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«Stop Putin» - Gedämpfter Karneval in Zeiten des Krieges

Düsseldorf/Köln (dpa/lnw)

Den Rosenmontagszug im Stadion haben die Kölner Karnevalisten wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine abgesagt. Bereits beim traditionellen Straßenkarneval am Wochenende zeigen Jecken auf Transparenten ihre Haltung.

Von Ulli Brünger und Carsten Linnhoff, dpa

Ein Karnevalist verfolgt mit einem Transparent das traditionelle Funken-Biwak. Foto: Oliver Berg/dpa

Straßenkarneval im Schatten des Ukraine-Krieges: In den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf feierten die Jecken am Wochenende vor und in den Kneipen zurückhaltender als sonst. Auf dem Neumarkt, wo am Samstag die größte Veranstaltung stattfand, erinnerten die Karnevalisten mit vereinzelten Transparenten an die Kämpfe im Osten Europas. Beim traditionellen Aufzug der Roten Funken waren dort etwa Aufrufe zu lesen wie «Stop Putin - Stop War». Nach Angaben der Polizei war der Platz gut gefüllt.

Aus Düsseldorf wurden allerdings mehrere Einsätze wegen betrunkener und teils aggressiver Feiernder am Karnevalswochenende gemeldet. In der Altstadt seien mehr als 200 Platzverweise ausgesprochen und 26 Menschen in Gewahrsam genommen worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Darunter seien viele Minderjährige und junge Erwachsene. Die Freitreppe am Burgplatz sei in Abstimmung mit der Stadt am Samstagabend für die Dauer der Nacht gesperrt worden, da sich dort zu viele Menschen aufhielten. Die Stimmung in der Altstadt sei an den Abenden «außergewöhnlich aggressiv» gewesen. Wie die anderen rheinischen Karnevalshochburgen hatte Düsseldorf zuvor eine sogenannte «Brauchtumszone» ausgewiesen, in der Feiern unter 2G-plus-Bedingungen erlaubt ist.

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg mahnte der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, die Jecken am Sonntag mit Blick auf Rosenmontag zur Zurückhaltung. «Angesichts des Leids, dass der Angriff Russlands auf die Ukraine über die Menschen dort bringt und auch angesichts der Ängste und Sorgen, die dieser Krieg auch hier bei uns auslöst, fällt es mir persönlich schwer, mir in diesen Tagen große, ausgelassene Karnevalsfeiern vorzustellen», sagte der Osnabrücker Bischof der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Er räumt aber auch ein, dass Menschen gerade in Zeiten von Not und Angst auch Anlässe zu Freude und Feiern bräuchten. «Ich denke, dass die meisten Karnevalsfreundinnen und -freunde selbst ein gutes Gespür dafür haben, was in diesen Tagen geht und was nicht.»

Eigentlich hatte das Festkomitee ein Rosenmontagsfest im Kölner Stadion mit Umzug geplant - wegen Corona war der klassische Umzug in der Stadt aber abgesagt worden. Unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine wurde am Donnerstag aber auch dieses Fest abgesagt. Stattdessen soll es die Demo in der Innenstadt geben.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) werden am Montag bei der großen Friedensdemonstration des Festkomitees Kölner Karneval in der Innenstadt teilnehmen, wie die Stadt Köln und die Staatskanzlei in Düsseldorf am Sonntag mitteilten. «Die Organisation einer großen Friedensdemonstration anstelle des Rosenmontagszugs ist ein starkes Zeichen des organisierten Karnevals und der Kölner Zivilgesellschaft», sagte Wüst dem Kölner Stadt-Anzeiger. «Es zeigt: Karneval ist mehr als Kamelle und Strüßje, Karneval steht für Gemeinschaft und Zusammenhalt.»

Geplant ist nach Angaben des Festkomitees eine Strecke von rund 4,5 Kilometern. Sie soll an vielen der eigentlich für den Rosenmontagszug gezimmerten Persiflage-Wagen vorbeiführen. Auf den Wagen werden politische Ereignisse satirisch kommentiert. Ein Wagen zum Thema Ukraine soll dem Demozug auch vorangestellt werden. Auf der Demo gelten Maskenpflicht und die 3G-Regel.

Auf Antrag der Polizei Köln ordnet die Stadt ein Fahrverbot für den Rosenmontag von 00.00 bis 24.00 Uhr in der Innenstadt an. In diesem Zeitraum sei das Fahren von Lastkraftwagen mit einer zulässigen Gesamtmasse über 7,5 Tonnen sowie Anhänger hinter Lastkraftwagen untersagt. Die Polizei teilte mit, dass sie bei der Versammlung «Kölner Karneval für Frieden in Europa» mit mindestens 30.000 Teilnehmenden rechnet.

Köln hatte für die Karnevalstage das ganze Stadtgebiet zur sogenannten Brauchtumszone erklärt. Das heißt, dass Jecken im gesamten öffentlichen Raum unter 2G-plus-Bedingungen feiern dürfen: Genesene oder zweifach Geimpfte brauchen also einen aktuellen negativen Test oder eine dritte Impfung (Booster). In Kneipen müssen auch Geboosterte einen aktuellen Schnelltest vorweisen.

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