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Forschungsprojekt

Künstliche Intelligenz soll Kinderpornografie enttarnen

Düsseldorf

Der Kampf gegen Kindesmissbrauch und entsprechende Abbildungen ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den Ermittler häufig verlieren. Künstliche Intelligenz könnte die Aufklärung stark beschleunigen und das Martyrium der Kinder früher beenden, zeigt ein Forschungsprojekt.

Stefan Biestmann

Künstliche Intelligenz könne mit einer Genauigkeit von 92 Prozent Kinderpornografie erkennen und unterscheiden, berichtet NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Foto: Arne Dedert/dpa

Die vor einem Jahr gegründete Taskforce zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch und von Verbreitung von Kinderpornografie in NRW hat mehr als 1600 Verfahren gegen mehr als 1800 Beschuldigte geführt. Zehntausende Personen seien zudem im Visier der NRW-Ermittlungsbehörden, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach am Dienstag in Düsseldorf. „Aber nicht nur die übergroße Zahl der Tatverdächtigen gibt Anlass zur Sorge.“ Schließlich würden bei Durchsuchungen digitale Beweismittel „in erheblicher Zahl“ beschlagnahmt. „Deren schiere Datenmenge auszuwerten, ist eine ungeheure Herausforderung.“

Dies könne nicht allein durch die Ermittler in der erforderlichen Schnelligkeit gelingen, sagte Biesenbach. Deswegen will das Land jetzt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) setzen – und die Aufklärung beschleunigen. Dazu startete die Zen­tral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) NRW mit Microsoft und Wissenschaftlern im Jahr 2019 ein Forschungsprojekt. Es wurde dabei ein Prototyp entwickelt.

Genauigkeit von 92 Prozent 

Ziel war es, Kinderpornografie in einer Datenflut innerhalb kurzer Zeit zu erkennen und Dateien zu kategorisieren. Das Forschungsergebnis kann sich sehen lassen: Die KI könne mit einer Genauigkeit von 92 Prozent Kinder- und Jugendpornografie sowie nicht strafbare Erwachsenenpornografie erkennen und unterscheiden, heißt es.

„Künstliche Intelligenz kann selbstverständlich keine menschlichen Ermittler und Ermittlerinnen ersetzen, aber sie kann uns helfen, Zeit zu gewinnen“, betonte Biesenbach. „Jede gewonnene Minute durch KI-Auswertung kann helfen, noch andauernden Kindesmissbrauch zu verhindern. Wir müssen und werden jede Möglichkeit nutzen, das unfassbare Leid dieser Kinder zu beenden.“

Datenschutz und -sicherheit sind gewährleistet

Auch bei riesigen Datenmengen erhalte man dank KI innerhalb weniger Tage ein belastbares Gesamtergebnis, berichtete Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Leiter der ZAC. Zur Auswertung seien letztlich nur ein Netzwerkstecker und ein Stromstecker nötig. Datenschutz und -sicherheit seien aber gewährleistet. Externe hätten keinen Zugriff. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Software-Assistent mit zunehmenden Fällen dazulerne und noch zielgenauer arbeiten könne. Biesenbach sprach davon, dass das Cloudmodell in der Strafverfolgung „weltweit einmalig“ sei.

Kommentar

Es war längst überfällig, dass der Gesetzgeber im Frühjahr härtere Strafen für Kindesmissbrauch und Kinderpornografie beschlossen hat. Auf die Strafverfolgungsbehörden kommt dadurch zwangsläufig noch mehr Arbeit zu. Nicht nur wegen der erdrückenden Zahl an  digitalen Daten, die ausgewertet werden müssen. Sondern auch, weil die Zeit drängt, wenn zum Beispiel innerhalb kurzer Zeit Beweismittel für einen dringenden Tatverdacht benötigt werden, die eine Untersuchungshaft begründen.

Umso wichtiger ist es, dass die Strafverfolger entlastet werden. Es ist richtig, dass das Land neue Wege wagt und auf Künstliche Intelligenz setzt. Dass auf diese  Weise mit einer mehr als 90-prozentigen Genauigkeit  Kinder- und Jugendpornografie herausgefiltert wird, ist in der Tat ein „Meilenstein“.

Die neue Technik sollte schnell zum Einsatz kommen. Sie erhöht den Druck auf die Verbrecher  und hilft dabei, noch mehr von ihnen zur Rechenschaft zu ziehen.

von Stefan Biestmann

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