Dickicht eines Wahlprogramms versteckt“ bleiben. Die „Sensibilität für die Probleme der Menschen“ ist ihm wichtig. Etwa eine halbe Stunde spricht er – und rockt den Saal. Die Delegierten danken es ihm. Erst mit stehendem Applaus, später dann mit einem überragenden Wahlergebnis.

Auf Wüst ruht nun die Hoffnung der NRW-CDU – schließlich wird am 15. Mai 2022 ein neuer Landtag gewählt. Und die Umfragen sind derzeit nicht berauschend. Die CDU wolle die erfolgreiche Arbeit im Land fortsetzen, sagt Wüst. Meint: „Wir wollen weiter regieren.“

Armin Laschet hingegen ist ab kommender Woche als Politiker in NRW Geschichte. In Bielefeld verabschiedet sich der 60-Jährige mit einer emotionalen Rede. Darin lobt er das Bundesland, seine Partei, seine Kabinettskollegen, die Koalitionspartner, das Erreichte. Ein Land kann nur ordentlich regiert werden, wenn in der Regierung „alle an Bord sind“, sagt er. Dabei hebt er besonders Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann hervor. Der sei, sagt Laschet, als Minister „ein Glücksfall in der Pandemie gewesen“.

Armin Laschet

Geschlossenheit, auch in Laschets Rede ist dieser Gedanke zentral. „Je geschlossener eine Partei ist, desto größer ist die Chance, gewählt zu werden“, sagt er – und meint das nicht nur mit dem Blick in den Rückspiegel. „Bewahrt Euch die Geschlossenheit“, ruft er den 659 Delegierten zu. Ins Stammbuch schreibt er seinen Parteifreunden aber noch mehr: Sie mögen an der Kraft zur Integration festhalten, sich das soziale Herz bewahren und die Leidenschaft für das geeinte Europa erhalten. Wenn Laschets Rede ein Abschied war, gleicht der Appell zum Schluss einem politischen Vermächtnis. Die Delegierten verabschieden ihn mit minutenlangem Applaus.

Hovenjürgen bleibt Generalsekretär

Dass neben dem neuen Landesparteichef auch dessen fünf Stellvertreter und der Generalsekretär gewählt wurden, ist für die Partei natürlich wichtig, läuft auf dem Parteitag aber unter ferner liefen. Josef Hovenjürgen bleibt Parteigeneral. Zu Wüsts Stellvertretern wählten die Delegierten Herbert Reul, Ina Scharrenbach, Daniel Sieveke, Sabine Verheyen und Elisabeth Winkelmeier-Becker.

Kommentar: Ein besonderes Erbe 

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