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Missbrauchsprozess gegen Mutter: Täter sagen zum Teil aus

Münster (dpa)

Von dpa

Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Am zweiten Prozesstag gegen die Mutter eines Opfers im Missbrauchskomplex Münster hat der mutmaßliche Haupttäter wie erwartet die Aussage verweigert. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Münster am Dienstagnachmittag mit. Die Anklage wirft der 31-jährigen Frau vor, den schweren sexuellen Missbrauch ihres Sohnes durch ihren Lebensgefährten Adrian V. nicht verhindert zu haben, obwohl sie davon wusste. Dabei berufen sich die Ermittler zum Großteil auf sichergestellte Chatverläufe. Der im Juli im Hauptverfahren zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte Münsteraner sollte am Dienstag neben weiteren Tätern im Prozess gegen die Frau als Zeuge aussagen. Das Urteil für den 28-jährigen IT-Techniker ist noch nicht rechtskräftig.

Dagegen äußerten sich weitere zum Teil bereits rechtskräftig verurteilte Täter - darunter ein 28-jähriger Student aus Aachen, der im März zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte in seinem Prozess Adrian V. als Schlüsselfigur bezeichnet. Wegen seiner Aussage wurde kurz darauf die Lebensgefährtin verhaftet. Als Zeuge sagte er jetzt zu früheren Aussagen von Adrian V. zum Wissen der Angeklagten über die sexualisierte Gewalt aus. Auch äußerte sich der 28-Jährige dazu, welche Personen hinter welchen Namen in den Chatverläufen steckten.

Die angeklagte Frau hatte am ersten Prozesstag am vergangenen Donnerstag alle Vorwürfe bestritten. Die Öffentlichkeit ist zum Schutz des heute elfjährigen Opfers weitestgehend von der Verhandlung ausgeschlossen. Ein Urteil will das Landgericht Ende September verkünden.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. In dem Tatkomplex wurden bereits mehrere Männer und eine Frau zu Freiheitsstrafen verurteilt. Weitere Tatverdächtige wurden identifiziert und sitzen zum Teil in U-Haft.

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