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Vom «Kaufhaus für Lebensmittel» zum Sozialkaufhaus

Essen (dpa)

In Essen fing alles an. Karl und Theo Albrecht legten hier den Grundstein für ein Handelsimperium. In ihrem Geburtshaus gingen mehr als 100 Jahre Lebensmittel über den Ladentisch. Nachfolger ist ein Sozialkaufhaus, das auch mit einigen Stücken von Aldi startete.

Von dpa

Das Geburtshaus der Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht im Essener Stadtteil Schonnebeck. Foto: Daniel Koke/Aldi/dpa/Archivbild

Blusen und Beinkleider statt Butter und Brot: Aldi hat für die traditionsreiche Verkaufsfläche in seinem Essener Stammhaus einen langfristigen Mieter ausgewählt. Ein Sozialkaufhaus bietet in dem Geburtshaus der Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht seit einigen Tagen Bekleidung und Haushaltswaren sowie weitere Sachspenden an. «Wir sind eigentlich angesprochen worden», sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH Neue Arbeit der Diakonie Essen, Michael Stelzner, der dpa. Aldi habe sich für eine soziale Nutzung der frei gezogenen Verkaufsfläche in der Huestraße 89 entschieden. «Wir konnten einen langfristigen Mietvertrag abschließen», erläuterte er.

Im Aldi-Stammhaus war vor sieben Monaten ein wichtiges Kapitel der Unternehmensgeschichte zu Ende gegangen. Mit dem Auszug der Filiale von Aldi Nord endete der Lebensmittelhandel in dem Gebäude nach 101 Jahren. Aldi Nord hatte sich gegen die weitere Nutzung der Flächen im Erdgeschoss entschieden, da sie für das wachsende Sortiment des Discounters viel zu klein geworden waren. Die Aldi-Mitarbeiter der Stammhaus-Filiale und die interne Bezeichnung «Verkaufsstelle 1» wechselten zu einer mehr als doppelt so großen neuen Aldi-Filiale in der Nähe. Aldi Nord entschied sich gegen eine Eigennutzung der freien Gewerbeflächen, für die ein externer Mieter gefunden werden sollte.

«Zielgruppe sind Menschen, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben», erläutert Stelzner die Ausrichtung des Sozialkaufhauses. Es würden Sachspenden von Privatpersonen und Unternehmen angeboten. Etwa 80 Prozent seien Bekleidung. Ein Großteil davon sei Secondhandware. Es würden aber auch Restposten oder sogenannte Rückläufer verkauft. Das vermeide auch Müll. Bei der Einrichtung des neuen Ladens hätten Aldi und C&A geholfen, die auch Bekleidungsstücke für den Start gespendet hätten. Mit dem neuen und größten Laden der gemeinnützigen Gesellschaft seien 30 Beschäftigungsverhältnisse für Langzeitarbeitslose entstanden.

Das neue Angebot wird nach den Worten von Stelzner gut angenommen. Mehrere Medien hatten über die Eröffnung am 11. Juni berichtet. «Wir haben unter der Pandemie gelitten», sagte er mit Verweis auf die Zwangsschließungen von Läden während der Lockdowns. Das Sozialkaufhaus in der Huestraße biete durch seine vergleichsweise große Fläche mehr Möglichkeiten auch was die Abstandsregeln betreffe. «Für uns ist es sicher genauso eine besondere Filiale, wie sie es für Aldi war», betonte Stelzner.

Der allererste Laden der Unternehmerfamilie Albrecht war zunächst ein Backwarenhandel, den die späteren Eltern von Karl und Theo 1913 im heutigen Essener Stadtteil Schonnebeck eröffneten. Er befand sich in der heutigen Huestraße 87, in Anna Albrechts Elternhaus. Im Frühjahr 1919 verlegten die Albrechts ihr Geschäft ins benachbarte Wohn- und Geschäftshaus Nummer 89, das das Ehepaar kaufte. Den neuen Laden nannten sie «Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht». In dem Haus sind die Söhne Karl und Theo geboren und aufgewachsen. Die erste Discount-Filiale unter dem Namen Aldi öffnete 1962 in Dortmund.

Aldi ist nach Einschätzung des EHI Retail Institute heute eine weltumspannende Einzelhandelsmarke mit 85 Milliarden Euro Jahresumsatz und 12.000 Standorten. Dazu zählten zu 85 Prozent Geschäfte, die unter der Marke Aldi auftreten, aber auch die Marken Hofer in Österreich und Trader Joe's in den USA. Die selbstständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd veröffentlichen nur wenige Zahlen. Nach ihren früheren Angaben beschäftigen sie zusammengenommen weit mehr als 200.000 Mitarbeiter weltweit.

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