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Kita Miki in Bad Neuenahr ist im Provisorium angekommen

„Uns hat es noch gut getroffen“

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Der Name „Miki“ ist nicht das Einzige, was ungewöhnlich ist an dieser Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die ganze Konzeption ist unkonventionell. Und jetzt ist sowieso alles anders: Seit die Flutkatastrophe die Räume beschädigt hat, ist die Einrichtung in einem Provisorium untergebracht.

Von Gunnar A. Pier

Turngeräte im Gruppenraum – wo gibt‘s denn sowas? Das Leben der Krankenhaus-Kita Miki in Bad Neuenahr-Ahrweiler spielt sich seit der Flutkatastrophe im Wesentlichen in der ehemaligen Aula ab.. Foto: Gunnar A. Pier

Die Ahr liegt selbst für dreieinhalbjährige Dreikäsehochs nur ein paar Gehminuten entfernt, deshalb gehört sie fest zur Welt der Kita Miki in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Ausflüge in den Dahliengarten am Ufer, sommertags planschen im kühlenden Wasser, Spaziergänge durch den nahen Kurpark. Doch am 14. Juli 2021 wurde das befreundete Flüsschen zum feindlichen Strom. Landunter beidseits der Ahr, auch die Miki-Kita stand unter Wasser. Inzwischen läuft der Betrieb wieder: Im Provisorium eine Etage höher. Und das Team freut sich über Geld aus der inzwischen abgeschlossenen Spendenaktion unserer Zeitung.

Der Name ist nicht das einzige, was an der Kita Miki ungewöhnlich ist. Gegründet wurde sie 1999 primär als Einrichtung für die Kinder von Mitarbeitern des Krankenhauses Maria Hilf in Bad Neuenahr. Die Idee kam bei einer Mitarbeiterbefragung auf den Tisch. „Also haben wir Laien einfach mal versucht, eine Kita zu gründen“, erinnert sich Harald Machill augenzwinkernd. Er arbeitet in der Verwaltung des Krankenhauses – und stemmt seit damals ehrenamtlich die kaufmännische Leitung der Kita.

Mitarbeiter-Kita ist auch offen für Externe

Heute besuchen 43 Kinder die Einrichtung, die von Beginn an auch Kindern von nicht-Mitarbeitern offen stand. „Wir wollten nie eine Insel sein“, so Machill. Ungewöhnlich ist auch, dass es – abgesehen von Heiligabend, Silvester und Rosenmontag – keine Schließtage oder Ferien gibt. Das Team mit zwölf Erzieherinnen legt Wert auf unkonventionelles und selbstständiges Arbeiten. Wer sich einmal darauf eingestellt hat, bleibt gerne: „Wir haben kaum Fluktuation“, freut sich Machill. Eine heile Welt am Fuße des Hospitals, so scheint es.

Die aktuelle Situation ist ein Kompromiss, mit dem die Leiterinnen Angelina Bell (links) und Daniela Radermacher ganz gut leben können.Die aktuelle Situation ist ein Kompromiss, mit dem die Leiterinnen Angelina Bell (links) und Foto: Gunnar A. Pier

Flutkatastrophe

Dann kam die Flut.

Die Erste, die am Tag nach der Katastrophe den Weg zur Miki fand, war die stellvertretende Leiterin Angelina Bell. „Der Weg war zugeschlammt, im Zaun hingen Stämme, Hölzer und Müll“, erinnert sie sich an ihren ersten Eindruck. „Aber ich hatte mir viel Schlimmeres vorgestellt“. Denn längst kursierten die Bilder von ganzen Straßenzügen, in denen die an vielen Stellen deutlich mehr als zwei Meter hohe reißende Flutwelle alles zerstört hatte.

Spendenaktion

Rund um das Krankenhaus und die Kita aber war die dreckige Mischung aus Flusswasser und Mitgespültem wie Öl, Benzin, Fäkalien und Chemikalien kaum hüfthoch angestiegen. Weil die Scheiben der Kita, die übrigens im ehemaligen Schwimmbad des Krankenhauses untergebracht war, dem Druck Stand hielten, standen die Räumlichkeiten nur etwa zehn Zentimeter unter Wasser. Und so wurde in der Miki-Kita deutlich weniger zerstört als in den anderen Einrichtungen, für die unsere Zeitungsgruppe Münsterland / Westfälische Nachrichten und Partner Spenden gesammelt hat.

Schäden sind größer als gedacht

„Wir dachten zuerst sogar, wir müssten nur einmal alles richtig saubermachen, dann können wir da wieder rein“, erzählt Kita-Leiterin Daniela Radermacher. Doch so einfach ist es dann doch nicht, stellte sich inzwischen heraus. Nicht nur alle Böden müssen neu, sondern auch der untere Meter der Leichtbauwände, in die das Dreckwasser eingezogen war. „Wir bleiben wohl noch ein komplettes Jahr hier oben“, vermutet Radermacher.

Provisorium in der ersten Etage

„Hier oben“: Das ist die Etage über den angestammten Räumlichkeiten. Wo vorher Krankenpflegeschule und Veranstaltungshalle des Hospitals waren, schlafen nun die 20 Krippenkinder, toben die Älteren, erledigen die Erzieherinnen ihren Schreibkram. In der Aula etwa gibt es Basteltische, Ess-Bereich, Ma­tratzen für den Mittagsschlaf, einen Computer, einen Wickeltisch und sogar den Turn-Bereich in einem Raum. Die Einrichtung ist großzügig und freundlich – und etwas unpraktisch. Aber Daniela Radermacher betont: „Bei all dem Chaos hat es uns noch gut getroffen!“

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