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Viel Lob für Impf-Appell von Olaf Scholz bei Joko und Klaas

Berlin (dpa)

Eine Long-Covid-Patientin mit bitterer Krankengeschichte, ein Intensivmediziner mit grausigen Erlebnissen und Deutschlands designierter Kanzler - sie alle haben ein Anliegen: Mehr Impfungen.

Von Christof Bock, dpa

Der designierte Kanzler Olaf Scholz bei seinem Auftritt in der Sendung von Joko und Klaas bei ProSieben. Foto: ProSieben/dpa

Ein eindringlicher Impf-Appell zur besten Sendezeit: Der Überraschungsauftritt des designierten Kanzlers Olaf Scholz (SPD) bei den Entertainern Joko und Klaas ist auf viel Echo gestoßen.

Fast zwei Millionen Menschen haben am Mittwochabend die ProSieben-Sendung «Joko und Klaas 15 Minuten live: Wir müssen über Corona reden» im Fernsehen verfolgt. Der Clip dazu im Netz wurde bis 13.00 Uhr am Donnerstag auf diversen Plattformen rund drei Millionen Mal geklickt.

Der Virchowbund, Verband der niedergelassenen Ärzte, lobte die Aktion. «Die gestrige Sendung hat alles richtig gemacht. Jede Impfung, die wir als Resultat dieses Spots erreichen, hilft uns weiter», erläuterte ein Sprecher am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Kommunikation ist das größte Problem in der Pandemie. Gemeinsam mit der Bundesärztekammer haben wir als Verband der niedergelassenen Ärzte erst vor Kurzem – zum wiederholten Mal – laienverständliche, mehrsprachige Informationen über die (Auffrischungs-)Impfung in TV und anderen Medien gefordert.»

Corona-Patienten und medizinische Kräfte meldeten sich in sozialen Medien zu Wort. «Komme gerade aus einer 9 Stunden Schicht im Impfzentrum. Dann so etwas zu sehen, lässt bei mir alle Dämme brechen. Es hilft mir weiter durchzuhalten, mein Team zu motivierten. Danke, dass ihr diesem Thema den Raum gebt», twitterte Nutzerin Viktoria. Twitter-User Schmirgel schrieb: «Danke, #JKLive, dass ihr das aufs Silbertablett hievt. Ich leide seit 1 Jahr an Long COVID und es kullern die Tränen. Ich hoffe wirklich, dass diese eindringlichen 15 min was bewirken bei denen, die es nicht sehen wollen.» Sehr viele Nutzer bei Twitter und Facebook äußerten sich ähnlich begeistert.

Scholz appelliert an die Bürgerinnen und Bürger

Scholz hatte in der Sendung an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, sich impfen zu lassen. Vor ihm waren eine 23-Jährige mit Long-Covid-Erkrankung und ein Oberarzt der Intensivstation der Charité aufgetreten und hatten ihre Erlebnisse geschildert. «Mir ist wichtig, dass jede und jeder, der kann, sich impfen lässt. Nur das hilft», sagte Scholz. Er saß auf einer Bühne allein auf einem Stuhl und sprach mit direktem Blick in die Kamera, seine Stimmlage war ruhig, langsam und eindringlich.

Joko und Klaas haben viele Schüler und Studenten unter ihren Fans. Der Politiker nutzte das Millionenpublikum auch gezielt, um junge Menschen anzusprechen. «Es ist mir bewusst, dass Abstand halten und jung sein nur sehr schlecht zusammenpassen. Dass viele unter Einsamkeit leiden. Dass damit Schluss sein müsste, dass es wieder losgehen müsste - das Leben, die Unbeschwertheit. Niemandem geht es einfach nur gut in diesen Zeiten. Mir nicht, Ihnen und Euch nicht.» Jeder könne und solle sich impfen lassen. «Ich möchte, dass wir bis Weihnachten bis zu 30 Millionen Impfungen in die Oberarme kriegen.»

38 Tage auf der Intensivstation

Als Erste hatte die 23 Jahre alte Luisa die Bühne betreten. Sie sei mit 21 bei einem Praktikum in Spanien an Corona erkrankt und leide bis heute an den Nachwirkungen. «Ich hab vorher sehr viel Sport gemacht und mich sehr gut ernährt. Und ich dachte ehrlich nicht, dass mich etwas so aus der Bahn werfen würde und dass ich bis heute - anderthalb Jahre später - immer noch dran bin mit Therapien und nicht so gut stehen kann. Es fällt mir sehr schwer.» Luisa hat 38 Tage auf der Intensivstation gelegen. Sie sei ins künstliche Koma versetzt und künstlich beatmet worden. Nach Erwachen aus dem Koma habe sie neu laufen gelernt, sei auf Rollstuhl und Rollator angewiesen gewesen. Sie mache sich Sorgen darüber, wie sehr Corona das Land spalte.

Oberarzt Daniel Zickler von der Corona-Intensivstation der Charité schilderte im Anschluss, was für schreckliche Schicksale er erlebt habe. Eine corona-kranke Schwangere habe erst ihr Kind verloren und sei dann selbst gestorben. Die Mediziner bräuchten die Hilfe der Bevölkerung: «Die Impfung ist sicher», betonte der Arzt. «Sie ist sieben Milliarden Mal verimpft worden. Alle ernstzunehmenden Experten sind sich einig: Diese Impfung ist sicher und gut.»

In «Joko und Klaas 15 Minuten live» dürfen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Sendezeit nach Belieben gestalten, dabei nutzen sie die 15 Minuten oft für Reizthemen, machen an anderen Tagen aber einfach nur Blödsinn. Die Sendezeit erspielen sie sich zuvor in einer Gameshow. «Wir hätten es als grob fahrlässig empfunden, die Zeit, die wir hier zur Verfügung haben, diesem Thema nicht zu schenken», hieß es.

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