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Kita St. Laurentius ist provisorisch im Kloster Calvarienberg untergekommen

So viel Leben war hier selten

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Das Gebäude der Kita St. Laurentius in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde Mitte Juli durch die Flutkatastrophe zerstört. Inzwischen läuft der Betrieb wieder – in einem Provisorium, das sich sehen lassen kann.

Von Gunnar A. Pier

Schöne, neue Welt: Die Kita St. Laurentius in Bad Neuenahr-Ahrweiler hat ihr Provisorium im Kloster Calvarienberg bezogen. Chaos nach der Flutkatastrophe im Juli: Im Garten der Kita St. Laurentius in Ahrweiler waren Autos angespült worden. Foto: Gunnar A. PierFoto: Rita MoogGunnar A. Pier

Das Kloster Calvarienberg liegt nahezu majestätisch auf einem Berg am Ortsrand von Ahrweiler. Es wurde vor 391 Jahren gebaut, doch so viel Leben wie in diesen Wochen hat es wohl selten erlebt. Denn in dem verwinkelten Gemäuer, aus dem vor vier Jahren die letzten Ursulinen auszogen, sind jetzt zwei Gymnasien und eine Kita untergebracht. Seit die Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 durch das Ahrtal rauschte, müssen alle hier zusammenrücken – am liebsten hoch oben auf einem Berg.

Zur neuen Gemeinschaft im Kloster-Komplex gehört auch die Kita St. Laurentius – eine jener Einrichtungen, die von der jüngst abgeschlossenen Spendenaktion unserer Zeitung profitieren. Eigentlich gehört sie an den Fuße des namengebenden Calvarienbergs auf die anderen Seite des jetzt wieder so unscheinbaren Flüsschens Ahr. 100 Kinder in fünf Gruppen, zwei davon mit Unter-Dreijährigen. Mitte Juli bereiteten sie hier den Abschied von den Ältesten vor, die nach den Ferien in die Schule wechseln sollten. „Ich hatte am Mittwoch schon alle Portfoliomappen schön eingepackt und auf dem Boden ausgebreitet“, erinnert sich Erzieherin Anja Braun. Die Mappen, für jedes Kind über Jahre liebevoll geführt, sollten sie als Erinnerung an die erste große Etappe ihres Lebens mit nach Hause nehmen.

Dann kam die Flut

Doch am Mittwochabend kam die Flut. Mannshoch rauschte das dreckige Wasser in jener Juli-Nacht durch das Tal, durch die Stadt, durch die Kita. Zurück blieben Zerstörung, wadenhoher Schlamm und angespülte Schrottautos, die sich auf den Spielgeräten stapelten. Weg waren die Fenster, Möbel, die Freude das Leben – und die Portfoliomappen.

Sommerpause

Die letzten beiden Kita-Tage vor den Ferien fielen also ins Wasser, dann begann die geplante dreiwöchige Sommerpause in St. Laurentius. „Für mich war das irgendwie kein Urlaub“, sagt Anja Braun, die die kommissarische Leitung der Einrichtung übernahm. Sie half bei Freunden und Kollegen, deren Häuser zerstört waren. Zeitgleich begannen in kürzester Zeit die Vorbereitungen für die Zukunft der Kitas ohne Gebäude.

Gutes Provisorium

„Es war schnell klar, dass wir im Kloster unterkommen“, erinnert sich Braun. Doch der Weg den Calvarienberg hinauf war beschwerlich. Dort, wo es einst auch ein Internat gab, mussten Räume hergerichtet werden. Wände streichen, teilweise neuen Boden verlegen, die Holzgeländer verkleiden, damit sie den Sicherheitsanforderungen für Kindereinrichtungen gerecht werden – viel Arbeit für Handwerker. Ein ehemaliger Festsaal wurde von Messebauern mit hölzernen Wänden in einen U3-Bereich mit mehreren Räumen unterteilt.

Krippen-Möbel überlebten

Seit dem 30. August ist die Kita St. Laurentius im Kloster angesiedelt. Jetzt gibt es großzügige Räume mit Mobiliar, das eine Kita aus Koblenz gespendet hat. Die Einrichtung der Krippen-Gruppen hingegen überlebte die Flutkatastrophe nahezu unversehrt. Sie lagen im ursprünglichen Gebäude im ersten Obergeschoss. Ein Bundeswehr-Trupp half beim Umzug auf den Berg. „Wir sind total froh, dass wir hier untergekommen sind“, sagt die kommissarische Leiterin.

Bald Normalbetrieb

Noch werden auf dem Calvarienberg auch Kinder anderer Einrichtungen betreut, deren Provisorien noch nicht stehen. Doch auf absehbare Zeit soll die Kita St. Laurentius in der Zwischenlösung dort oben wieder so viele Plätze anbieten können wie im eigentlichen Gebäude. Vom Investor, der das Kloster gekauft hat und umfunktionieren möchte, gab’s bereits grünes Licht. „Wir müssen uns hier auf anderthalb bis zwei Jahre einstellen“, sagt Anja Braun.

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