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Gesundheit

Köln schickt Impfteams in Brennpunkte: Hoffen auf Impfstoff

Mit mobilen Angeboten will die Stadt Köln erreichen, dass mehr Menschen in sozialen Brennpunkten gegen das Coronavirus geimpft werden. Der NRW-Gesundheitsminister gibt nun grünes Licht. Doch die Stadt Köln wünscht sich mehr Unterstützung für ihr Projekt.

dpa

Eine Spritze mit einem Impfstoff gegen Corona liegt bereit. Foto: Jens Büttner

Köln (dpa/lnw) - In Köln sollen mobile Impfteams an diesem Montag beginnen, Menschen in Hochhaussiedlungen und sozialen Brennpunkten gegen das Coronavirus zu impfen. Das Land hat für das Pilotprojekt 1000 zusätzliche Impfdosen zur Verfügung gestellt. Doch die Kölner Oberbürgermeisterin macht klar, dass sie auf deutlich mehr Unterstützung vom Land baut. «In einigen Kölner Stadtteilen liegt die Inzidenz bei 600 und höher», mahnte Reker am Sonntag. «Unser Ziel ist es, möglichst kurzfristig eine hohe Impfquote in allen vulnerablen Sozialräumen zu erzielen.»

Die Millionenmetropole will mit mobilen Impfteams unter anderem in Hochhaussiedlungen wie Chorweiler und den Kölnberg gehen und den Menschen dort niedrigschwellig Impfungen anbieten. Reker hatte als Ziel des Projekts 700 Impfungen in Brennpunkt-Stadtteilen pro Tag genannt. Doch das Land will zunächst nur 1000 zusätzliche Impfdosen für die gesamte erste Woche zur Verfügung stellen. Reker sagte an die Adresse der Landesregierung, sie gehe davon aus, «dass das Land uns zeitnah weiteren zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung stellen wird».

Doch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) tritt ein wenig auf die Bremse. «Zum einen ist der Impfstoff begrenzt und viele besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen warten noch auf ihre Impfung», sagte Laumann am Samstag. «Zum anderen haben wir noch keine Erfahrungen mit dieser Art der aufsuchenden Impfungen sammeln können.» Die Stadt Köln soll nun erst einmal Erfahrungen sammeln.

Die 1000 zusätzlichen Impfdosen, die das Land der Domstadt für das Projekt zur Verfügung stellt, kommen vom Hersteller Johnson & Johnson. Dieser Impfstoff muss nur ein einziges Mal gespritzt werden und soll deshalb für Menschen genutzt werden, die nur schwer für eine zweite Impfung zu erreichen sind.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lobte den Vorstoß der Kölner. «Inzidenzzahlen sind höher, wo Menschen eng beieinander wohnen», sagte er am Samstag. Die Corona-Neuinfektionen seien dort um ein Vielfaches höher als im Landesschnitt. «Da müssen wir als Staat auch darauf reagieren [...], damit auch Menschen in Stadtteilen, wo man eben nicht dauernd Abstand halten kann, weil man sich immer begegnet, geschützt werden.»

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte ein noch entschlosseneres Vorgehen in Problemvierteln. «Mit dem Standardvorgehen bekommen wir die Brennpunkte sonst nicht in den Griff, dort würde die Lage noch lange problematisch bleiben», sagte er dem WDR. «Dort leben mehr Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten können oder auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Viele leben auf engerem Raum zusammen oder in größeren Familien.» Eine Neiddebatte, dass Menschen in Brennpunktvierteln dadurch bei der Impfung bevorzugt würden, sei unangemessen, argumentierte Lauterbach. In sozialen Brennpunkten gebe es meist weniger Hausärzte, so dass das Impfstoffangebot dort ansonsten unterdurchschnittlich sei.

© dpa-infocom, dpa:210502-99-438671/4

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