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Wie Hattingen für sich werben will

Netter Versuch aus dem Stadt-Marketing

Münster

Was unsere Eltern noch „dufte“ fanden, ist zwei Generationen später nicht mal mehr „cool“: So ändert sich der Sprachgebrauch. Eine kleine Stadt im Ruhrgebiet jedoch will ausgerechnet das Wörtchen „nett“ wieder aufwerten – und natürlich für sich reklamieren.

-has-

Ein Schild mit der Aufschrift "Wort-Partnerschaft für das Wort nett" ist unter einem Ortsschild von Hattingen zu sehen. Foto: picture alliance/dpa | Dieter Menne

Hattingen ist nett – oder? Oder ist dieses Etikett für die kleine Ruhr­gebietsstadt am Rande von Essen und Bochum ehrenrührig, peinlich gar, frei nach dem bösen Spruch „Nett ist die kleine Schwester von schei...“? Nein, sagt die ­Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die das nette Wort „nett“ zu retten trachtet und jetzt mit Hattingen eine „Wort-Partnerschaft“ begründete.

„Das Wörtchen ,nett‘ ist ein bisschen in die falsche Ecke gerutscht – oder gerutscht worden“, sagte Hattingens Bürgermeister Dirk Glaser bei der Vorstellung der „Wort-Partnerschaft“ vor wenigen Tagen laut dpa. GfdS-Experte Lutz Kuntzsch erklärte, „nett“ sei im 16. Jahrhundert mit einer ur­sprünglich rein positiven ­­B­e­deutung ins Deutsche gekommen. Durch Ironie habe sich die Bedeutung später verändert.

Als alter Hattinger, der sich mit Schulfreunden in den Kneipen am Krämersdorf traf und sich alljährlich auf das Altstadtfest freute, ist man zumindest irritiert: Soll so wirklich die nächste ­Werbekampagne klingen? Verschämt denkt man an den uralten Slogan „Hattingen ist wanderful“ zurück, der gefühlt jahrzehntelang an einer Hausfassade prangte; etwas angemessener wirkte sicherlich der Spruch „modern mit altem Kern“ für die 60 000-Einwohner-Stadt mit den hübschen Fachwerkhäusern im Zentrum und der praktischen Nähe zur Aalto-Oper in Essen und dem Bochumer Schauspielhaus. Und jetzt der Werbespruch „nett hier“ und der Hashtag „#netteshattingen“?

Der Sprachwissenschaftler Lutz Kuntzsch sagt, seiner Gesellschaft gehe es um die Diskussion um Wörter. „Aber wir erwarten keine Wunder“, betont er. „Wir können nicht festlegen und bestimmen: Das wird ein tolles Wort.“

Immerhin: ein netter Versuch.

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