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Trotz Nullnummer: Arminia und Streich «gottfroh» über Fans

Bielefeld (dpa)

Einen Treffer durften die 13 750 Zuschauer in Bielefeld am Samstag nicht bejubeln. Dennoch war es allein schon wegen ihrer Rückkehr für fast alle eine schöner Tag.

Von Holger Schmidt, dpa

Bielefelds Alessandro Schöpf (l) und Freiburgs Yanni Keitel kämpfen um den Ball. Foto: Friso Gentsch/dpa

Ihre Glückseligkeit über die Rückkehr ins Stadion ließen sich die Zuschauer auf der Alm auch von der ersten Nullnummer der neuen Saison nicht verderben. Zwei Ehrenrunden mussten die Profis von Arminia Bielefeld am Samstag nach dem 0:0 gegen den SC Freiburg zum Liga-Auftakt drehen, dabei wurden sie von den 13.750 Besuchern so euphorisch bejubelt, als hätten sie einen glorreichen Sieg errungen.

Und auch Freiburgs Trainer Christian Streich war «gottfroh» über die Rückkehr der Fans, obwohl Auswärts-Anhänger noch nicht erlaubt waren. Und obwohl der Einfluss auf das Team im Spiel litt. «Die Freude überwiegt natürlich. Aber das Coaching ist vorbei, das geht nicht mehr», sagte Streich. Da müsse sich eben die Zeichensprache wieder einspielen, ergänzte Kollege Frank Kramer: «Und man muss ein bissel lauter pfeifen.» Da musste Streich schmunzeln: «Das Problem ist nur, wenn du nicht pfeifen kannst. So wie ich.»

Dafür sei er noch emotionaler gewesen. «Der Puls geht ein bisschen höher», sagte Streich: «Wenn die Leute draußen schreien und machen, muss man aufpassen, dass man nicht mitschreit.» Auch Kramer berichtete, er habe Gänsehaut bekommen. «Und die Spieler waren total angefixt. Sie haben sich gefreut wie die kleinen Kinder auf Weihnachten.» U21-Europameister Amos Pieper bestätigte, «dass jeder ein Grinsen im Gesicht hatte».

Die Fans seien eben «das, was den Fußball ausmacht, bei allem, was drumherum passiert», sagte Arminia-Ikone Fabian Klos bei Sky - und war mit dem 0:0 letztlich zufrieden. «Ein Punkt am ersten Spieltag bei gefühlten 1000 Grad gegen eine - positiv gemeint - dreckige Mannschaft aus Freiburg, das ist schon okay.»

Auch der überragende Arminia-Keeper Stefan Ortega bilanzierte: «Es war leider nur ein Punkt. Aber durch die Fan-Rückkehr war es trotzdem ein schöner Tag.» Schon bei der Anfahrt im Bus hätten er und seine Kollegen «gesehen, wie die Leute im Trikot ins Stadion gehen und ein Bierchen trinken. Diese Atmosphäre ist durch nichts zu ersetzen.»

Das Ergebnis zu analysieren, war dennoch nicht einfach. «Ich bin nicht unzufrieden mit dem Punkt. Aber ich bin natürlich auch nicht zufrieden mit dem Punkt», orakelte Streich, dessen Stürmer ein ums andere Mal am überragenden Ortega verzweifelten. Der war nach einer guten Vorsaison beim FC Bayern gehandelt worden und hatte von Bundestrainer Joachim Löw den Wink bekommen, sich im Falle einer Verletzung für die EM bereit zu halten. «Leider hat Ortega überragend gehalten», sagte Streich.

Auch die Arminia werde sich «sicher spätestens morgen über den Punkt freuen», sagte Abwehrchef Pieper. Die einzige wirklich große Chance für Bielefeld vergab Masaya Okugawa in der 48. Minute überhastet. «Vielleicht muss ich ihm mal ne Scheibe Brot schmieren, damit ein bisschen mehr Power in den Schuss kommt», sagte Klos schmunzelnd: «Aber das passiert, das ist nicht schlimm.» An so einem Tag war eben alles verkraftbar.

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