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Schluss mit Dorf-Klischee: Neue Konzepte für das Land

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die SPD-Opposition fordert differenzierte Entwicklungskonzepte für ländliche Räume in Nordrhein-Westfalen - auch jenseits von Land- und Forstwirtschaft. Letztere machten in diesen Regionen nur noch 1,5 Prozent der Wertschöpfung aus, sagte der Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, André Stinka, am Mittwoch in Düsseldorf. «Das ist hier inzwischen eine Branche unter vielen».

Von dpa

Die schwarz-gelbe Landesregierung richte ihre Politik für den ländlichen Raum aber immer noch hauptsächlich an den Interessen der Landwirtschaft aus, kritisierte Stinka. Ihre «Politik der Gießkanne» gehe an den Realitäten in den durchaus unterschiedlich ländlich geprägten und auch sozio-ökonomisch verschieden starken Regionen vorbei. Das habe eine Antwort der Regierung auf eine rund 300 Aspekte umfassende Große Anfrage der SPD-Fraktion gezeigt. Tatsächlich stellten Handwerk, gewerbliche Produktion und Dienstleistungen inzwischen rund 80 Prozent der Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Die SPD fordert ein Handlungskonzept jenseits der üblichen Land-Klischees, das die Fachkräfteversorgung dort sichert und den Technologietransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen stärkt. Im Gesundheitssystem seien Anreizsysteme für Hausärzte nötig. Schließlich seien etwa 60 Prozent der Hausärzte in NRW schon älter als 55 Jahre, stellte der SPD-Abgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe fest. Spezifische Daten für den ländlichen Raum habe die Landesregierung nicht vorgelegt. Die SPD schlägt außerdem niedrigschwellige Angebote mit Gemeindeschwestern und Gesundheitslotsen vor, die erste Ansprechpartner und Orientierung für Landbewohner sein könnten.

Im Verkehrsbereich fehlten flexible Anbindungen der Dörfer, zum Beispiel durch Sammel-Taxis oder Bürger-Busse, moniert die SPD. Um den Umzug für Städter attraktiver zu machen, müssten Gigabit-Netze auf dem Land flächendeckend ausgebaut werden. Nötig seien darüber hinaus lebhafte Dorfkerne mit Ärztehäusern, Gesundheitszentren, «rollenden Supermärkten» oder multifunktionalen Dorfläden.

Die FDP betonte dagegen, die Koalition habe den ländlichen Raum seit ihrem Regierungsantritt 2017 gestärkt. «Der Breitbandausbau wurde beschleunigt», betonte ihr Sprecher für Landwirtschaft, Markus Diekhoff, in einer Mitteilung. «Glasfaser gibt es jetzt bis zur letzten Milchkanne. Bis Ende des Jahres 2022 sollen auch die letzten Lücken in der Mobilfunkversorgung geschlossen sein.» Mit der Novelle des Landesentwicklungsplans sei zudem die Entwicklung von Gewerbe- und Wohngebieten in großen Teilen des ländlichen Raums überhaupt erst wieder ermöglicht worden.

Eine große Aufgabe für die nächsten Jahre bleibe aber die Verbesserung der Mobilität, räumte der FDP-Abgeordnete ein. «Die Anbindung des ländlichen Raums an den öffentlichen Personenverkehr ist noch nicht zufriedenstellend und muss dringend besser werden.»

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