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Von A wie Autobahn bis Z wie Zeche: Was ist typisch NRW?

Düsseldorf (dpa/lnw)

Das einwohnerstärkste Land der Bundesrepublik wird 75 Jahre alt und kann sich als Bundesland mit vielen Facetten feiern lassen. Wer Nordrhein-Westfalen durchbuchstabiert, kann Einiges entdecken.

Von Florentine Dame, dpa

Ein Strassenschild mit dem Landeswappen steht an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor der Kulisse des Drachenfelses. Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration

75 Jahre gibt es Nordrhein-Westfalen nun - doch was ist eigentlich typisch für dieses Bindestrich-Bundesland, das aus so vielen Menschen, unterschiedlichen Landstrichen und Eigenarten besteht? Die Deutsche Presse-Agentur hat das Land zwischen Rhein und Weser einmal durchbuchstabiert:

A wie Autobahnen: Ein mehr als 2200 Kilometer langes Autobahnnetz durchzieht das Bundesland. Weil hier Millionen täglich von A nach B unterwegs sind, es reichlich Baustellen gibt und NRW ein bedeutendes Transitland für den europäischen Lkw-Verkehr ist, ist es auf den meisten Strecken voll. NRW trägt deshalb den unrühmlichen Titel «Stauland Nr. 1».

B wie Bundesstadt Bonn: Wenngleich gemessen an vielen weiteren NRW-Städten und erst recht vielen europäischen Hauptstädten doch eher klein, war die Stadt am Rhein mehr als 40 Jahre lang politisches Machtzentrum der geteilten Deutschland.

C wie Christentum - In NRW gehört mit mehr als 60 Prozent deutlich mehr als jeder zweite einer der beiden christlichen Volkskirchen an - häufiger der katholischen als der evangelischen. Allerdings haben beide Konfessionen auch hierzulande mit sinkenden Zahlen zu kämpfen.

D wie Dritter Landesteil: Die Bindestrich-Konstruktion unterschlägt, dass es neben Westfalen und dem nördlichen Rheinland noch das kleine Lippe gibt. Es gehört aber erst seit 74 Jahren dazu. Der mit Abstand kleinste Landesteil im tiefen Osten hatte sich lange gegen eine Zwangsaufnahme gewehrt und sich schließlich gegen Niedersachsen und für NRW entschieden. Deswegen zieren das Landeswappen nicht nur das silberne Westfalenross und ein Wellenbalken als stilisierter Rhein, sondern auch die lippische Rose.

E wie Einwohner: Davon hat NRW im Vergleich der Bundesländer mit knapp 18 Millionen die meisten. Größte Stadt ist Köln mit 1,1 Millionen Einwohnern, gefolgt von der Landeshauptstadt Düsseldorf (rund 620.500), Dortmund (rund 587.500) und Essen (582.500). Kleinste Gemeinde im Land ist Dahlem im Kreis Euskirchen mit rund 4300 Einwohnern.

F wie Fußball: Wohl kaum ein anderes Bundesland steht mit seinen derzeit sechs Bundesligisten, vielen Traditionsvereinen und legendären Spielern von Helmut Rahn bis Günter Netzer so für Fußballleidenschaft. Zwar hat die Kommerzialisierung des Sports auch aus vielen einstigen sogenannten Arbeitervereinen längst internationale Wirtschaftsunternehmen gemacht - auf den Tribünen der Clubs kann man aber immer noch Erwachsene vor Freude oder Enttäuschung weinen sehen.

G wie Geld: Mit dem Geld ist es so eine Sache in NRW. Nur wenigen Kommunen geht es so gut wie dem «Steuerparadies» Monheim oder der Landeshauptstadt Düsseldorf: Die Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände Nordrhein-Westfalens beliefen sich laut Statistischem Landesamt Ende 2020 auf gut 60 Milliarden Euro. Rein rechnerisch ergibt sich damit für jeden Einwohner und jede Einwohnerin eine Verschuldung von 3353 Euro.

H wie Heimliche Gewinner: Mit etwa 150 eher im Verborgenen arbeitenden Unternehmen der Weltspitze etwa in den Bereichen Elektrotechnik, Automobilzulieferung, Maschinenbau und zahllosen anderen Branchen hat NRW eine besonders hohe Dichte sogenannter Hidden Champions. Diese erfolgreichen Unternehmen stellen Produkte her, die viele brauchen und wenige kennen.

I wie Infrastruktur: Die ist in NRW an vielen Stellen marode und deutlich ausbaufähig. Hunderte Brücken müssen erneuert werden, bei Schulgebäuden gibt es einen massiven Sanierungsstau. Auch beim Ausbau superschneller Glasfasernetze für das Internet ist noch Luft nach oben: Ende 2020 hatten etwa 15 Prozent der Haushalte einen Glasfaser-Anschluss.

