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Fußball

Tief im Westen: Die westdeutschen Clubs in der Dauerkrise

Niederlagen-Serien, ständige Trainer-Diskussionen, dauernde Rückschläge im Kampf um Europa und akute Abstiegssorgen: Die sechs Fußball-Erstligisten aus Nordrhein-Westfalen befinden sich in einer Dauer-Krise. Reiner Zufall ist das nicht.

dpa

Auf einer Eckfahne in einem Stadion ist das Logo der Corona Warn-App der Bundesregierung aufgedruckt. Foto: Gregor Fischer

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die eine Hälfte hechelt dem erhofften Champions-League-Platz hinterher, die andere bildet geschlossen die Abstiegszone: Im Westen herrscht derzeit bei allen sechs Fußball-Erstligisten dauerhaft Krisen-Stimmung. Dabei schlägt tief im Westen sprichwörtlich das Herz des Fußballs. Von den 18 Bundesligisten kommen derzeit sechs - und damit ein Drittel - aus Nordrhein-Westfalen. Und im Europacup stellten die NRW-Vereine mit drei von sechs Startern in dieser Saison sogar die Hälfte. Doch beide Zahlen könnten in der kommenden Saison deutlich sinken.

Stand jetzt verpassen Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach geschlossen die Champions League und vielleicht sogar den Europacup. Der komplett abgestürzte FC Schalke 04, Arminia Bielefeld und der 1. FC Köln belegen die letzten drei Plätze und sind akut vom Abstieg bedroht. Dortmund, Bielefeld und am Dienstag auch Leverkusen haben schon den Trainer getauscht, in Schalke arbeitet bereits der fünfte Coach. Marco Rose in Gladbach und Markus Gisdol wackelten zuletzt stark. Ist das in dieser Breite Zufall? Die Deutsche Presse-Agentur nennt Gründe:

DIE GEISTERSPIELE: Seit rund einem Jahr spielt die Bundesliga ohne Zuschauer. Die Zahl der Heimsiege ist seitdem gesunken, aber im Westen besonders. Wo das Herz schlägt, spielen Emotionen eine besondere Rolle. Dortmund mit dem größten Stadion der Liga, Schalke mit dem viertgrößten und Gladbach und Köln als Nummer sechs und acht mit jeweils mindestens 50 000 Zuschauern leiden besonders unter dem Fehlen der Fans. Insgesamt holten die sechs NRW-Vereine bis zum 26. Spieltag nur 23 Heimsiege, verloren aber 37 Mal im eigenen Stadion. Im Vorjahr standen 42 Siegen 27 Niederlagen gegenüber. Der Durchschnittswert ist bei jedem einzelnen Verein gesunken, insgesamt beträchtlich von durchschnittlich 1,62 Punkten auf 1,11 pro Spiel.

DIE DOPPELBELASTUNG: In einer Saison ohne Winterpause und mit noch engerem Terminplan als sonst, ist der Europacup wahrlich auch das, als was ihn Nörgler gerne bezeichnen: Eine Doppel-Belastung. Zwar sind die Ergebnisse nach Europacup-Wochen nicht in der Breite schlechter, aber es gibt Ausschläge. Dortmund gewann zum Beispiel nur drei von acht Spielen, darunter zweimal gegen die Alles-Verlierer aus Schalke. Gleichzeitig verlor der BVB auch dreimal. Unter anderem fielen die beiden bittersten Niederlagen der Saison daheim gegen Köln (1:2) und Stuttgart (1:5) in Wochen nach der Champions League.

VERLETZUNGSPECH: Es mag eine noch deutlichere Folge der großen Belastung in diesem besonderen Jahr sein. Jedenfalls fielen bei zahlreichen Vereinen wichtige Spieler aus. Und die West-Clubs konnten dies kaum anfangen. In Dortmund fehlen aktuell unter anderem Kapitän Marco Reus und Jadon Sancho, Axel Witsel schon sehr lange. In Leverkusen gab es gleich drei Kreuzband-Verletzungen, einen Wadenbeinbruch und eine Achillessehnenverletzung, dazu schon sieben Corona-Fälle. Köln spielt einen Großteil der Saison nicht nur wegen personeller Fehlplanung ohne gelernten Stürmer.

UND SONST? Auch in der 2. und 3. Liga sind die West-Vereine nicht sehr erfolgreich. Im Unterhaus stellt Tabellenführer Bochum die Ausnahme dar, die Absteiger Düsseldorf und Paderborn sind von den Aufstiegsplätzen weit entfernt. In der 3. Liga geht es für die ambitionierten Vereine Duisburg, Uerdingen und Viktoria Köln nur gegen den Abstieg. Hier überrascht alleine Aufsteiger Verl positiv. Eine Verschiebung der Kräfte in NRW ist wegen der Breite des Tiefs unwahrscheinlich. Allenfalls die Frage, ob Schalke Bochum als zweite Kraft im Pott ablöst, ist spannend. Aber sicher erst in einigen Jahren zu beantworten.

© dpa-infocom, dpa:210323-99-933736/4

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