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Boykott

Viele Kneipen und Weihnachtsmärkte zeigen keine WM-Spiele

Düsseldorf (dpa/lnw)

Fußball auf dem Weihnachtsmarkt und in Kneipen? Schon lange wird diskutiert, ob Weihnachtsmarktstände die Spiele der umstrittenen WM in Katar übertragen. Viele Veranstalter und Betreiber haben etwas dagegen.

Von dpa

Ein Banner hängt an einer Hausfassade mit der Aufschrift «#Boycott Qatar 2022». Foto: Thomas Banneyer/dpa/Archivbild

Ein Weihnachtsmarktstand in Hagen hat als einer der ersten in Nordrhein-Westfalen angekündigt, nicht nur Glühwein auszuschenken. Er will von Sonntag an auch Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft zeigen. «Jeder darf das natürlich für sich selbst entscheiden. Wir haben es den Betrieben freigestellt, die Spiele zu zeigen», teilte der Sprecher des Hagener Weihnachtsmarkts, Alex Talash, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Damit solle den Schaustellern ermöglicht werden, den «ein oder anderen Euro zusätzlich dazuzuverdienen», sagte Weihnachtsmarktchef Dirk Wagner in einem WDR-Interview.

Damit steht der Weihnachtsmarkt in Hagen allerdings so gut wie allein da. Die Veranstalter der Dortmunder Weihnachtsstadt, wie der Markt dort genannt wird, haben sich beispielsweise gegen eine Übertragung entschieden. Man wünsche sich eine weihnachtliche, ruhige Stimmung, bei der sich alle Besucher wohlfühlen. Die Übertragung von Fußballspielen passt aus Sicht der Organisatoren nicht dazu.

Auch die Diskussion rund um die politische Lage im WM-Gastgeberland Katar spielt bei den Überlegungen eine Rolle. «Wir können nicht die Menschenrechtslage, schlechten Arbeitsbedingungen, die Stellung der Frau und der LGBTQIA+-Gemeinde, Todesfälle bei den Bauarbeiten und Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe kritisieren und die WM doch mit unserer Aufmerksamkeit belohnen. Wir halten es für wichtig, hier Haltung zu zeigen», sagte ein Sprecher der Dortmunder Weihnachtsstadt.

An den Ständen des Bielefelder Weihnachtsmarktes wird es ebenfalls keine WM-Spiele zu sehen geben. Tatsächlich habe es aber Anfragen von Seiten einzelner Händler und Schausteller gegeben. Die Veranstalterin Bielefeld Marketing GmbH habe sich aber gegen die Möglichkeit einer Übertragung entschieden, «um den traditionellen festlichen Charakter des Bielefelder Weihnachtsmarktes zu erhalten». Auch Essen, Köln und Düsseldorf verzichten auf die Übertragung von WM-Spielen, teilten die Städte auf Anfrage mit.

Auch in vielen Kneipen wird kein Fußball rollen. Die WM kollidiere mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, so dass einige Betreiber auf die Ausstrahlung verzichteten, sagte der Sprecher vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in NRW, Thorsten Hellwig. Dazu komme, dass Gaststätten aufgrund der Jahreszeit nicht mit Public-Viewing-Events in ihren Biergärten planen könnten. Auch bei einigen Gaststätten sei die politische Lage in Katar Grund für einen Boykott der Weltmeisterschaft und ein zusätzlicher Faktor für den Verzicht.

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