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Mehr schwere Corona-Fälle

Zahl der Covid-19-Patienten in NRW-Kliniken steigt rasant

Düsseldorf/Münste...

Die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern Nordrhein-Westfalens steigt stark an. Nach Angaben der Landesregierung von Freitag werden aktuell rund 1420 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt – vor einer Woche waren es noch 950, vor einem Monat rund 320.

Mirko Heuping

Ein Corona-Patient aus den Niederlanden wurde mit einem Hubschrauber in die Uni-Klinik Münster transportiert. Foto: dpa

Besonders in den Ballungsgebieten in Ruhrgebiet und Rheinland müssen immer mehr Menschen stationär behandelt werden. Im Münsterland melden die Krankenhäuser hingegen trotz stark steigender Corona-Fallzahlen noch vergleichsweise überschaubare Belegungen.

Die Stadt Münster stellte am Freitag mit 61 Neuinfektionen innerhalb eines Tages einen traurigen neuen Rekord auf. Dennoch befand sich am Donnerstag lediglich ein Patient auf der Intensivstation des Universitätsklinikums, drei weitere wurden auf der Covid-Überwachungsstation behandelt. Am Freitag wurde zudem im Rahmen einer Kooperation mit den Niederlanden ein weiterer Covid-Intensiv­patient eingeflogen. Aufgrund der Überlastung des niederländischen Gesundheitssystems, hatte das Land NRW zuvor angeboten, bis zu 85 Patienten aus dem Nachbarland zu behandeln.

275 Patienten auf NRW-Intensivstationen

Für das St.-Franziskus-Hospital im Hotspot Ahlen, wo die Sieben-Tages-Inzidenz zuletzt bei über 200 lag, berichtet Pflegedienstleiter Werner Messink von „vermehrten Aufnahmen von Corona-Patienten“. Derzeit werden fünf Patienten im Isolationsbereich und einer auf der Intensivstation behandelt. Im Warendorfer Josephs-Hospital werden zurzeit zwei Corona-Patienten stationär behandelt. Nach Angaben eines Sprechers sei man allerdings auf steigende Zahlen vorbereitet.

In ganz NRW liegen aktuell 275 Patienten auf der Intensivstation, 148 von ihnen müssten beatmet werden. Noch stoßen die Kliniken aber nicht an ihre Grenze. Nach Angaben der Landesregierung gibt es rund 5640 Intensivbetten, in denen die Patienten auch beatmet werden könnten, 1320 davon seien im Moment nicht belegt. Beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie Mitte April waren in den NRW-Krankenhäusern mehr als 2100 Corona-Patienten gleichzeitig behandelt worden.

Kommentar

Nachdem die zweite Corona-Welle bisher vor allem junge und gesunde Menschen erwischt hat, werden von ihrem Sog nun immer mehr alte Menschen und Risikopatienten erfasst. Diese spült es oft direkt in die Krankenhäuser. Die Zahl der Intensivpatienten steigt rapide, die der Toten klettert ebenfalls. Die Kontrolle droht zu entgleiten. Das Argument, die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung seien aufgrund des geringen Anteils schwerer Fälle übertrieben, wird dadurch entkräftet.

Für die gesamte Gesellschaft bedeutet das noch mehr Verantwortung als in den Sommermonaten. Auch wenn es nach der langen Zeit der Vorsicht und des Verzichts mittlerweile sehr viel verlangt ist: Nur durch Selbstdisziplin und das Einhalten der AHACL-Regeln können wir uns selbst schützen und schwächeren Mitgliedern, aber auch Ärzten, Pflegern, Kassierern und Lehrern möglicherweise überlebenswichtige Dienste leisten.

Wenn es gut läuft, gibt es schon bald einen wirksamen Impfstoff. Gelingt es bis dahin, gesellschaftliche Solidarität zu zeigen, könnte Deutschland immer noch verhältnismäßig gut durch die Krise kommen. Das wäre ein starkes Zeichen gegen die weltweit zunehmende Egomanie und für ein soziales Miteinander.

von Mirko Heuping

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