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Tarifkonflikt

Nach Eurowings-Streik: Parteien sprechen wieder miteinander

Köln (dpa)

Eine gute Nachricht für Reisende: Der Eurowings-Pilotenstreik endet, die Maschinen starten wieder planmäßig. Die Streithähne wollen auch wieder reden. Für eine Entwarnung ist es aber zu früh: Gehen die Verhandlungen in die Binsen, drohen erneut Ausfälle.

Von Wolf von Dewitz und Christian Ebner, dpa

Auf Anzeigetafeln werden auf dem Flughafen Hamburg Flugausfälle angekündigt. Foto: Bodo Marks/Bodo Marks/dpa

Nach dem Pilotenstreik bei Eurowings mit Hunderten Flugausfällen wollen die Tarifparteien an den Verhandlungstisch zurückkehren. Man wolle die Gespräche wieder aufnehmen, teilten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Lufthansa-Tochter am Mittwoch gemeinsam mit. Am Montag hatte ein dreitägiger Ausstand begonnen, in dessen Folge rund 800 Flüge gestrichen wurden. In der Mitteilung hieß es, der planmäßige Betrieb werde am Donnerstag wieder aufgenommen. «Das ist vor allem für alle Eurowings-Kundinnen und -Kunden eine gute Nachricht.»

Die VC will Entlastungen für die Piloten durchsetzen. Weil das vom Arbeitgeber vorgelegte Angebot ihr nicht ausreichte, hatte die Gewerkschaft zum Streik aufgerufen: Erstmals für einen Tag am 6. Oktober und ab diesem Montag in einer zweiten Welle für drei aufeinanderfolgende Tage. Zehntausende Reisende mussten umplanen. Zuvor hatten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft bereits das Bodenpersonal und ebenfalls die Piloten jeweils einen Tag gestreikt.

Nach Darstellung der Gewerkschaft sind die 800 Eurowings-Piloten bei der Arbeitsbelastung «am Limit». Daher sei eine Entlastung dringend geboten. Die VC fordert unter anderem, die maximale Wochenarbeitszeit um fünf auf 50 zu verringern. Eurowings bot drei Stunden. Die VC wollte 14 zusätzliche freie Tage, während Eurowings zehn anbot. Auch bei der Verlängerung der Ruhezeiten und der Verkürzung der maximalen Flugdienstzeiten kamen die Tarifparteien auf keinen gemeinsamen Nenner.

In dem Arbeitskampf versuchte Eurowings zwar, die streikbedingten Lücken mit Personal und Flugzeugen von Partnerfirmen zu stopfen. Das gelang zuletzt aber immer schlechter: Zu Wochenbeginn fiel etwa jeder zweite Flug von Eurowings Deutschland aus. Am Mittwoch lag der Anteil bei zwei Dritteln.

Der Streik kostete die Firma nach Angaben des Managements jeden Tag einen zweistelligen Millionenbetrag. Das bedrohe auch Arbeitsplätze, warnte Finanzchef Kai Duve. Dass die Gewerkschaft ausgerechnet jetzt, da man nach einem schwierigen Sommer wieder im Aufschwung sei, für Frust unter Reisenden und finanziellen Ballast sorge, sei unverständlich. Die Gewerkschaft habe «Maß und Mitte» verloren, kritisierte Duve. In einem offenen Brief forderte die Firmenspitze die Gewerkschaft auf, den Streik abzubrechen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Als die Gewerkschaft nicht reagierte, teilte die Geschäftsführung am Dienstag mit, dass die Wachstumspläne für das kommende Jahr gestoppt würden: Man werde weniger Maschinen als bisher geplant haben. Neueinstellungen und Kapitänsbeförderungen werde es vorerst nicht geben. Die Gewerkschaft schüttelte darüber den Kopf. Das sei eine nicht sachgerechte «Eskalationsrhetorik», sagte VC-Sprecher Matthias Baier. Wachstum sei nie Teil der Verhandlungen gewesen.

Mit der gemeinsamen Ankündigung, die Verhandlungen wiederaufzunehmen, stehen nun die Zeichen erstmal auf Entspannung. Ein Verhandlungstermin wurde zunächst nicht bekannt. Nach den öffentlichen Unmutsbekundungen wollen die Tarifpartner wohl mit kühleren Köpfen hinter verschlossenen Türen sprechen. In der Mitteilung hieß es: «Über die Inhalte der weiteren Gespräche haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.»

Und die Entscheidung, die Wachstumspläne abzuspecken: War das ein Druckmittel, das nun doch nicht umgesetzt wird? Auf diese Frage sagte ein Eurowings-Sprecher, die Geschäftsführung habe die Entscheidung getroffen, und sie bestehe weiter.

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