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Aufpreis allein reicht nicht

Verbraucherzentrale NRW testet sechs Angebote für faire Milch

Münster

Die Verbraucherzentrale NRW hat sechs Anbieter von „fairer Milch“ untersucht und verglichen, was hinter den verbreitetsten Angeboten steckt.

-me/pd-

Eigentlich ist es nur fair, dass der Landwirt für die Milch seiner Kühe kostendeckend bezahlt wird. Doch die Rechnung geht leider nicht immer auf. Foto: Lev Dolgachov

Eigentlich wird ja alles teurer – nur die Milch nicht. Seit Jahren sinken in Supermärkten und Discountern die Preise. „Der Einstiegspreis für einen Liter Milch in den Discountern liegt derzeit bei 75 Cent“, weiß Frank Maurer, Pressesprecher der Landvereinigung der Milchwirtschaft NRW. Kein Wunder, dass die Erzeuger kaum ihre Kosten decken können.

Vielen Verbrauchern ist das bewusst, und sie möchten mit einer bewussten Kaufentscheidung dafür sorgen, dass der Landwirt fair bezahlt wird. Die Verbraucherzentrale NRW hat sechs Angebote von „fairer Milch“ untersucht, die mit einem zusätzlichen Aufpreis werben. Dieser Aufpreis soll dem Landwirt zugute kommen.

Sternenfair: Die konventionelle H-Milch sowie die Milchprodukte von „sternenfair“, der Marke der MVS Milchvermarktungs-GmbH, werden in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und NRW angeboten. Die Milcherzeuger erhalten 40,15 bis 44,15 Cent pro Kilogramm Milch. Angesichts steigender Milchpreise plant die MVS für die „Sternenfair“-Produkte eine Erhöhung der Auszahlungspreise im Februar 2022. Hinter der MVS steht ein Verein mit 110 angeschlossenen Landwirten.

Die Faire Milch: Das Projekt des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter schreibt pro Liter konventionelle Milch einen Grundpreis von 45 Cent fest. Laut Stiftung Warentest ist die Auszahlung jedoch nur lückenhaft rückverfolgbar. Hofbetreiber werden nicht nach verkaufter Menge bezahlt, sondern erhalten eine Gewinnausschüttung auf ihre Genossenschaftsanteile.

Berchtesgadener Land: Von rund 1800 Milchviehhaltern aus Südbayern stammt die Milch des Molkereiunternehmens „Berchtesgadener Land“. Sie erhalten einen höheren Preis für die Milch als üblich: 41,34 Cent pro Kilogramm für die Bergbauern-Milch, 40,33 Cent pro Kilogramm für konventionelle Milch, 49,82 Cent pro Kilogramm für Bio-Naturland-Milch und 51,83 Cent pro Kilogramm für Bio-Demeter-Milch.

„Du bist hier der Chef: Mehr als 9300 Verbraucher haben im Rahmen der Initiative „Du bist hier der Chef“ über die Vergütung für die Milchbauernbetriebe abgestimmt. Die Landwirte erhalten 58 Cent pro Kilogramm Bio-Milch. Falls nötig, stimmen die mehr als 1000 Vereinsmitglieder über eine Erhöhung der Auszahlungspreise ab. Die unverbindliche Preisempfehlung von 1,45 Euro ist auf der Verpackung aufgedruckt, damit der Handel den Preis nicht ändern kann.

Schwarzwaldmilch: Die Molkerei Schwarzwaldmilch geht mit ihren Auszahlungspreisen transparent um und informiert dazu auf ihrer Homepage. So erhielten Erzeuger 2021 durchschnittlich für konventionelle Milch 40,32 Cent pro Kilogramm und für Bio-Milch 56,03 Cent pro Kilogramm.

Milch-Marker-Index

Ein Herz für Erzeuger: Einen anderen Ansatz verfolgt Netto mit seiner Marke „Ein Herz für Erzeuger“. Seit 2008 werden unter anderem konventionelle Mich sowie Emmentaler Käse und Mozzarella mit einem Preisaufschlag von zehn Cent pro Packung angeboten. Die Werbung suggeriert, dass die Milcherzeuger einen Aufschlag von zehn Cent bekommen. Die Höhe des Aufschlags richtet sich jedoch nach dem Umsatzanteil der Milch „Ein Herz für Erzeuger“ am gesamten Milchumsatz von Netto. Beträgt er zehn Prozent, erhalten die Milchbetriebe von der Molkerei etwa einen Cent zusätzlich. Nur wenn die gesamte Milch bei Netto als „Ein Herz für Erzeuger“-Milch verkauft werden würde, erhielte jeder Milchbetrieb zehn Cent pro Liter.

Fazit von Verbraucherschützer Frank Waskow: „Das sind gute Ansätze, aber sie sind noch nicht richtig wirksam.“ Es komme eben immer noch nicht genug für eine Kostendeckung beim Landwirt an. Hier hat Frank Maurer von der Milchwirtschaft NRW für Verbraucher den bekannten Tipp: regional kaufen.

Kommentar "Ein weites Feld"

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