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Vorschlag zu Lehramtsstudium: Opposition kritisiert Gebauer

Düsseldorf (dpa/lnw)

Drei Monate vor der Landtagswahl wird der Lehrermangel zum Zankapfel zwischen Regierung und Opposition. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer steht erneut im Kreuzfeuer. Diesmal geht es um ihren Vorschlag für Lehramtsstudiengänge.

Von dpa

Abgeordnete debattieren im Landtag. Foto: Oliver Berg/dpa/Symboldbild

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat für ihren Vorschlag, als Maßnahme gegen den Lehrermangel die Zulassungsbeschränkungen für Lehramtsstudiengänge abzuschaffen, heftige Kritik der Opposition bekommen. Der Numerus Clausus könne nur sinken oder wegfallen, wenn auch zusätzliche Studienplätze bereitgestellt würden, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jochen Ott, am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Landtags.

Ott bezog sich dabei auf eine kritische Stellungnahme der Landesrektorenkonferenz zu Gebauers Vorstoß. Das sei eine «schallende Ohrfeige» für die Landesregierung kurz vor Ende der Wahlperiode. Drei Monate vor der Landtagswahl komme Gebauers Vorstoß wie «aus der Hüfte geschossen».

Die FDP-Ministerin sagte in der hitzigen Debatte, keinesfalls stehe ihre Überlegung zum Numerus Clausus für Lehramtsstudiengänge im luftleeren Raum. «Selbstverständlich muss eine Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen durch entsprechende Studienplätze hinterlegt sein.» Es müssten neue Vereinbarungen mit den Universitäten und personelle und finanzielle Ressourcen geschaffen werden. Ihr Ziel sei nicht, die Zulassungsbeschränkungen nur rein formal aufzuheben. Es gehe nicht um kurzfristige Maßnahmen zur Umsetzung in wenigen Monaten, sondern um einen Plan für die Zukunft. Sie wolle den Ausbau von Studienplätzen vor allem im Bereich des Grundschullehramts und der Sonderpädagogik sicherstellen.

Die Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer sagte, der Vorschlag Gebauers habe «keine Substanz». Eine Ausweitung von Studienplätzen ohne zusätzliches Personal wie Professoren und Mitarbeiter an den Universitäten senke die Ausbildungsqualität. Die gleiche Bezahlung von Lehrern und verbesserte Rahmenbedingungen ihrer Arbeit wären laut Beer dagegen ein Anreiz auch für Teilzeitkräfte, ihre Stunden aufzustocken.

Der AfD-Politiker Helmut Seifen warf Rot-Grün «übles Wahlkampfgeschrei» vor. Bei dem Vorschlag handele es sich um einen «beiläufig dahingeworfenen Gedanken». Niemand gehe davon aus, dass der Denkanstoß, den Numerus Clausus für Lehramtsstudiengänge abzuschaffen, bereits ein ausgereifter Plan sei.

Die Landtagsdebatte wurde zum Schlagabtausch über den Lehrkräftemangel. Gebauer warf der Opposition vor, in der rot-grünen Regierungszeit die Bekämpfung des Lehrermangels vernachlässigt und eine «völlig ungesteuerte Situation» für die Lehrerausbildung hinterlassen zu haben. Die ehemalige rot-grüne Koalition habe nicht einmal Lehrerbedarfsprognosen aufgestellt. «Es gab sieben lange trostlose Jahre kein einziges Sonderprogramm zur Besetzung offener Lehrerstellen.»

Rund drei Prozent der knapp 160.000 Lehrerstellen in Nordrhein-Westfalen sind nach früheren Angaben Gebauers derzeit nicht besetzt. Das sind etwa 5000 Stellen. Mit zusätzlichen Studienplätzen für Lehramtsanwärter, Sonderprogrammen und Neueinstellungen habe die schwarz-gelbe Landesregierung seit ihrem Amtsantritt 2017 aber eine deutlich bessere Lehrerversorgung erreicht. Mehr als 5700 Lehrkräfte seien zusätzlich eingestellt worden. Außerdem seien bereits 1400 zusätzliche Studienplätze besonders für Grundschule und Sonderpädagogik geschaffen worden. Das habe dazu geführt, dass etwa an der Universität Siegen der Numerus Clausus für bestimmte sonderpädagogische Studiengänge abgeschafft worden sei.

Nach Ansicht des Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE) sind zwei Schritte nötig, um den Lehrkräftemangel anzugehen. «Wir brauchen ausreichend Studienkapazitäten für alle Lehrämter und zudem muss der Beruf attraktiver werden», sagte der NRW-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Dazu müsse es angemessene Arbeitsbedingungen und gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit geben.

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