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Odyssee durch Griechenland

Rentner muss drei Nächte in Flughäfen schlafen

Bad Oeynhausen

Doppelter Schicksalsschlag in kürzester Zeit: Erst will Wilfried Dankert seiner Schwester bei der Beisetzung ihres Mannes auf einer griechischen Insel beistehen, dann ereilt ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Angekommen ist er auf der Insel bis heute nicht. Drei Nächte verbringt der 65-Jährige in Flughafengebäuden, bevor er den Hilfeversuch abbrechen muss.

Louis Ruthe

Gespenstisch leer: Der Flughafen Zürich am Ostersonntag. „Selbst die Beleuchtung wurde über Nacht fast komplett ausgeschaltet“, berichtet Wilfried Dankert (rechts). Foto: Privat

​In der Nacht zu Karfreitag erfährt Wilfried Dankert aus Bad Oeynhausen, dass sein Schwager unerwartet auf Korfu verstorben ist, wo er seit zehn Jahren lebt. Dankert entschließt sich, seiner erkrankten Schwester, der Frau des Verstorbenen, bei der Bewältigung der Trauer und der Beerdigungsvorbereitung zu helfen. Doch: „In Telefonaten mit Bekannten vor Ort haben wir erfahren, dass es schwer werden wird, auf die Insel zu kommen.“

Die Deutsche Botschaft in Athen rät ihm, sich schnell auf den Weg nach Athen zu machen, um von dort aus, mit einem Sonderschreiben der Botschaft auf die Insel zu gelangen. Gemeinsam mit seinen Neffen bucht er einen Flug von Frankfurt mit einer Nacht Aufenthalt in Zürich nach Athen. „Eine Direktverbindung gab es nicht.“

Auf der Fahrt zum Flughafen erfährt Wilfried Dankert am Samstagmorgen vom Tod seiner Mutter. „Ich konnte die Reise zu meiner Schwester jetzt nicht abbrechen.“ Also checkt er ein und startete um 14.15 Uhr Richtung Zürich – mit etwa 25 Fluggästen, die jeweils eine eigene Reihe haben.

Übernachtung im Flughafen Zürich

Da es im Vorfeld nicht möglich war, ein Hotel zu buchen,und er auch vor Ort keine Hotelzimmer mehr bekommt, übernachtet er im Flughafengebäude. „Es war gespenstisch dort. Selbst die Beleuchtung wurde über Nacht fast komplett ausgeschaltet.“

Am nächsten Morgen (Ostersonntag) um 9.05 Uhr startet der Flieger nach Athen. „Auf dem Flug musste ich ein Papier ausfüllen mit Anschrift, Telefonnummer und dem Zielort“, berichtet er. Kurz nach 10 Uhr landet Wilfried Dankert in Athen, eine Stunde später soll sein Flieger nach Korfu gehen.

Neue Probleme

Am Schalter versucht er zu erklären, warum er nach Korfu reisen muss. „Die Dame am Schalter hat mich verstanden und alles mögliche probiert“, sagt Dankert. Plötzlich eine neue Hürde: „Nun verlangte man von mir einen Totenschein.“ Diesen hat er jedoch noch nicht parat, da die Leiche seines Schwagers obduziert werden soll, da die Todesursache unklar ist. „Ich entschloss mich, die eine Nacht auf den Totenschein zuwarten.“

Über eine Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft wird er auf dem aktuellen Stand gehalten. Auch drei Hotels sind ihm so herausgesucht worden. Einziges Problem: Er ist nicht im Besitz eines Passierscheins, und das nächste der drei Hotels ist 30 Kilometer entfernt gewesen.

Übernachtung im Flughafen Athen

Nach einer unruhigen Nacht im Athener Flughafen versucht Wilfried Dankert erneut, nach Korfu zu kommen. Doch ein Anruf der Deutschen Botschaft lässt jede Hoffnung im Keim ersticken. „Mir wurde mitgeteilt, dass sich die Gesetze verändert haben und keinerlei Reisebewegungen auf oder von der Insel mehr möglich sind“. „Mein Neffe suchte mir sofort einen Rückflug heraus, damit ich wenigstens zur Beerdigung meiner Mutter wieder zuhause sein konnte.“

Über Sofia nach Amsterdam kann Dankert abends gegen 21 Uhr zurückreisen – erneut mit einer Nacht Aufenthalt im Flughafen,dieses Mal in Bulgarien.

Übernachtung im Flughafen Sofia

Zweieinhalb Stunden wartet Dankert völlig erschöpft mit 16 anderen Personen auf seinen Pass. „Ich musste mich hinlegen und bin sofort eingeschlafen“, sagt er. Irgendwann sei er zum Terminal gebracht worden, wo er in einer Spielecke für Kinder den Rest der Nacht verbringt, um am nächsten Morgen über Amsterdam nach Hause zu kommen.

Zu Hause bekommt Wilfried Dankert die Nachricht aus Griechenland, dass sein Schwager an einem Herzinfarkt gestorben ist. Nach der Beerdigung seiner Mutter will er sich wieder darum bemühen, nach Korfu zu gelangen.

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