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Prozesse

Mutmaßlichen Panzerknackern drohen bis zu sieben Jahre Haft

Düsseldorf (dpa/lnw) - Sechs Männer stehen seit Freitag in Düsseldorf wegen einer Serie von Sprengattacken auf Geldautomaten vor dem Landgericht. Beim Auftakt unterbreitete die Vorsitzende Richterin den Niederländern einen Vorschlag: Sollten sie Geständnisse ablegen, würde das Gericht im Gegenzug Gefängnisstrafen von maximal zweieinhalb bis sieben Jahren verhängen.

dpa

Die Aufschrift «Landgericht Düsseldorf» steht am Gebäude des Landgerichts. Foto: Martin Gerten

Das Angebot geht auf ein Rechtsgespräch zurück, das zwischen den Prozessparteien geführt wurde. Wenn die Angeklagten darauf eingehen, ist in der kommenden Woche mit Geständnissen zu rechnen.

Die 20 bis 24 Jahre alten Angeklagten kommen aus Utrecht. Sie sind alle Niederländer nordafrikanischer Herkunft. Laut Anklage waren sie in unterschiedlicher Zusammensetzung an den Explosionen beteiligt. Zwischen Oktober 2018 und April 2019 sollen sie Geldautomaten in Warendorf, Münster, Ratingen, Erkrath, Köln und Heiligenhaus in die Luft gejagt - oder es versucht haben.

Der Anklage zufolge erbeuteten sie insgesamt 385 000 Euro. Für ihre Taten sollen die mutmaßlichen Panzerknacker Motorroller verwendet haben, um rasch vom Tatort zu flüchten. Zwei von ihnen waren in Heiligenhaus, zwei in Ratingen und zwei in den Niederlanden festgenommen worden. Der insgesamt angerichtete Sachschaden liegt bei rund 200 000 Euro.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Männer noch für weitere, in der Anklage nicht aufgeführte Taten verantwortlich sind. Die Vorwürfe lauten: besonders schwerer banden- und gewerbsmäßiger Diebstahl, Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen, Brandstiftung.

Das Besondere an diesem mutmaßlichen Bandenableger sei, «dass sie nicht mit superschnellen hochmotorisierten Autos vom Typ Audi unterwegs waren, sondern mit unauffälligen Mietwagen und Lieferwagen mit zwei Motorrollern an Bord», so Staatsanwalt Stefan Willkomm.

Die Motorroller hätten sie nach den Coups angezündet, um Spuren zu verwischen - einmal in Warendorf sogar in einer Kapelle, die dadurch komplett ausgebrannt sei.

Der Staatsanwalt rechnet die Angeklagten einer bis zu 250-köpfigen Bande aus Utrecht zu, gegen die die Sonderkommission «Heat» im Landeskriminalamt schon seit fünf Jahren ermittelt. Das Gericht hat für das Verfahren bis Ende September 39 Verhandlungstage eingeplant.

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