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Migration

Städtetag NRW rechnet mit mehr Flüchtlingen im Winter

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die Flüchtlingszahlen nicht nur aus der Ukraine steigen wieder an. Die NRW-Städte befürchten, an ihre Belastungsgrenzen zu kommen. Schon jetzt müssen einige Kommunen wieder Turnhallen mit Flüchtlingen belegen.

Von dpa

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen rechnen im Herbst und Winter mit steigenden Flüchtlingszahlen und fordern vom Land, die Plätze zur Unterbringung der Menschen aufzustocken. Die Flüchtlinge müssten außerdem fair auf alle Kommunen verteilt werden, sagte der Vorsitzende des Städtetages NRW, Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), der dpa.

Bis jetzt seien bereits mehr als 200.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. «Etwa zwei Drittel dieser Menschen müssen die Kommunen in Wohnungen, Hotelzimmern oder Sammelunterkünften unterbringen», sagte Kufen. «Das ist angesichts der Wohnungsmarktlage in vielen Städten eine echte Herausforderung.» Die Städte sorgten zudem für Kita- und Schulplätze.

Gleichzeitig steigen nach Worten Kufens die Flüchtlingszahlen aus anderen Ländern. In NRW würden dieses Jahr voraussichtlich über 40.000 Menschen einen Asylantrag stellen und von den Kommunen mit Unterkunft und Verpflegung versorgt werden. Das wäre mindestens ein Viertel mehr als vergangenes Jahr. «Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Deshalb müssen wir uns jetzt in NRW auf mehr Geflüchtete vorbereiten.»

Schon jetzt müssten einige Kommunen wieder Turnhallen mit Flüchtlingen belegen, sagte Kufen. Das Land müsse schnell die Kapazitäten in den eigenen Landeseinrichtungen aufstocken. Eine Erstaufnahme durch das Land würde nach Ansicht Kufens auch helfen, für eine gerechte Verteilung der Geflüchteten auf alle Kommunen zu sorgen. Die Städte müssten auch wissen, wie viele Unterbringungsmöglichkeiten sie zusätzlich vorhalten sollten. Außerdem müsse das Land «endlich zusichern, die Kosten für diese vorsorglich geschaffenen Plätze und Notunterkünfte zu übernehmen».

NRW-Flucht- und Integrationsministerin Josefine Paul (Grüne) hatte angekündigt, die Plätze in Landesunterkünften für ukrainische Geflüchtete bis Anfang Oktober von derzeit 3400 auf 4500 aufzustocken. Die schwarz-grüne Landesregierung hatte zudem angesichts steigender Flüchtlingszahlen mit einem Aufnahmestopp gedroht.

In einen Brief an das Bundesinnenministerium (BMI) hatte das NRW-Flüchtlingsministerium kritisiert, dass sich einige Länder trotz Unterquote für die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine hätten sperren lassen und die Menschen nach NRW weiterschickten. Der Bund müsse seiner Steuerungsfunktion gerecht werden. Aktuell stemmten drei Länder - NRW, Baden-Württemberg und das Saarland - den Großteil der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter.

«Es wird immer schwieriger, die Menschen unterzubringen», sagte Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW. «Der Bund muss dringend eine gerechte Verteilung sicherstellen.» Die größten Probleme bereite den Kommunen der Mangel an geeignetem Wohnraum. In vielen Sammelunterkünften seien keine Plätze mehr frei. Die vom Land in Aussicht gestellten 900 zusätzlichen Plätze in den Landeseinrichtungen reichten nicht aus.

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