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Über 5000 Lehrer-Jobs vakant: Eltern pochen auf Präsenz

Düsseldorf (dpa/lnw)

Schulpolitik gehörte in den vergangenen Jahren zu den wahlentscheidenden Themen in NRW. In der Corona-Krise ist der Druck auf Schulministerin Gebauer umso größer. Drei Monate vor der Landtagswahl präsentiert sie bereits eine Leistungsbilanz.

Von dpa

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Rund drei Prozent der knapp 160.000 Lehrerstellen in Nordrhein-Westfalen sind derzeit nicht besetzt. Das berichtete NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in Düsseldorf. Mit zusätzlichen Studienplätzen für Lehramtsanwärter, Sonderprogrammen und Neueinstellungen habe die Landesregierung seit ihrem Amtsantritt 2017 aber eine deutlich bessere Lehrerversorgung erreicht, bilanzierte sie drei Monate vor der Landtagswahl.

Eine repräsentative Umfrage für 39 Tageszeitungen aus NRW hatte zuvor ergeben, dass nur noch 13 Prozent der Bürger mit der Schulpolitik der Landesregierung zufrieden sind, 73 Prozent dagegen weniger oder gar nicht.

Tatsächlich habe die Landesregierung seit 2017 knapp 10.000 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen und mehr als 6300 Stellen erhalten, die die rot-grüne Vorgängerregierung eigentlich zur Streichung vorgesehen habe, erklärte Gebauer. Im laufenden Schuljahr unterrichteten 13.300 Lehrkräfte mehr an den öffentlichen Schulen des Landes als noch im Schuljahr 2016/17.

Innerhalb von fünf Jahren ist der Schuletat nach Zahlen des Ministeriums um 3,1 Milliarden Euro gesteigert worden. Der größte Einzelposten des Haushaltsplans 2022 umfasst rund 21 Milliarden Euro.

Mit einer Studienplatz-Offensive arbeite NRW daran, das bundesweit knappe Gut an Lehrkräften auszuweiten, betonte Gebauer. In dieser Legislaturperiode seien bereits rund 1450 zusätzliche Studienplätze für Lehrämter geschaffen worden. Mit Sonderprogrammen - etwa für Seiteneinsteiger, Lehrer-Pensionäre und Laufbahnwechsler - seien bislang rund 5700 zusätzliche Einstellungen gelungen.

Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung zur Bekämpfung des Lehrermangels greifen aus Sicht der SPD-Fraktion im Landtag zu kurz: «Die Landesregierung scheitert an ihren selbst gesetzten Zielen, denn sie wird der Bekämpfung des Lehrkräftemangels nicht Herr. Auch die damit verbundene Unterrichtsgarantie ist kläglich gescheitert», kritisierte Jochen Ott, stellvertretender Fraktionsvorsitzender laut Mitteilung. Es brauche neue Wege bei der Personalgewinnung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte erneut eine schulformübergreifend gerechtere Bezahlung an. Während für die mit einer besseren Besoldung bedachten Gymnasien bis zum Jahre 2030 ein Überhang von 19.000 Lehrkräften prognostiziert werde, würden im Grund-, Haupt- und Realschulbereich sowie in der Sekundarstufe I der Gesamtschulen bis dahin etwa 11.000 Lehrkräfte fehlen. Die Lücke bei den Berufskollegs werde zudem circa 4500 fehlende Lehrer umfassen, mahnte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik.

In der am Mittwoch vorgestellten Forsa-Umfrage hatten 63 Prozent der Wahlberechtigten angegeben, dass Schulpolitik für ihre eigene Wahlentscheidung bei der kommenden Landtagswahl wichtig oder sehr wichtig sei. Für 56 Prozent der Befragten bleibt die Corona-Pandemie das mit Abstand wichtigste Problem.

Viele Eltern in NRW wünschen sich trotz der Omikron-Welle weiter Präsenzunterricht für ihre Kinder. Allerdings sind nur wenige von der Sicherheit der Teststrategie für Schüler überzeugt. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Online-Umfrage der Landeselternkonferenz (LEK).

Über alle Schularten hinweg sprechen sich demnach gut 57 Prozent der Eltern für Unterricht im Klassenzimmer aus. Weitere 11,6 Prozent befürworten einen Wechselunterricht an den Schulen - geteilte Klassen, die abwechselnd zu bestimmten Tagen kommen oder auch getrennt nur jeweils halbe Tage in Präsenz lernen. Gut 10 Prozent der Befragten wollen Distanzunterricht, und 20,6 Prozent gaben an, Eltern sollten selbst entscheiden können.

Mit den Corona-Schutzmaßnahmen insgesamt zeigt sich ein Drittel der Eltern zufrieden, knapp 45 Prozent gehen sie nicht weit genug. Bei den Eltern von Förderschülern fällt die Zufriedenheit deutlich höher aus (49,7 Prozent). Das führt die LEK darauf zurück, dass in Förderschulen nach einem positiven PCR-Pool-Test auch weiterhin mit PCR-Einzeltests im Labor nachgetestet wird. Die PCR-Tests im Labor gelten als besonders genau.

An diesem Freitag will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit Schülervertretern und Bau-Experten Kampagnen für dringend nötige Schulsanierungen in NRW und Bayern vorstellen. «Bis heute mangelt es an Luftfiltern, Kinder und Lehrende sitzen viele Stunden täglich in baufälligen und stickigen Gebäuden», kritisiert die DHU. «Durch fehlende Wärmedämmung wächst der Schimmel in den Klassenzimmern und im Keller bollert häufig eine Öl- oder Gasheizung, die die Klimakrise weiter anfeuert.» Statt Vorbild beim Klimaschutz zu sein, seien die öffentlichen Schulgebäude «echte Klimakiller» und gefährdeten zudem die Gesundheit der Kinder.

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