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Kriminalität

Task Force jagt Clans und Mafia: Millionen Euro aufgespürt

Düsseldorf (dpa/lnw)

Mehr als 70 Polizisten, Steuerfahnder und Staatsanwälte sitzen Schreibtisch an Schreibtisch im Düsseldorfer Landeskriminalamt. Ihre Aufgabe: illegale Geldströme aufspüren. Vom Hawala-Banking bis zur Mafia-Geldwäsche hat die Task Force Ermittlungserfolge erzielt.

Von dpa

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Malte Krudewig/Malte Krudewig/Dpa/dpa/Archivbild

Bei der Verfolgung von kriminellen Clans, Mafia und internationalen Terroristen hat eine nordrhein-westfälische Sonderermittlungseinheit illegale Geldströme in dreistelliger Millionenhöhe aufgespürt. «Es sind Hunderte von Millionen, die da möglicherweise anstehen», sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf. Viele Millionen Euro seien bereits beschlagnahmt worden. An das gesamte Geld heranzukommen, könne aber dauern. «Auf jeden Fall zeigt das, dass die Treffer sitzen.»

Die 74-köpfige Task Force aus Polizisten, Steuerfahndern und Staatsanwälten wurde Ende 2018 gegründet. Das bundesweit einzigartige Team habe wichtige Ermittlungsverfahren angestoßen, die auch in Gerichtsurteile gegen internationale kriminelle Netzwerke gemündet seien, teilten die CDU-geführten Ministerien für Inneres, Finanzen und Justiz gemeinsam mit.

«Heute wissen wir: Wenn wir vereint gegen Kriminalität agieren, dann kriegen wir auch die dicken Fische», sagte Reul. Die Task Force «folgt der Spur des Geldes, sucht die Finanzierungsquellen und findet Straftaten», sagte Justizminister Peter Biesenbach. Finanzminister Lutz Lienenkämper kündigte an, die Ermittler würden ihre Arbeit fortsetzen. «Wir haben die internationalen Geldströme im Blick.»

Einige Beispiele:

Hawala-Banking: Kriminelle nutzen dieses System, um zwischen Ländern an Banken vorbei Überweisungen zu tätigen - eine international häufig angewendete Form der Geldwäsche. Auf Grundlage der NRW-Ermittlungen habe das Landgericht Düsseldorf fünf Männer zu Haftstrafen verurteilen können, die mehr als 170 Millionen Euro in die Türkei geschleust hätten, hieß es. Bei bundesweiten Dursuchungen konnten Vermögenswerte in Höhe von rund 25 Millionen Euro beschlagnahmt werden - Bargeld, Schmuck, Gold- und Silberbarren. Teilweise wurde das Bargeld in begehbaren Tresoren gebunkert. Es seien so viele Scheine gewesen, dass sie mit Maschinen gezählt werden mussten, berichtete die Task-Force-Staatsanwältin Alexandra Ruß.

Clan-Villa: Auch im Fall der «Clan-Villa Leverkusen» folgte die Task Force der Spur des Geldes. Inzwischen ist Anklage gegen sieben Angehörige einer Großfamilie erhoben worden. Die Vorwürfe reichen von Geldwäsche über erpresserischen Menschenraub, Zwangsarbeit und Geiselnahme bis zu Steuerhinterziehung. Außerdem wurden die Einziehung von mindestens 340.000 Euro und der Villa als Tatobjekt beantragt. Der Wert der Villa wird auf eine Million Euro geschätzt.

Sozialversicherungsbetrug: Kriminelle schickten Menschen aus Osteuropa, vor allem aus Bulgarien und Rumänien, nach Deutschland, um bei der Familienkasse NRW-West Kindergeld zu beziehen. Das Geld floss in die Kassen der Kriminellen - die Kindergeldbezieher reisten umgehend zurück. Mit einem von der Task Force erarbeiteten Datenkonzept konnten die Geldströme transparent gemacht werden. Zusammen mit den Städten Krefeld und Gelsenkirchen konnten Steuerschäden in Höhe von etwa drei Millionen Euro verhindert werden. Das Konzept soll auch in anderen Städten angewendet werden.

Terrornetzwerke: Die Task Force stieß Ermittlungen gegen einen islamistischen Verein an, der über Jahre Spenden in Höhe von 25 Millionen Euro eingesammelt und falsch deklariert hatte. Vermutung: eine verschleierte Finanzierung von Terrornetzwerken. Das Bundesinnenministerium konnte das Vereinsvermögen beschlagnahmen. Es wurde ein Strafverfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung eingeleitet.

Geldwäsche: Die Ermittlungen führten zur Festnahme von Geldwäschern, die von Italien aus operierten. Sie sollen im großen Stil mit aus dem Raum Neapel stammendem Falschgeld, gefälschten Dokumenten und Drogen gehandelt haben. Aktuell sind 80 Tatverdächtige im Visier. Die Task Force stellte mehrere Autos, gefälschte Pässe, Fahrzeugbriefe, Kokain und eine Schusswaffe sicher.

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