1. www.wn.de
  2. >
  3. NRW
  4. >
  5. Verschnarchter Wahlkampf

  6. >

Kommentar: Historisch niedrige Wahlbeteiligung

Verschnarchter Wahlkampf

Es nützt nichts, über die historisch niedrige Wahlbeteiligung bei der NRW-Landtagswahl zu lamentieren. Wichtiger ist es, nach den Ursachen zu suchen. Und da spielen Parteien, Politiker und Programme eine wichtige Rolle. Ein Kommentar.

Von Elmar Ries

Briefwahlzentrum in Köln. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Sagen wir es mal so: Wählen zu gehen war am Sonntag nicht allzu attraktiv. Die Beteiligung bei der NRW-Landtagswahl erreichte mit 55,5 Prozent einen neuen Tiefstand. Nur noch jeder Zweite machte sein Kreuzchen. Das ist beschämend und fatal. Doch so sehr man über die Wahlmüdigkeit lamentieren kann: Die Frage nach dem Warum ist wichtiger. Wer hier nach Antworten sucht, landet unweigerlich bei den Parteien, den Kandidaten und ihren Inhalten oder – noch schlimmer: Er findet Letztere erst gar nicht. Und damit allerdings eine wichtige Antwort auf die Frage, warum knapp die Hälfte des Wahlvolkes die Wahl ignoriert.

Zur Ehrenrettung von Parteien und Kandidaten: ­Landespolitik ist selbstverständlich bedeutsam, aber eben nur bedingt sexy. Immer dann, wenn’s wirklich wichtig wird, spielt die Musik in Brüssel und Berlin. ­Erschwerend kam in NRW hinzu: Corona und der Krieg in der Ukraine sind überbordend wirkmächtig und dominant. Eigene Themen öffentlichkeitswirksam dagegenzusetzen, ist eine Herkules-Aufgabe. Aber: Nur auf die Umstände schieben lässt sich die Wahlmüdigkeit nicht.

Wenn Politiker austauschbar wirken, weil ihnen Ecken und Kanten fehlen, wenn sich Parteien inhaltlich nicht mehr unterscheiden, wenn weichgespülte Beliebigkeit das Maß der Dinge und Phrasen den Kern von Botschaften bilden, mag das alles parteiübergreifend sondierungs- und koalitionsgeeignet und der neuen Sehnsucht nach Harmonie geschuldet sein. Attraktiv fürs Wahlvolk ist all das aber nicht.

Der Wahlkampf in NRW war lahm und langweilig, arm an Inhalten und kam arg altbacken daher. Dass Parteien und Politiker so an (zu) vielen Menschen schlichtweg vorbeisenden, ist zwar traurig, wundert aber nicht.

Startseite
ANZEIGE