J wie Jeck: Nicht nur in den Hochburgen am Rhein ist die fünfte Jahreszeit mit dem Karneval der ernstzunehmenste Spaß des Jahres: Selbst in zahlreichen westfälischen Städten regieren an den jecken Tagen zwischen Weiberfastnacht bis zum Beginn der Fastenzeit die Narren. Bis Aschermittwoch wird geschunkelt, gebützt und gefeiert. Ausufernden Straßenkarneval findet man besonders im Rheinland mit seinen berühmten Karnevalsumzügen.

K wie Klischees: Der Rheinländer ist kontaktfreudig, nimmt es nicht immer so genau und ist gelegentlich zu blauäugig. Der Westfale ist stur, fleißig, redet nicht viel, aber ist sehr treu, wenn er einen erstmal ins Herz geschlossen hat. Im Ruhrgebiet ist man geradeheraus, gelegentlich ruppig. Es ist wie immer mit Klischees - sie sind heillos übertrieben, nie ohne Ausnahme und haben doch einen wahren Kern.

L wie Landleben: Zwar ist NRW das am dichtesten besiedelte Bundesland der Republik und die Städte an Rhein und Ruhr bilden einen der größten Ballungsräume Europas - doch in vielen Regionen geht es auch beschaulich zu: Etwa ein Drittel der NRW-Bevölkerung lebt in eher ländlichen Regionen. Fast die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, weitere 27 Prozent sind bewaldet.

M wie Migration: Nordrhein-Westfalen ist ohne Zuwanderung nicht denkbar. Nicht ganz jeder Dritte in NRW hat einen Migrationshintergrund. Schon im 19. Jahrhundert kamen viele Auswanderer aus Polen ins Ruhrgebiet. Viele der nach dem Zweiten Weltkrieg ins Land geholten sogenannten Gastarbeiter und ihre Nachfahren blieben. Kriege, etwa auf dem Balkan oder zuletzt in Syrien, brachten weitere Nationalitäten als Flüchtlinge nach NRW.

N wie Neandertaler: Die letzten dieser engsten Verwandten des Menschen starben vor 40.000 Jahren aus, doch auch auf dem heutigen Terrain von NRW haben sie ihre Spuren hinterlassen: Im Neandertal hatten im Jahr 1856 Arbeiter in einem Kalksteinbruch Teile eines Schädels und Knochen entdeckt - Ausgangspunkt einer bis heute andauernden wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Menschenart.

O wie «Operation Marriage»: So lautete 1946 der Projektname für die von der britischen Militärregierung vorangetriebene Zwangsehe von großen Teilen der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen. Mit der Fusion wollten die Briten die Kontrolle über das industrielle Herz der Region, das Ruhrgebiet, wahren. Alles drehte sich also um Kohle, die für den Wiederaufbau des Westens so wichtig war. Franzosen wie Sowjets erhoben Ansprüche. Weil die Briten fürchteten, die Einwohner im Ruhrgebiet könnten eine kommunistische Regierung wählen, verschmolz man die Malocherregion politisch mit den stärker konservativ-katholisch geprägten ländlichen Regionen. Der 23. August gilt damit als Geburtsstunde.

P wie Printen, Pumpernickel und andere Spezialitäten: Während Aachen berühmt für sein besonders zu Weihnachten beliebtes Gewürzgebäck, die Printe, ist, ist Pumpernickel ein typisch westfälischer Exportschlager. Auch die Flönz genannte rheinische Blutwurst, klebriger Kartoffelkuchen aus Lippe alias Plickert oder der Ruhrgebiets-Rinderschmortopf Pfefferpotthast zählen zu kulinarischen Besonderheiten.

Q wie Quellwasser: Ist es doch der mengenmäßig größte Anteil in einer weiteren Spezialität - den Bieren des Bundeslandes. Knapp ein Viertel des in Deutschland gebrauten Biers kommt aus NRW. Auch hier pflegt man zum Teil mit großem Stolz ganz eigene Brautraditionen. An der Frage ob Kölsch oder Alt ins Glas kommen, sollen schon Freundschaften zerbrochen sein, auch wenn böse pilsliebende Zungen behaupten, wahrer Biergenuss komme doch eher aus Westfalen. Einst galt Dortmund mit seinen zahlreichen Brauereien immerhin als Europas Bierhauptstadt - heute fließt dort wie im Rest des Landes auch Bier aus südwestfälischen Großbrauereien wie Krombacher, Veltins oder Warsteiner durch die Kehlen.

R wie Röntgenstrahlen und andere Erfindungen: Nicht wenige weltverändernde Ideen stammen aus NRW. So entdeckte ein Physiker aus Remscheid mit Namen Wilhelm Conrad Röntgen die Kraft der «X-Strahlen». Ein Apotheker aus Bielefeld erfand das Backpulver und legte so den Grundstein für den heutigen Oetker-Konzern. Die Düsseldorfer Firma Henkel ersann den Klebestift, der bis heute zu jeder Bastelkiste gehört und auch die von Hans Riegel in Bonn erfundenen Gummibärchen sind in aller Munde. Und NRW bleibt erfindungsreich: 2020 wurden 6388 Patente angemeldet, das entspricht einem Anteil von mehr als 15 Prozent aller in Deutschland patentierten Produkte oder Verfahren.

