1. www.wn.de
  2. >
  3. NRW
  4. >
  5. Ruhrfestspiele öffnen ganz: Ukraine-Band als Botschafterin

  6. >

Musik

Ruhrfestspiele öffnen ganz: Ukraine-Band als Botschafterin

Recklinghausen (dpa)

Nur noch drei Wochen bis zum Kulturfestival Ruhrfestspiele. Die Corona-Lockerungen erlauben voraussichtlich wieder volle Häuser, aber die Bilder aus der Ukraine belasten alle Akteure. Einen prinzipiellen «Russen-Boykott» findet Intendant Kröck trotzdem falsch.

Von dpa

Angesichts der bundesweiten Corona-Lockerungen wollen die Ruhrfestspiele ihre bisher geplanten Platzbeschränkungen aufgeben. «Wir öffnen - außer bei der Eröffnungsinszenierung mit «Sibyl» - mit 100 Prozent der Plätze», sagte Intendant Olaf Kröck der Deutschen Presse-Agentur. Dabei werde aber die Maskenpflicht beibehalten. Bei «Sybil» liegen die Einschränkungen nicht an Corona, sondern an Sichtbehinderungen auf Randplätzen durch das Bühnenbild.

Bisher sollten im Großen Haus in Recklinghausen aus Coronaschutzgründen nur 60 Prozent der Plätze verkauft werden. «Der Zuspruch der Zuschauerinnen und Zuschauer ist überwältigend», sagte der Intendant. In den ersten drei Wochen des Vorverkaufs seien bereits 40 Prozent der Karten verkauft worden.

2020 war das Festival wegen der Pandemie ganz abgesagt worden, 2021 fand es nur in der zweiten Hälfte in Präsenz und mit stark reduzierten Zuschauerzahlen statt. 92 Produktionen sind bei dem vom DGB mitgetragenen Kunst- und Theaterfestival vom 1. Mai bis zum 12. Juni geplant.

Die Vorbereitungen würden von den bedrückenden Nachrichten des Ukrainekrieges überlagert. «Wir merken ein Erschrecken, eine Erschütterung nicht nur bei uns, sondern auch bei künstlerischen Partnern», sagte Kröck. Die für den 22. bis 24. Mai geplanten Auftritte der ukrainischen Folk-Punk-Band Dakhabrakha rückten vor diesem Hintergrund besonders in den Fokus.

«Wir wissen, dass die Band zum Glück aus der Ukraine draußen ist. Seit wenigen Tagen», sagte Kröck. Die Band aus Kiew - drei Frauen und ein Mann - habe sich entschieden, nun eine Art Botschafter ihres Landes zu werden. «Sie intensivieren ihre Reisetätigkeit. Sie sind aktuell noch in den Vereinigten Staaten», sagte der Intendant. «Sie spielen Folk-Punk, aber sie sind auch wirklich ein politisches Sprachrohr. Sie positionieren sich da sehr klar.»

Dakhabrakha habe schon bei den Protesten in der Ukraine am Maidan mitgespielt. «Die Band zählt zu den großen Akteuren, die Stimme waren, die laut waren», sagte Kröck. «Sie sind Botschafter ukrainischer Kultur und eine Stimme gegen diesen Aggressionskrieg, die auch kein Blatt vor den Mund nehmen.»

Die Band spielt selbstbewusst mit der ukrainischen Folklore, auffallend sind die hoch aufragenden Lammwollmützen der Musiker. «Wir werden Konzerte auf der ganzen Welt geben, um die Ukraine zu unterstützen und Geld zu sammeln», kündigte die Band auf ihrer Homepage an. Den russischen Präsidenten Putin bezeichnen die Musiker dabei als «Hitler des 21. Jahrhunderts».

Russische Künstler seien in diesem Jahr eher zufällig nicht im Programm. Wenn sie es wären, dürften sie auch auftreten, betonte Kröck. «Für uns gibt's keinen grundsätzlichen Boykott russischer Künstler bei den Ruhrfestspielen.»

«Ich würde auch keine belarussischen Künstler aus Prinzip ausladen», sagte der Intendant. «Denn wir interessieren uns für Künstler, auch aus Ungarn oder Polen, die eine hohe zivilgesellschaftliche Kraft zeigen, die sich in der Kunst organisiert, die Gegenpositionen einnehmen zur der Staatsdoktrin von Russland, Belarus oder anderen autoritären Regimen.» «Wir fokussieren auf diese Künstler. Die brauchen Unterstützung, mehr denn je», sagte Kröck.

«Gerade jetzt bedarf es der universellen Kraft der Kunst, um Brücken der Hoffnung und Verständigung in die Welt zu bauen», sagte die NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen der dpa. Die Produktionen aus 22 Ländern hätten «das Potenzial, uns Visionen für den Zusammenhalt Europas und der Welt zu geben».

2019 hatten rund 64.000 Besucher die Vorstellungen der Ruhrfestspiele besucht. Bei insgesamt rund 71.000 Karten im Verkauf entsprach das einer Auslastung von rund 90 Prozent.

Startseite
ANZEIGE