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Leiter der Kita „Arche Noah“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Plötzlich Krisen-Manager

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Dass Björn Zentner einmal Krisenmanager und unfreiwilliger Mitarbeiter der Bauaufsicht sein würde, hat er wohl nicht erwartet, als er in Bielefeld seine berufliche Laufbahn startete. Jetzt ist er Leiter einer evangelischen Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 zerstört wurde. Aber inzwischen geht es wieder aufwärts mit der „Arche Noah“.

Von Gunnar A. Pier

Vom Fenster der Foto: Gunnar A. Pier

Wenn Björn Zentner in der ersten Etage aus dem Fenster der Elefanten-Bären-Gruppe schaut, hat er gewissermaßen die Gegenwart und die nahe Zukunft zugleich um sich herum. Die Gegenwart spielt in der ersten Etage des Mehrgenerationenhauses, seit die evangelische Kita „Arche Noah“ im Erdgeschoss Mitte Juli in der Flutkatastrophe versank. Auf dem Parkplatz vor dem Fenster werden gerade die Container eingerichtet, in der die Einrichtung bald ihr endgültiges Provisorium bezieht und bleibt, bis die eigentlichen Räumlichkeiten wieder hergestellt sind.

Dass Zentner einmal Krisenmanager und unfreiwilliger Mitarbeiter der Bauaufsicht sein würde, hat er wohl nicht erwartet, als er in Bielefeld seine berufliche Laufbahn startete. Dabei zeigte er sich von Beginn an durchaus flexibel: Obwohl sein Faible für soziale Berufe längst erkennbar war, machte der erklärte Arminia-Bielefeld-Anhänger zunächst eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Wie sein Vater: Der hatte seinerseits von 1965 bis 1968 beim Westfalen-Blatt Schriftsetzer gelernt und sich später selbstständig gemacht mit einer kleinen, aber wachsenden Setzerei und Druckerei. Sohn Björn stieg beim Vater ein. „Ich habe mal was Vernünftiges gelernt“, sagt er deshalb heute augenzwinkernd.

Faible fürs Soziale

Doch das Faible fürs Soziale ließ ihn nicht los. Im Jahr 2000 zog Zentner nach Ko­blenz und machte eine Ausbildung zum Erzieher. Nach Stationen als Ergänzungskraft und Gruppenleitung wurde er 2010 erstmals Leiter einer Kita. Es ging zurück in eine Kita nach Bielefeld und weiter in die Kita „Arche Noah“ in Bad Qeynhausen – bevor er 2018 in die nächste „Arche Noah“ wechselte: an die Ahr.

Bilder der Verwüstung sorgen für große Anteilnahme

Eine Kita mit Tradition

Die evangelische Einrichtung gibt es schon einige Jahrzehnte. Seit 2010 ist sie im Erdgeschoss eines ehemaligen Schulgebäudes untergebracht. 115 Kinder, sechs Gruppen – eine große Einrichtung. Am Abend des 14. Juli 2021 ging diese „Arche Noah“ in der Jahrhundertflut unter. Das Wasser stand fast bis zur Decke, alles ist zerstört. Das Spielzeug ist weg – und auch alle Daten. „Das ist jetzt über vier Monate her, aber ich habe noch immer nicht von allen die Telefonnummer. Und wir wissen nicht bis ins Letzte, wer wiederkommt und wer weggezogen ist.“

Auf dem Parkplatz der evangelischen Kita "Arche Noah" in Bad Neuenahr-Ahrweiler stehen Container, in die die Kita zum Jahreswechsel einziehen will. Foto: Gunnar A. Pier

Neustart nach der Flutkatastrophe

Dabei hat die „Arche Noah“ längst wieder Fahrt aufgenommen – wenn auch in unruhigem Fahrwasser. Zwei Gruppen wurden in Veranstaltungs- und Seminarräumen in der ersten Etage eingerichtet. Die Kleinsten bekamen einen Raum im dritten Obergeschoss, 24 Kinder werden täglich nach Karweiler oberhalb von Bad Neuenahr gebracht. Ein Behelf, das alles – aber es hilft.

„Die Hilfsbereitschaft ist großartig“

„Die Hilfsbereitschaft ist großartig“, nennt Zentner einen Grund dafür, warum hier kaum jemand den Mut verliert. Er verweist nicht nur auf die Hilfe unserer Leser, die im Rahmen der inzwischen abgeschlossenen Spendenaktion der Zeitungsgruppe Münsterland / Westfälische Nachrichten und Partner weit über 800 000 Euro für seine und sieben weitere Kitas im Ahrtal gespendet haben, sondern nennt auch andere Beispiele: „Eine Schuhfirma aus Herford hat beispielsweise Hausschuhe gespendet.“ Und aus Herzebrock-Clarholz werden bald 50 Weihnachtsbäume gebracht. Seine ostwestfälische Herkunft hilft dem 46-Jährigen also noch immer.

Schlamm und Dreck und Zerstörung: Die evangelische Kita "Arche Noah" in Bad Neuenahr-Ahrweiler am 18. August 2021 fünf Wochen nach der Hochwasser-Katastrophe. Foto: Gunnar A. Pier

Das nächste Provisorium

Auf dem Parkplatz vor dem Mehrgenerationenhaus wird derweil fleißig gewerkelt. Ein Container-Ensem­ble wurde errichtet, in das die „Arche Noah“ nach Weihnachten einziehen will. Dort ist Platz für alle Kinder – so lange, bis die Kita-Räume renoviert sind. Zwei Jahre werden so wohl vergehen. 

Die Berichterstattung geht weiter

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