1. www.wn.de
  2. >
  3. Nrw
  4. >
  5. Vulkanwolke lähmt Flugverkehr im Norden - FMO bis 20 Uhr geschlossen

  6. >

NRW

Vulkanwolke lähmt Flugverkehr im Norden - FMO bis 20 Uhr geschlossen

wn

Hannover/Bremen - Tausende Fluggäste haben am Freitag in Niedersachsen und Bremen ihre Reisepläne ändern müssen. Die Airports in Hannover, Bremen und Münster/Osnabrück waren bis mindestens 20 Uhr komplett geschlossen. Maschinen konnten dort weder starten noch landen. Grund ist der Vulkanausbruch in Island, der seit Donnerstag für erhebliche Störungen im Luftverkehr in ganz Europa sorgt. In Hannover unterhielten Artisten eines Varietes die wartenden Passagiere. In Bremen musste ein Konzert wegen des Vulkanausbruchs abgesagt werden, weil eine Band aus Norwegen nicht rechtzeitig anreisen konnte. In Buxtehude wurde ein Handballspiel verlegt, weil die gegnerische Mannschaft aus Mazedonien nicht pünktlich zum Spiel anreisen konnte. Gesundheitsgefahren für die Menschen in Niedersachsen sind nach Ansicht der zuständigen Behörden aber nahezu ausgeschlossen. „Die Aschepartikel kommen im wesentlichen in großen Höhen von mehreren Kilometern vor“, sagte eine Experte im Gesundheitsministerium in Hannover. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen in Niedersachsen diese über die Atemluft aufnehmen können und es zu akuten Wirkungen auf die Gesundheit kommen kann, ist nahezu ausgeschlossen.“ Auch das niedersächsische Umweltministeriums versicherte, es gebe durch die Aschewolke keine Gefahr für die Bevölkerung. Die Partikel senkten sich derart langsam, dass an den Messstationen keine gesundheitsgefährdenden Werte gemessen wurden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Für die Landwirtschaft könnt die Aschewolke sogar von Vorteile sein, da die Asche fruchtbar für den Boden ist. Am Airport Hannover waren Artisten des GOP-Varietes unterwegs, um die wartenden Gäste zu unterhalten. Breakdancer und Jongleure zogen von Terminal zu Terminal, um die Reisenden aufzuheitern. „Wir sind vom Airport gefragt worden, ob wir das machen können, da haben wir gerne geholfen“, sagte ein Sprecher des Varietes. In Hannover waren seit Donnerstagabend alle Flüge gestrichen worden. Viele Reisende waren aber am Morgen auf die Lage vorbereitet gewesen und hatten damit gerechnet, auf den Zug ausweichen oder ihre Pläne komplett ändern zu müssen. Am Donnerstagabend waren in Hannover noch die Passagiere aus zwei Maschinen aus Barcelona und Ägypten gestrandet, die eigentlich Airports in Skandinavien angesteuert hatten. Die Folgen für die Hannover Messe nach den massiven Flugausfällen sind noch unklar. Ein Messe-Sprecher sagte, der Großteil der ausländischen Aussteller sei bereits in Hannover. Die Messe könne nun nur die weitere Entwicklung abwarten. Erfahrungsgemäß reisten 15 Prozent der Messebesucher mit dem Flieger an. Die Messe wird am Sonntagabend eröffnet und dauert bis Freitag. Rund 2250 der insgesamt rund 4800 Aussteller kommen aus dem Ausland. Selbst nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebes in NRW könne es bis zu drei Tagen dauern, bis alles wieder nach Plan laufe. Der Flugverkehr in ganz Europa sei nach dem Vulkanausbruch auf Island „sowas von durcheinander“, sagte ein Sprecher in Düsseldorf. In Düsseldorf bildeten sich am Freitagmorgen lange Schlangen mit ratlosen Passagieren vor den Schaltern. „Naturkatastrophen passieren. Nur die Informationspolitik seitens des Flughafens und der Fluggesellschaft ist schlecht“, sagte Michael Urner aus Bochum, der statt im Flieger nach La Palma stundenlang auf gepackten Koffern in der Abfertigungshalle saß. Über die Lautsprecher in der Halle ertönte unterdessen immer wieder die Durchsage: „Die Aschewolke hat nun auch den Luftraum über Nordrhein-Westfalen erreicht.“ Ein Sprecher vom Flughafen in Köln/Bonn sagte: „Die Situation am Flughafen ist aber nicht chaotisch.“ Für die Passagiere stünde in den Terminals mehr Personal bereit. Am Freitag waren bis zum Mittag 163 Starts ausgefallen. Auch die Flieger in Münster/Osnabrück sollten bis mindestens 18.00 Uhr stillstehen. 2000 Fluggäste waren dort von den Ausfällen betroffen, sagte ein Sprecher. „Viele unserer Fluggäste sind aus der Region. Sie sind nach Hause gefahren und beobachten die Situation von dort.“ Im Terminal hielten sich am Freitagmorgen einige Hundert Fluggäste auf. Die Situation sei aber ruhig: „Jeder weiß, dass hier höhere Gewalt verantwortlich ist. Niemand will in ein Flugzeug steigen, wo nicht absolute Sicherheit gewährleistet ist.“ Am Niederrhein-Airport in Weeze verbrachten etwa 25 Fluggäste die Nacht. Der Flughafenbetreiber hatte mehrere Feldbetten aufgestellt. 16 Flüge waren am Freitag bis zum Mittag gestrichen worden. Auch an den Flughäfen in Dortmund und Paderborn-Lippstadt hoben bis dahin keine Maschinen ab. Viele Fluggäste versuchten auf die Schiene umzusteigen, sagte ein Bahn-Sprecher. Besonders gefragt seien Fernverbindungen quer durch Deutschland. Auslandsreisende würden aber auch in den Zug steigen. Entlastungszüge seien im Einsatz. Am Hauptreisetag der Bahn sei die Zahl der Fahrgäste um einen „hohen Prozentsatz“ gestiegen. Begehrt waren auch Plätze im internationalen Busverkehr. Bei der Deutschen Touring in Düsseldorf glühten die Telefondrähte. Am frühen Morgen seien innerhalb einer halben Stunde beinahe alle Busse ins europäische Ausland ausgebucht gewesen, sagte ein Mitarbeiter. „London ist heute der Hit. Da könnten wir noch 20 Busse hinstellen und die wären voll.“ Im Laufe des Tages sollten Zusatz-Busse auf den Weg gebracht werden. Bereits am Donnerstag waren nach dem Vulkanausbruch mehr als 100 Flüge in NRW gestrichen worden. In der Nacht zum Freitag war dann der Flugverkehr komplett eingestellt worden. Der Wind treibt die Lava-Asche nach Europa. Sie ist gefährlich für Düsentriebwerke und stört die Sicht der Piloten. Passagiere sollen sich bei der Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter zum aktuellen Stand informieren, raten die Sprecher.

Startseite