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Zu wenig Personal in Kitas erschwert frühkindliche Bildung

Gütersloh (dpa/lnw)

Zwei Studien, ein Befund: In Nordrhein-Westfalen gehen zwar immer mehr Kinder in eine Kita. Problematisch sind aber zu wenig Erzieherinnen und zu große Gruppen. Es brauche dringend mehr Fachkräfte.

Von dpa

Handtücher und Zahnputzbecher hängen und stehen in einer Kindertagesstätte im Waschraum. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Schlechte Personalausstattung und zu große Gruppen in den Kitas in Nordrhein-Westfalen erschweren Studien zufolge die frühe Bildungsarbeit. Zu dem Ergebnis kommen zwei am Dienstag vorgelegte Studien zur Kita-Qualität. Eine Umfrage der Gewerkschaft VBE, die zum Kitaleitungskongress in Düsseldorf vorgelegt wurde, sieht Personalmangel in problematischem Ausmaß in NRW. Daten der Bertelsmann Stiftung aus Gütersloh zeigen, dass drei von vier Kindern eine Gruppe mit einer Personalausstattung besuchen, die nicht den Expertenempfehlungen für eine kindgerechte Betreuung und Förderung entspricht.

Defizite gibt es demnach in der Studie aus Gütersloh in allen Gruppenformen: So kümmert sich in altersgemischten Gruppen mit zweijährigen und älteren Kindern eine Erzieherin rechnerisch um 7,5 Kinder. Die Experten empfehlen aber einen Schlüssel von rechnerisch eins zu 4,9 Kinder. Bei den Gruppen für unter Dreijährige kommt eine Fachkraft im Landesschnitt auf 3,7 Kinder. Bei den Jüngsten liegt die Empfehlung bei drei Kindern pro Erzieherin.

Die Corona-Pandemie habe die Problematik noch einmal deutlich offengelegt, betonte der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Fast 80 Prozent der befragten 549 Kita-Leitungen in NRW gaben an, der Personalmangel habe sich in den vergangenen zwölf Monaten weiter verschärft. Und gut 40 Prozent sagten, dass sie sogar zu gut einem Fünftel der Zeit mit einer Personalunterdeckung gearbeitet hatten - also mit weniger Kräften als nach Vorgaben zur Aufsichtspflicht vorgeschrieben. «Es ist schon fünf nach zwölf, wenn es um die Gewinnung von Fachkräften geht», betonte VBE-Landesvize Anne Deimel.

Die Erwartungen, die mit dem Gute-Kita-Gesetz von 2019 verbunden waren, hätten sich vielfach nicht erfüllt, bedauerte Deimel. Über das Gute-Kita-Gesetz fließen den Ländern bis 2022 insgesamt 5,5 Milliarden Euro für Qualitätsverbesserungen und weniger Gebühren zu. In der Pandemie seien auch unklare, ständig wechselnde Vorgaben von rund 70 Prozent der Kita-Leitungen moniert worden. Aus Sicht vieler Pädagogen fehle es neben Investitionen in die Kindertagesstätten auch an Wertschätzung. Es brauche bessere Rahmenbedingungen und Vergütung.

Die Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass bis 2030 rund 10.000 Fachkräfte in NRW fehlen, wenn man dort mit einem weiteren Ausbau der Plätze auf das höhere Niveau der ostdeutschen Ländern kommen würde. Sollten die Personalschlüssel den wissenschaftlichen Empfehlungen gerecht werden, fehlten in diesem Jahrzehnt sogar mindestens 62.000 Erzieherinnen und Erzieher in NRW.

Tatsächlich ist laut Stiftung die Kita-Landschaft in bevölkerungsreichsten Bundesland in den vergangenen Jahren enorm gewachsen - vor allem für jüngere Kinder. So hat sich die Zahl der unter Dreijährigen mit einem Kita- oder Kindertagespflegeplatz zwischen 2011 und 2020 auf knapp 152.000 mehr als verdoppelt. Allerdings liegt der Anteil der betreuten unter Dreijährigen mit 29 Prozent noch deutlich unter dem Wert der ostdeutschen Länder.

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