S wie Siegfried und andere sagenhafte Gestalten: Teile der Nibelungensage spielen im Rheinland und führen den Helden Siegfried vom Niederrhein (siehe X wie Xanten) zum Drachenfels im Siebengebirge. Die Sage der Heinzelmännchen, jener Kölner Hausgeister, die nachts die Arbeit der Bürger verrichteten, hallt ebenfalls noch nach. Gleich eine ganze Fülle von Legenden rankt sich um die bizarre Felsformation der Externsteine im Teutoburger Wald.

T wie «Tief im Westen»: Dort liegt, wie vom berühmten NRW-Sohn Herbert Grönemeyer besungen nicht nur Bochum, sondern die gesamte Metropolregion Rhein/Ruhr - einem der größten Ballungsräume Europas. «Keine Schönheit/vor Arbeit ganz grau» passt dem Strukturwandel zum Trotz noch immer irgendwie. Es wird malocht: In NRW wird das bundesweit größte Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Wäre NRW ein eigener Staat, stünde es damit auf Rang 19 in der Welt - vor Staaten wie der Türkei oder der Schweiz. Und Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

U wie Unternehmen: Rückgrat im Industrieland sind kleine und mittelständische Unternehmen. Auch 19 der 50 größten deutschen Unternehmen sind in NRW zuhause. Außerdem ist die Dichte an Familienunternehmen hoch - auch in der Gruppe der Global Player. So sind etwa die Handelsriesen Aldi und Metro ebenso wie der Lebensmittelkonzern Oetker, der Medienkonzern Bertelsmann oder das Konsumgüter-Unternehmen Henkel in Familienhand.

V wie Vogelschießen: Der Brauch steht im Zentrum vieler traditioneller Schützenfeste, schließlich darf sich derjenige, der das in großer Höhe befestigte Holztier abschießt, ein Jahr lang Schützenkönig nennen - mit allen dazugehörigen Ehren wie Umzügen, Blasmusik-Ständchen und Paraden. Für viele Dorf- und Kleinstadtbewohner sind die geselligen Feste mit ihren Ritualen identitätsstiftende Jahreshöhepunkte.

W wie Wahrzeichen: Touristenmagnete und Stolz der Lokalpatrioten sind unter anderem der Kölner Dom, der Rheinturm am Düsseldorfer Landtag, das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, der Dortmunder U-Turm und viele weitere mehr. Der Bielefelder etwa verweist auf seine Sparrenburg, der Münsteraner auf den Prinzipalmarkt. Im Ruhrgebiet ist man stolz auf seine Halden und die umgenutzten oder zum Denkmal erklärten Industriebauten und Fördertürme.

X wie Xanten: Es ist nur eine von 396 Städten und Gemeinden in NRW, aber die einzige bundesweit, die mit dem drittletzten Buchstaben im Alphabet beginnt. Zu bieten hat das Städtchen am Niederrhein aber mehr: So zeugen viele archäologische Funde und Stätten von der langen Geschichte der Stadt, die aus einem römischen Militärlager hervorging.

Y wie «Yeah, HappyBirthday»: Der englische Ausspruch ist auch insofern passend, dass es die Briten waren, die NRW gründeten vor nun genau 75 Jahren (Siehe O wie «Operation Marriage»). Gefeiert wird natürlich in der Landeshauptstadt - und zwar so, wie es die Corona-Pandemie zulässt: Während das ursprünglich geplante Bürgerfest ausfällt, gibt es einen Festakt auf der Galopprennbahn mit Besuch der Bundeskanzlerin.

Z wie Zeche Zollverein: Die Unesco-Welterbestätte in Essen war einst die größte Steinkohlenzeche der Welt und steht sinnbildlich für eines der wohl prägendsten Kapitel der 75-jährigen Geschichte des Landes. Denn Kohle und damit verbunden auch Stahl waren nach dem Krieg zentral für den Wiederaufbau des zerstörten und verarmten Westens, heizten später das Wirtschaftswunder an. Weil der Abbau des schwarzen Goldes jedoch zunehmend unwirtschaftlicher wurde, setzte ab spätestens den 1960er-Jahren das Zechensterben ein. 2018 wurde im Ruhrgebiet das letzte Stück Steinkohle gefördert. Schon deutlich früher hatte die Region begonnen, statt auf Montanindustrie auf andere Branchen etwa den Bildungs- und Dienstleistungssektor zu setzen. Auch dafür steht Zollverein: Wo früher kohlegeschwärzte Kumpel malochten, gibt es heute Ausstellungsräume, Büros für Start-ups und Forschungslabore.

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