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NRW-Gesundheitsminister übt Selbstkritik beim Corona-Management

Laumann: Kein breiter Lockdown mehr

Düsseldorf

Auf eine mögliche zweite Welle der Corona-Pandemie will die Landesregierung nicht wieder mit einem so harten Lockdown reagieren wie im März. Die damals getroffenen Maßnahmen seien unter dem Eindruck der dramatischen Lage in Italien entschieden worden, erinnerte sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Interview mit dieser Zeitung, „wie unsicher wir uns waren“. 

Hilmar Riemenschneider

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Foto: dpa

So habe er „eine Riesenangst“ gehabt, nicht genügend Ärzte verfügbar zu haben. Inzwischen sei aber das Gesundheitssystem „robust“ auf eine neue Welle vorbereitet. Klar sei auch, dass weder Kindern noch der Wirtschaft erneut solche Einschnitte zuzumuten seien.

„Heute würde Politik einen Lockdown, wie wir ihn Mitte März gemacht haben, nicht wieder machen, sondern wir würden ihn viel differenzierter auslegen können“, bekräftigte Laumann ebenso im ZDF: „Deshalb wird eine zweite Welle auch nicht so ein Lockdown sein.“ Davor warnte auch der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft in einem Brandbrief.

In der Talkshow „Maybrit Illner“ bewertete der Gesundheitsminister den Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf Ende Juni nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies als zu weitgehend. Damals habe er sich an die Absprache der Ministerpräsidenten gehalten, die sich auf Kreisgrenzen festgelegt hatten. „Einfach zu sagen, ein Kreis ist das Maß aller Dinge, das war auch nicht so intelligent“, sagte Laumann.

Im Interview bilanzierte er, der Fall Tönnies bestätige ihn darin, den Arbeitsschutz zu verstärken. Zu seinen Lehren aus der Corona-Krise gehört insbesondere aber ein veränderter Kurs bei Krankenhäusern. Für 90 Prozent der Menschen müsse ein Krankenhaus binnen 20 Minuten erreichbar sein. Geplant hatte er erst 30 Minuten. Laumann betonte: „Wir müssen einen gewissen Puffer an Überkapazitäten finanzieren, damit wir in einer Krise kein Problem haben.“ In der Debatte um die Kosten der Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten plädierte er dafür, die Reisenden zur Kasse zu bitten. „Es ist nicht richtig, das alles der Solidargemeinschaft anzulasten.“

Viele Bußgeldverfahren wegen Corona-Verstößen

In deutschen Großstädten laufen nach einem Medienbericht mehr als 20.000 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen Corona-Regeln. Wie eine Umfrage der Zeitungen der Funke-Mediengruppe in zehn Städten ergab, hat allein Hamburg bereits rund 10.000 Bußgeldbescheide erstellt und mehr als 890.000 Euro eingenommen. In München seien nach Auskunft der dortigen Verwaltung bislang rund 9500 Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen zugeleitet und Einnahmen von mehr als 950.000 Euro erzielt worden. In Frankfurt am Main wurden dem Bericht zufolge bei gut 2500 eingeleiteten Ordnungswidrigkeitsverfahren Bußgelder in Höhe von über 650.000 Euro verhängt. In Köln versandte das Ordnungsamt 1525 Corona-Bußgeldbescheide über fast 364.000 Euro.

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