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Kölner Derby-Helden zwischen «Hammer»-Emotionen und Wehmut

Köln (dpa)

Im einzigen ausverkauften Erstliga-Stadion des Wochenendes feiert der 1. FC Köln den höchsten Derby-Sieg seit 25 Jahren. Dieser besondere Erfolg wird ausgelassen gefeiert. Doch die Frage, wie viele Zuschauer künftig kommen dürfen, drückte auch aufs Gemüt.

Von Holger Schmidt, dpa

Kölns Torschütze Dejan Ljubicic (2. v.r) jubelt nach dem Treffer zur 1:0 Führung. Foto: Marius Becker/dpa

Erst drehten die Kölner Derby-Helden genüsslich ihre Ehrenrunde und wollten scheinbar gar nicht in die Kabine, dann feierten sie ausgelassen bei kölscher Karnevals-Musik: Das 4:1 (0:0) des FC gegen Borussia Mönchengladbach war nicht nur wegen des höchsten Derby-Erfolgs seit 25 Jahren ein besonderer Moment für den FC. Bei vielen im Kölner Stadion schwang auch ein wenig Wehmut mit - denn es dürfte für Monate wohl das letzte Spiel vor 50.000 Fans gewesen sein.

«Einfach nur Hammer», sagte der gebürtige Kölner Salih Özcan nach seiner vielleicht besten persönlichen Leistung im 75. Bundesliga-Spiel: «Wir wollten den Gladbachern die Lust am Fußball nehmen und unsere Fans stolz machen. Das haben wir mit einer mega Perfomance geschafft.» Nun müsse man «abwarten, was die Regierung macht», sagte der 23-Jährige. Und wie viele Zuschauer am 10. Dezember im nächsten Heimspiel gegen Augsburg dabei sein dürfen. 

An diesem Spieltag war das Stadion in Köln das einzige, das voll ausgelastet werden durfte. Die Zuschauer mussten aber nach einer kurzfristigen Anordnung des Gesundheitsamtes Masken auch am Platz tragen.

Der Österreicher Dejan Ljubicic (55.) mit seinem ersten Tor in der deutschen Bundesliga sowie Ondrej Duda (78.) und die Joker Mark Uth (77.) und Sebastian Andersson (90.+3) sorgte in einer turbulenten Schlussphase bei einem Gegentor von Jonas Hofmann (74.) für den deutlichen Sieg. Durch Anderssons Treffer in der Nachspielzeit überholten die Kölner sogar den nun punktgleichen Erzrivalen in der Tabelle. Beide stehen mit 18 Punkten im Mittelfeld.

«Es ist schön, diese Emotionen erleben zu können», sagte Kölns Trainer Steffen Baumgart: «Ich durfte es hier ja noch nie erleben. Und auch in der Größe habe ich noch kein Derby erleben dürfen.» Und dann sagte auch er mit Blick auf drohende Geisterspiele oder zumindest einen Teilausschluss der Fans: «Ich hoffe, dass uns dieses Gefühl noch lange erhalten bleibt.»

Sein Kollege Adi Hütter hatte derweil erst mal ganz andere Sorgen. «Es fühlt sich sehr unangenehm an, das erste Derby als Trainer von Mönchengladbach in dieser Form zu verlieren», sagte er. Besonders bitter: Hütter hatte Nationalspieler Florian Neuhaus nach dessen starker Leistung in der Vorwoche gegen Fürth wieder auf die Bank beordert, elf Minuten nach seiner Einwechslung und drei Minuten nach dem Ausgleich ließ Neuhaus mit einem fatalen Blackout beim Tor von Uth das Spiel kippen. «Das war sicherlich eine Schlüsselszene», sagte Hütter: «Aber wir gewinnen zusammen - und wir verlieren zusammen. Und ich trage die Verantwortung.»

Bei Köln war derweil auch Marvin Schwäbe ein Gewinner. Der 26-Jährige vertrat in seinem ersten Bundesliga-Spiel den verletzten Timo Horn stark. Und nachdem Baumgart die Frage der Nummer eins nach Horns Genesung bewusst offen gelassen hatte, zeigte er, dass er seine Chance nutzen will. «Der Trainer hat sich für Timo als Nummer eins entschieden. Das habe ich akzeptiert», sagte Schwäbe: «Aber ich will natürlich auf mich aufmerksam machen.»

Der Samstag habe jedenfalls für «Gänsehaut pur» gesorgt: «Mein Kindheitstraum, Bundesliga zu spielen, ist in Erfüllung gegangen, und wir haben das Derby vor voller Hütte gewonnen. Einfach Wahnsinn!»

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