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Soziales

Renten steigen voraussichtlich um bis zu 4,2 Prozent

Berlin (dpa)

Gute Nachrichten für Rentner: Im kommenden Jahr werden ihre Bezüge voraussichtlich erhöht. Auch beim Beitragssatz dürfte es vorerst eine erfreuliche Entwicklung geben.

Von dpa

Die Renten sollen 2023 steigen. Foto: Christin Klose/dpa /dpa

Die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich auf eine Erhöhung ihrer Bezüge im kommenden Jahr freuen. Nach einer offiziellen Schätzung sollen die Renten im Juli in Westdeutschland um rund 3,5 Prozent und im Osten um gut 4,2 Prozent steigen, wie aus dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2022 hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuerst hatte die «Bild am Sonntag» darüber berichtet.

Die Schätzung für das kommende Jahr liegt damit unter dem Niveau der Erhöhung, von der die Rentnerinnen und Rentner zum 1. Juli dieses Jahres profitiert haben. Im Westen stiegen die Renten im Sommer um 5,35 Prozent, im Osten um 6,12 Prozent. Im Jahr 2021 waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch bei der Rente noch deutlich zu spüren: Im Westen hatte es eine Nullrunde gegeben, in Ostdeutschland ein Plus von lediglich 0,72 Prozent.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte der «Bild am Sonntag»: «Nach den jetzt vorliegenden Daten können die Rentnerinnen und Rentner im Sommer erneut mit einer spürbaren Rentenerhöhung rechnen.» Die voraussichtliche Erhöhung im Jahr 2023 bedeutet bei einer Rente von 1000 Euro ein Plus von rund 35 Euro im Westen und 42 Euro im Osten. Dem Bericht zufolge sollen die Renten bis zum Jahr 2036 um insgesamt knapp 43 Prozent steigen. Dies entspreche einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,6 Prozent pro Jahr.

Die Berechnungen bis 2027 stützen sich auf die aktuellen Wirtschaftsannahmen der Bundesregierung vom 12. Oktober. Die hatte ihre Prognosen zur Konjunktur deutlich heruntergeschraubt und etwa für das kommende Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um 0,4 Prozent projiziert. Die Ergebnisse der Steuerschätzung, die am 27. Oktober veröffentlicht worden waren, seien ebenfalls in den Schätzungen zur Rente berücksichtigt worden, heißt es.

Mehr Rücklagen in der Rentenkasse

Neben den Annahmen zur Rentenerhöhung gehen die Schätzer davon aus, dass die Finanzreserve der Rentenkasse in diesem Jahr steigen wird. So werde für das Jahresende eine Nachhaltigkeitsrücklage von rund 41,7 Milliarden Euro geschätzt. Ende 2021 stand sie noch bei knapp 39 Milliarden Euro - also mehr als 2 Milliarden Euro weniger als für dieses Jahr erwartet. Mit der sogenannten Nachhaltigkeitsrücklage sollen Beitragsschwankungen während des Jahres ausgeglichen werden.

Das Sicherungsniveau vor Steuern, das das Verhältnis von Renten zu Löhnen zeigt, liegt derzeit bei rund 48,1 Prozent und bleibt dem Bericht zufolge auch bis zum Jahr 2024 knapp oberhalb von 48 Prozent. Gesetzlich ist ein Absinken des Rentenniveaus unter 48 Prozent bis 2025 ausgeschlossen. Bis dahin gelten gesetzliche Haltelinien: Das Rentenniveau muss bei mindestens 48 Prozent liegen, der Beitragssatz darf nicht über 20 Prozent liegen. Heil kündigte in der «Bild am Sonntag» die nächste Rentenreform an: «Als nächstes kümmern wir uns darum, das Rentenniveau dauerhaft stabil zu halten, deutlich über 2026 hinaus. Dabei werden wir auch auf die Beitragsentwicklung achten.»

Der Beitragssatz soll nach der vorläufigen Berechnung bis 2026 beim aktuellen Wert von 18,6 Prozent stabil bleiben. Minister Heil sagte laut Zeitung, es sei - entgegen vieler Prognosen - gelungen, den Beitragssatz länger als erwartet stabil zu halten. Das sei gerade in der aktuellen Kostenkrise eine gute Nachricht, «dass sich arbeitende Menschen darauf verlassen können, dass der Beitragssatz nicht steigt».

Corona wirkt sich auf die Ausgaben aus

Insgesamt seien die Ergebnisse des Rentenversicherungsberichts «erfreulich», heißt es in dem Bericht. Aktuelle Rahmenbedingungen wirkten sich günstig auf die Rentenfinanzen aus. «Kurz- und mittelfristig führen der stabile Arbeitsmarkt mit den erwarteten starken Lohnzuwächsen in Folge der Inflation zu einem deutlichen Einnahmenanstieg», halten die Rentenschätzer fest. Hinzu komme ein Effekt, der insbesondere auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen sei: eine erhöhte Sterblichkeit mit geringeren Rentenausgaben.

Langfristig sei für die günstigere Finanzentwicklung allerdings die höhere Zuwanderung entscheidend, heißt es weiter. Aber auch hier wirke sich eine weniger stark steigende Lebenserwartung auf die Entwicklung aus.

Der Rentenversicherungsbericht 2022 soll nach den aktuellen Plänen am 30. November im Kabinett beschlossen werden. Anschließend müssen sich noch Bundestag und Bundesrat mit den Daten befassen.

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