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"Im Unruhestand"

Wohnmobilist Jürgen Salewski: „Nichts hält uns auf“

Rosendahl-Darfeld

Nach sieben Wochen in Skandinavien ist viel Wäsche zu waschen, und das Wohnmobil braucht mal eine Grundreinigung. Doch als es da so steht, strahlend weiß und ziemlich groß in der Einfahrt am Ende einer Stichstraße in Rosendahl-Darfeld, gärt in Anne und Jürgen Salewski schon wieder die Reiselust. Kurzentschlossen packen sie ihre Siebensachen und fahren direkt wieder los. Nordholland. Eine Woche oder so, wahrscheinlich mehr. Kommt ja nicht drauf an für die beiden Rentner. Sie haben ja Zeit. Und Lust.

Gunnar A. Pier

Ein Mann und sein Auto: Jürgen Salewski hat sich zusammen mit seiner Frau Anne ein Wohnmobil gekauft. Damit wurde für die beiden ein Lebenstraum wahr. Foto: Gunnar A. Pier

Bis 2009 hat Jürgen Salewski im Bochumer Stahlwerk malocht. 37 Jahre Schufterei, meistens in wechselnden Schichten. Früh, Spät, Nacht: „Da bleiben soziale Kontakte schon mal auf der Strecke.“ Doch der gebürtige Ruhrpottler, den es schon vor 20 Jahren ins gemütliche Münsterland verschlug, nahm die Mühe gelassen: „Das war ja Normalität.“

Und doch gab es diesen Traum. Fast schon seit jeher. Kurz nach der Hochzeit setzte sich der Gedanke bei dem jungen Paar fest: Ein Wohnmobil wollten sie einmal haben. Nicht, dass sie nicht schon immer viel gereist wären: Kolumbien und Karibik, Türkei und Seychellen – kennen die Salewskis von ausgedehnten Urlauben. Dennoch verloren sie ihr Wohnmobil nie aus dem Kopf.

Foto:

Als Jürgen in den vermeintlichen Ruhestand wechselte, ging‘s ganz schnell: Das erste Wohnmobil musste her. „Man findet erst dann heraus, was einem fehlt, wenn man unterwegs ist“, sagen die Wahl-Münsterländer. Also wechselten sie schon zweimal. Jetzt steht das dritte Modell vorm Haus: 7,44 Meter lang, Fiat-Ducato-Basis, mit kleiner Garage für den 125er Roller, aber ohne Alkoven über dem Fahrerplatz, aufgelastet auf 3850 Kilogramm Gesamtgewicht. „Das muss es jetzt sein“, sagt Anne. Mit ihrem rollenden Feriendomizil sind sie am Ziel.

Und steuern fleißig neue Ziele an. Gerade waren sie in Skandinavien unterwegs. Dänemark, Schweden, Norwegen. Wie immer hatten die Salewskis ihre Reise nicht geplant. Route, Strecken, Fähren, Standplätze: Sie ließen sich treiben, folgten der Nase, der Sonne, der Laune. „Dafür habe ich ja ein Wohnmobil“, sagt Jürgen Salewski. Die beiden wissen vorher nicht mal, wann sie zurückkehren werden. Durch Nordeuropa kurvten sie gerade sieben Wochen lang. Die letzten Tage blieben sie in Dänemark hängen. Da gefiel es ihnen so gut.

Das zweite große Hobby: Hund Gizmo. Jürgen Salewski leitet den Boxer-Club in Münster-Nienberge. Foto: Gunnar A. Pier

Kaum zu Hause, rollten sie schon wieder los. Gemächlich mit Tempo 100 Richtung Holland. Einen Tag Vorbereitung brauchen sie meistens, um den Kühlschrank hochzufahren und die nötigsten Sachen zu verstauen. Mehr nicht.Was könnte sie aufhalten? „Gar nichts!“ Nur manchmal richten sie sich nach dem Verein. Jürgen Salewski leitet den Boxer-Klub Münster-Nienberge. Als dort letztens die Deutschen Meisterschaften stattfanden, konnten die Salewskis nicht weg.

Serie

In unserer Serie "Im Unruhestand" stellen wir Renter vor, die ihren Ruhestand für neue Aktivitäten nutzen. Alle bisherigen Geschichten finden Sie in unserem Online-Special.

Der Blick nach vorn: Die Wohnmobilisten würden gerne nach Spanien fahren, gleich für ein paar Monate. Und vielleicht ziehen sie auch noch einmal um. Raus aus dem Haus mit Garten, rein in eine schnuckelige Wohnung. Sie ist eh nur noch ein Ausgangspunkt für die nächste Reise. Sie haben ja Zeit. Und Lust.

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