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Corona-Pandemie 

Staat und Krankenkassen haben offenbar zu viel für PCR-Tests bezahlt

Berlin

Labore haben in der Hochphase der Corona-Pandemie offenbar zu viel Geld für PCR-Tests bekommen. Der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kann die Vorgänge nicht erklären, da er nach eigenen Angaben inzwischen keinen Aktenzugang mehr hat.

Eine biologisch-technische Assistentin hält ein Gefäß mit aufbereiteten PCR-Tests auf das Coronavirus in der Hand. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Der Staat und die Krankenkassen sollen in der Corona-Zeit insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro für PCR-Tests ausgegeben haben. Laut Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ hätten sie jedoch einen großen Teil der Summe sparen können, da schon zu Beginn der Pandemie deutlich günstigere Testmaterialien am Markt erhältlich waren.

Internen Dokumenten zufolge sollen Ärztefunktionäre für die Testlabore deutlich überteuerte Erstattungspreise ausgehandelt haben. Demnach waren die Preise für die Testkits deutlich niedriger, als Ärztevertreter in Preisverhandlungen mit den Krankenkassen angegeben hatten. Laut Recherche hätten die Materialkosten bei den Verhandlungen im Mai 2020 bei 22,02 Euro gelegen – auf dem freien Markt hingegen verkauften zu dieser Zeit mehrere Anbieter zertifizierte Testkits für vier bis sieben Euro.

Spahn macht keine Angaben zu Preisverhandlungen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gestand ein, dass die Preise „zu hoch“ gewesen seien. „Ich habe sie dann um mehr als die Hälfte abgesenkt. Trotzdem kommen die Anbieter mit dem Geld aus. Daher können die Kosten also nicht höher sein als das, was jetzt bezahlt wird.“

Das Gesundheitsministerium unter dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll bereits Ende Januar 2020 Druck gemacht haben, einen Preis von 59 Euro pro PCR-Test zu akzeptieren, wie die „Süddeutsche“ berichtet. Auf Nachfrage teilte Spahn mit, keine konkreten Angaben zu den damaligen Preisverhandlungen machen zu können, da er inzwischen keinen Aktenzugang mehr habe.

Union verteidigt Kosten für PCR-Tests

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wiederum wollte auf Anfrage keine Belege für ihre Berechnungen vorlegen. Sie teilte lediglich mit, gerade zu Beginn der Pandemie hätten „erhebliche Marktengpässe“ zu einem „langfristig hohen Preisniveau beigetragen“.

Heute erhalten die Labore knapp 30 Euro für einen PCR-Test, inklusive Personal- und Transportkosten. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge, verteidigte die teuren Tests am Montag gegen Kritik: „Es ist halt immer leicht im Nachhinein zu sagen, was man vorher hätte besser machen können.“

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