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Gesundheit

Nach "Corona-Ferien": Erste Schüler zurück

Abiturprüflinge dürfen zurück an die Schulen, Gottesdienste sollen bald wieder stattfinden, bei der Kita-Betreuung dämpft der Familienminister aber die Hoffnung. Die Zeichen in der Corona-Krise fallen unterschiedlich aus.

dpa

Schüler des Abijahrgangs 2020 sitzen im prüfungsvorbereitenden Unterricht. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa/lnw) - Im Ausnahme-Modus haben am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen die Schulen den Unterricht wieder aufgenommen. Nur wenige Schüler in einem Klassenraum, Desinfektionsmittel auf dem Lehrerpult und Schüler, die mit Einwegtüchern ihre Tische reinigen. Streng wird notiert, wer wo sitzt, damit Infektionsketten nachvollziehbar sind. So sah der neue Alltag sechs Wochen nach der landesweiten Schließung in den Schulen wegen der Corona-Pandemie aus.

Denn für Tausende Prüflinge hat in NRW die Schule wieder begonnen. Die landesweit 90 000 angehenden Abiturienten können selbst entscheiden, ob sie wieder zur Schule kommen, weil sie nach den Osterferien ohnehin keinen Unterricht mehr gehabt hätten. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen Schulpflicht.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte am Nachmittag: «Die schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs für die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen ist ein wichtiges Signal in Richtung verantwortungsvoller Normalität.» Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen zeigten, dass der Start gut gelungen sei.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW übte dagegen Kritik. Der Gesundheitsschutz in den Schulen sei nicht überall gewahrt und die Abstandsregeln könnten nicht ausreichend kontrolliert werden.

Am frühen Donnerstagabend kam dann noch eine Neuigkeit dazu: Gottesdienste und Versammlungen zur Religionsausübung werden in NRW ab Mai wieder öffentlich stattfinden können. Das kündigte die Landesregierung nach Gesprächen mit Kirchenvertretern über Schutzkonzepte an. Kirchen und Religionsgemeinschaften hatten in NRW im Zuge der Corona-Krise auf öffentliche Versammlungen verzichtet. Ein Verbot von Gottesdiensten gab es im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht.

Auf der Grundlage der «umfassenden und präzisen» Konzepte und Maßnahmenkataloge sieht die Landesregierung nach eigenen Angaben die Möglichkeit, dass zeitnah Gottesdienste wieder unter Beteiligung von Gläubigen gefeiert werden können. Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten zuvor erklärt, die Vorkehrungen zur Einhaltung des Abstands und zum Schutz bis zum 1. Mai 2020 vornehmen zu können.

Für die Eltern von Kleinkindern dämpfte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) derweil die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung der Kitas für alle. Eine weitere schrittweise Öffnung über die Notbetreuung hinaus dürfe «nur mit Augenmaß und verantwortungsvoll» erfolgen, sagte Stamp am Donnerstag im Familienausschuss des Landtags. Es dürfe bei den Eltern nicht der Eindruck entstehen, dass die Kitas «in zwei bis drei Wochen wieder in Vollauslastung» gingen. «Das wird natürlich nicht passieren», betonte er. Es müsse weiterhin viel improvisiert werden.

Kommenden Montag werde allerdings die Notbetreuung auch auf Kinder von alleinerziehenden Berufstätigen ausgedehnt. NRW wolle bei der Öffnung einen «offensiven Weg gehen, sofern das irgendwie verantwortbar ist», und «Schritt für Schritt immer mehr Kinder wieder in die frühkindliche Bildung bringen», sagte Stamp. Trotz der unklaren Perspektiven lehnte Stamp, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, eine frühe Zusage weiterer beitragsfreier Kita-Monate wie in Bayern entschieden ab.

Die SPD-Fraktion forderte dagegen die vollständige Aussetzung der Kita-Beiträge bis zum Ende des Betretungsverbotes. «Die Kosten dafür muss das Land übernehmen», sagte der familienpolitische Fraktionssprecher, Dennis Maelzer.

Die Zahl der Toten nach einer Infektion mit dem Coronavirus ist in NRW auf 1000 seit Beginn der Pandemie gestiegen. 37 neue Todesfälle kamen nach den jüngsten Zahlen von Donnerstag im Vergleich zu denen vom Vortag hinzu. Das Durchschnittsalter der Gestorbenen beträgt 82 Jahre, teilte das Landeszentrum für Gesundheit NRW mit. Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg auf insgesamt 30 598 Fälle. Innerhalb eines Tages kamen 397 hinzu. Auch die Gruppe der Genesenen wird größer: Mit 587 neuen sind jetzt insgesamt 19 636 Fälle gemeldet, die nach einer Coronavirus-Infektion als genesen gelten, wie das NRW-Gesundheitsministerium mitteilte.

Trotz Corona hat der Umweltverband BUND am Donnerstag mit einer Mahnwache gegen die geplante Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 protestiert. Die Stadt hatte die Aktion unter der Vorgabe genehmigt, dass nicht mehr als 20 Teilnehmer zu der Aktion am Kraftwerksgelände kommen. Alle Auflagen seien eingehalten worden, sagte ein Sprecher der Polizei Recklinghausen. Die Teilnehmer trugen Mund-Nase-Masken und Schilder mit Aufschriften wie «Abschalten» oder «Zukunft statt Kohle».

Der ehemalige Fernsehjournalist frühere WDR-Intendant Friedrich Nowottny (90) findet, dass die deutschen Politiker die Corona-Krise bisher gut bewältigt haben. «Vor allem die Bundeskanzlerin macht das sehr eindrucksvoll», sagte der einstige «Mister Bonn» der Deutschen Presse-Agentur. «Krise kann sie - als ob sie darauf wartet, um der Langeweile des Regierungsalltags zu entfliehen.»

Er sei sich aber nicht sicher, dass die derzeitigen starken Zuwächse für die CDU in den Meinungsumfragen von Dauer seien. Interessant sei, wie still es um einige Kandidaten für den CDU-Vorsitz geworden sei. «Merkwürdigerweise geht es nur noch um Laschet.» Von Norbert Röttgen rede niemand mehr. Die Stunde von Friedrich Merz könne noch einmal schlagen, wenn in einigen Monaten die wirtschaftlichen Probleme alles andere überragen sollten. «Da kann es schon sein, dass er noch einmal groß rauskommt.»

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