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Steinbachtalsperre stabil: Abbruchkante Erftstadt riskant

Euskirchen (dpa)

Mit bangen Blicken schauten viele Anwohner in den vergangenen Tagen auf die Steinbachtalsperre: Hält der Damm? Jetzt gibt es Entwarnung. An anderer Stelle droht hingegen noch Gefahr.

Von dpa

Mit Hochleistungspumpen wird Wasser aus der Steinbachtalsperre abgepumpt. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Aufatmen für die Anwohner rund um die seit Tagen vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre: «Ein Dammbruch ist jetzt nicht mehr zu befürchten». Das hat die Bezirksregierung Köln am Montag mitgeteilt. Zuvor hatten Fachleute die Standsicherheit des Damms begutachtet. In den vergangenen beiden Tagen sei so viel Wasser abgelassen und abgepumpt worden, dass die Experten nun von einer stabilisierten Lage ausgingen, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung bei Twitter. «Die Talsperre wird in den nächsten Tagen abgefischt und dann vollständig entleert.»

Am Vormittag wollten sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Bild von der Lage an der Steinbachtalsperre machen.

Der Rhein-Sieg-Kreis meldete, die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach könnten nun aufgehoben werden. In Swisttal hatten Anwohner aus den Ortschaften Ludendorf, Odendorf, Essig und Miel aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen. In Rheinbach waren Bewohner aus den Stadtteilen Niederdrees und Oberdrees evakuiert worden. Für einige Orte im Kreis Euskirchens galt allerdings noch für einige Stunden ein Betretungsverbot.

Um den gefährlichen Druck auf die Staumauer zu verringern, habe der Wasserpegel um sechs bis sieben Meter gesenkt werden müssen, berichtete der Rhein-Sieg-Kreis. «Ziel war es, etwa zwei Drittel der sogenannten Betriebsstauhöhe zu erreichen.»

In dem vom Hochwasser besonders stark geschädigten Erftstadt bildet die Abbruchkante hingegen weiterhin ein Risiko. Zwar sei die Kiesgrube hinter dem Ortsteil Blessem weiträumig abgesperrt, sagte die Bürgermeisterin der nordrhein-westfälischen Gemeinde, Carolin Weitzel, am Montag im «Morgenmagazin» von WDR 2. «Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen ist jedoch jederzeit möglich.» Die betroffenen Stadtteile würden permanent mit Drohnen überwacht.

Gleichzeitig liefen geologische Untersuchungen. «Sobald der Ort als begehbar eingestuft wird, beginnen Prüfungen der Statik», sagte Weitzel. Im Ortsteil Blessem besteht in der Nähe der Abbruchkante akute Lebensgefahr.

Unter Hochdruck und Einsatz sämtlicher verfügbarer Ressourcen laufe auch die Suche nach Vermissten, berichtete die Bürgermeisterin. Im Einsatz mit den Rettungskräften vor Ort seien Roboter, Sonargeräte, Drohnen und Suchhunde. Schwerpunktmäßig würden jetzt Liegenschaften in Blessem und die Bundesstraße 265 untersucht.

Dort waren nach Angaben der Stadt mit Hilfe der Bundeswehr bereits am Sonntag fast alle vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden. Opfer sind demnach in den Autos und Lastwagen nicht entdeckt worden.

«Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend», sagte Weitzel. Am meisten gebraucht würden nun Geldspenden und möblierte Unterkünfte. Wer helfen möchte, findet Kontakte auf der Homepage der Stadt. Die Bürgermeisterin äußerte ihr tiefes Mitgefühl mit allen Opfern und Betroffenen: «Ich fühle intensiv mit.»

Mit dem Hochwasser kommt auch der Dreck: Das Landesumweltamt in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass durch die Fluten Öl, Diesel und andere Schadstoffe in die Gewässer eintreten werden. Anwohner aus den betroffenen Orten berichteten unter anderem von beißendem Benzingeruch, öligen Schleiern und angespültem Unrat. Oberste Priorität habe zunächst die Trinkwasserversorgung, sagte eine Sprecherin. Wasserversorger würden über einen sogenannten Warn- und Alarmplan über mögliche Befunde informiert und könnten dann Maßnahmen ergreifen. «Über andere Umweltfolgen haben wir noch gar keinen Überblick». Dafür müssten die Pegelstände zunächst weiter sinken.

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