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Umstrittene Erdgasförderung

Pinkwart will Fracking prüfen

Düsseldorf

Im ­Münsterland hat das Wort „Fracking“ keinen guten Klang - es gab viele Proteste gegen diese Form der Erdgasförderung. 2015 wurde Fracking in NRW verboten. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise taucht die alte Idee mit einem Mal wieder auf.

-epd/er-

Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht im NRW-Landtag in Düsseldorf. Foto: Sophie Brössler/dpa/Archivbild

Ein paar Jahre ist es jetzt her, da wollte der US-Konzern Ex­xonmobil in den Kreisen Steinfurt, Warendorf und Borken nach Erdgas­ ­suchen. Es entbrannte ein langer Streit, an dessen Ende die damals rot-grüne Landesregierung 2015 endgültig einen Strich durch die Pläne machte und die umstrittene Fördermethode flächendeckend verbot.

In der aktuellen Debatte um mehr Unabhängigkeit von russischem Gas haben Politiker und Ökonomen nun das umstrittene Gas-Fracking wieder ins Gespräch gebracht. Es müssten „alle Möglichkeiten geprüft werden, um die Auswirkungen des Krieges auf die ­deutsche Energieversorgung zeitnah abzufedern und Deutschlands Energieversorgung zukunftssicher aufzustellen“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). „Wenn Deutschland durch Fracking gewonnenes Gas zum Beispiel aus den USA importiert, könnte es nachhaltiger sein, wenn wir Gas aus heimischen Quellen mit möglichst risikoarmen Methoden gewinnen“, sagte der Minister. Alle gesetzlichen Regelungen, die solchen Vorhaben entgegenstünden, gehörten umgehend auf den Prüfstand.

NRW-Ministerpräsident ist skeptisch

Auch der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, fordert eine ernsthafte Prüfung des Frackings. „Grundsätzlich muss für einen schnellen Ausstieg aus rus­sischem Gas jede Option geprüft und ernsthaft erwogen werden“, sagte Hüther.

Video "Fracking zur Gasgewinnung wieder in der Diskussion" in Kooperation mit dem WDR:

Die Firmen Exxonmobil und Wintershall hatten 2014 in NRW Erdgassuchfelder abgesteckt. Die Konzessionen dafür bestehen aber nicht mehr. Die Spitzen­kandidatin der NRW-Grünen, Mona Neubaur, warnte dagegen vor einem Einsatz der Fracking-Technologie. „Zu groß sind die Risiken durch Verunreinigung des Grundwassers und der Umwelt sowie durch Erdrutsche“, sagte sie. „Stattdessen müssen jetzt die Erdgas-Importe diversifiziert und Reserven besser gemanagt werden.“

Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußerte sich skeptisch. „Wir müssen da, wo unser Grundwasser oberflächennah gewonnen wird, ganz besonders sensibel sein. Deswegen war Fracking bis heute kein Thema“, sagte er.

Nach Angaben des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) könnte die Förderung von Schiefergas durch Fracking den Anteil heimischen Gases am Bedarf in Deutschland von fünf auf zehn Prozent erhöhen.

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