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Gesundheit

Virologe zu Osterurlaub: «Ich würde es jetzt nicht tun»

Wer Urlaubspläne hegt, sollte sich der Risiken bewusst sein, sagt der Essener Virologe Ulf Dittmer. Außer in Israel schätzt er die Lage als instabil ein - auch auf Mallorca.

dpa

Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen. Foto: Bernd Thissen

Essen (dpa) - Der Essener Virologe Ulf Dittmer rät dazu, auf Urlaubsreisen rund um Ostern zu verzichten. «Über Ostern haben wir in den allermeisten Ländern außer Israel keine stabile Lage», sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Essen der Deutschen Presse-Agentur. «Auch die Lage auf den Balearen halte ich nicht für stabil.» Es könne auch dort schnell wieder in die andere Richtung gehen. «Ich würde es jetzt nicht tun über Ostern.»

Er sehe mehrere Risiken: «Dass man sich infiziert und dort ins Krankenhaus muss oder dass man von Gegenmaßnahmen wie Quarantäne betroffen ist oder wieder Flüge ausfallen». Jeder solle sich genau überlegen, was er an Urlaub verantworten könne. Auch bei einem innerdeutschen Urlaub etwa in einer Ferienwohnung, gibt Dittmer (55) zu bedenken. «Virusverbreitung und Infektionszahlen haben etwas mit Mobilität zu tun. Und natürlich würde das die Mobilität erhöhen.»

Dittmer plädierte dafür, bei der Betrachtung der Corona-Lage neben der Wocheninzidenz stärker die Altersstruktur der Infizierten, die Zahl der Krankenhaus-Neuaufnahmen und die Impfquote der über 70-Jährigen einzubeziehen. Die Gesamtlage habe sich «klar geändert durch die Impfungen», sagte Dittmer und verwies auf die Situation in Essen. So seien dort nach dem Impfstart mittlerweile deutlich weniger über 80-Jährige infiziert als in den ersten beiden Wellen.

«Es hat sich verschoben hin zu jüngeren Leuten, die häufig nicht schwer erkranken.» Der Inzidenzwert sei im Begriff, sich von der Situation im Krankenhaus zu entkoppeln. Auch in der Uniklinik Essen sei die Zahl der Covid-19-Patienten zuletzt gesunken. Habe sie Anfang des Jahres noch bei über 130 gelegen, liege sie mittlerweile bei 50. Aktuell stagniere die Zahl jedoch.

Dittmer äußerte sich erleichtert darüber, dass sich die gefährliche südafrikanische Coronavirus-Mutante derzeit nicht stärker in Deutschland ausbreitet. Zwar mache die südafrikanische Variante im Saarland schon 15 Prozent der Neuinfektionen aus. «Für ganz Deutschland gibt es diese Entwicklung aber zum Glück nicht», sagte Dittmer. Die südafrikanische und die brasilianische Variante könnten sich schneller verbreiten und größere Infektionsketten als das ursprüngliche Coronavirus auslösen. Anders als die britische Variante könnten sie jedoch auch einem Teil der Antikörperantwort aus dem Weg gehen. Eine Impfung löse jedoch in jedem Fall eine breite Immunantwort aus und verhindere einen schweren Covid-19-Verlauf - auch bei einer Infektion mit Mutanten. «Der Impfschutz gegen schwere Erkrankungen ist immer noch sehr gut.»

© dpa-infocom, dpa:210319-99-884079/2

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