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Pflegegutachter kommen wieder zu Menschen ins Haus

Düsseldorf (dpa/lnw)

Der Besuch des Pflegegutachters ist für alte Menschen mit Hilfsbedarf ein wichtiger Termin - es geht um viel Geld. In der Corona-Pandemie fielen die Entscheidungen dennoch nach Telefongesprächen. Nun dürfen die Gutachter wieder ins Haus.

Von dpa

Pflegegutachter des Medizinischen Dienstes dürfen angesichts gesunkener Corona-Infektionszahlen wieder zu den Antragstellern in die Wohnung kommen. Das gelte seit dem 1. Juli, teilte der Medizinische Dienst Nordrhein mit. Zuvor seien Pflegeeinstufungen seit dem Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 weitgehend telefonisch und mit Fragebögen erfolgt.

Die Gutachter seien froh, wieder ins Haus zu kommen, sagte die Leiterin des Fachbereichs Pflege beim Medizinischen Dienst Nordrhein, Ulrike Kissels: «Die Nähe einer Begutachtung vor Ort ist durch ein Telefonat nicht zu ersetzen.»

Das sieht der Sozialverband Deutschland genauso. Bei telefonischen Abfragen könnten Betroffene aus falschem Schamgefühl wegen der eigenen Unselbständigkeit wesentliche Aspekte zum eigenen Nachteil verschweigen oder abmildern, sagte der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, der dpa. «Ein empathisches Gespräch kann dem vorbeugen.»

Der Medizinische Dienst Nordrhein ist zuständig für 6,2 Millionen Kranken- und Pflegekassenmitglieder in Nordrhein-Westfalen. Er hat zum 1. Juli seinen Namen geändert: Früher hieß die Organisation Medizinischer Dienst der Krankenkassen (MDK). Hintergrund ist eine bundesweite Rechtsänderung mit dem Ziel, die Dienste unabhängiger von den Krankenkassen zu organisieren

Die Begutachtung des Unterstützungsbedarfs durch Pflegefachleute ist für die alten Menschen und ihre Angehörigen von erheblicher Bedeutung und vielfach ein mit Spannung erwarteter Termin. Je nach Einstufung variiert die Leistung für die Pflege der Menschen nämlich zwischen Null und 1995 Euro monatlich bei professionellen Pflegediensten und null bis 901 Euro bei Pflege durch Angehörige.

Im Corona-Jahr 2020 habe der Medizinische Dienst fast 296.000 Pflegegutachten erstellt - elf Prozent mehr als im Vorjahr, teilte die Organisation mit. Dabei sei trotz der meist nur telefonischen Begutachtung im Schnitt weder strenger noch großzügiger entschieden worden. «Wir haben die Einstufungen in die Pflegegrade jeden Monat mit dem Vorjahresmonat aus 2019 verglichen, in dem wir noch die Versicherten ausschließlich zu Hause besucht haben. Dabei hat es kaum Abweichungen gegeben», sagte Kissels.

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