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Die Gefahren von „Pokémon Go“

Manchmal stellen sogar die Versicherungen ihre Zahlung ein

Deutschlands Kinder- und Jugendärzte warnen vor den Folgen von „Pokémon Go“. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass das Spiel Kinder und Jugendliche zu mehr Bewegung animiere. Doch immer öfter führe der Spielwahn auch zu Unfällen.

Wolfgang Büser

Pokémon jagen und dabei von A nach B spazieren: Schon mehrfach war die neue App der Grund für Unfälle. Foto: dpa

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sieht im Hype um das Handy-Spiel „Pokémon Go“ durchaus gute Seiten. Das Spiel bringe „Kinder und Jugendliche dazu, sich im Freien zu bewegen, zu laufen oder zu radeln“. Aber dann hebt der Arzt den warnenden Zeigefinger: Immer häufiger vergessen die Spieler ihre Umwelt, es geschehen Unfälle.

Insbesondere radelnde oder gar autofahrende Monsterjäger müssen sogar mit Bußgeldern rechnen, wenn sie erwischt werden. Und manche Versicherung zahlt längst nicht mehr jede Rechnung für die verwirrten Pokémon-Spieler. Zahlen Versicherungen für „Pokémon-Schäden?

►  Haftpflicht: Ob aus Leichtsinn, Missgeschick oder Vergesslichkeit: Wer einen Schaden verursacht, indem er „spielenderweise“ einen Passanten umrennt, der muss dafür geradestehen. Wer über eine Privathaftpflichtversicherung verfügt und versehentlich einen Schaden anrichtet, der muss sich um seinen Versicherungsschutz und die Übernahme der Kosten nicht sorgen. Anders wäre es nur, wenn der Schaden vorsätzlich herbeigeführt worden wäre. Doch wer wollte das schon nachweisen?

►  Unfallver­sicherung: Ein schwerer Unfall zieht oft anhaltende gesundheitliche und finanzielle Folgen nach sich: Hier greift die private Unfallversicherung. Wer beim Pokémon-Spielen einen Unfall erleidet, der ist als Versicherter in der Regel geschützt. Auch hier spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob der Versicherte leichtsinnig oder grob fahrlässig gehandelt hat.

►  Kfz-Versicherung: Die Kfz-Haftpflichtversicherung eines Autofahrers leistet grundsätzlich, wenn bei einem Verkehrsunfall ein Fußgänger zu Schaden kommt. Nicht ausgeschlossen ist, dass durch „geistesabwesendes“ Spielen des Fußgängers diesen ein Mitverschulden trifft. Ob ein solches Mitverschulden vorliegt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Bei Mitverschulden wird die Kfz-Haftpflichtversicherung die Zahlungen mindern. Kann einem Autofahrer bei einem Unfall aufgrund des Pokémon-Spielens am Steuer grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, dürfte der Versicherungsschutz der Vollkaskoversicherung unter Umständen entfallen. Die Kfz-Haftpflichtver­sicherung kommt selbst für Schäden an Dritte auf, die bei einem Verkehrsunfall entstanden sind, weil der Fahrer das Handy benutzt hat – ob mit oder ohne Pokémon-Absichten. Anders als beim Fahren unter Alkoholeinfluss, kann die Haftpflichtversicherung den Versicherungsnehmer nicht in Regress nehmen.

Insgesamt lautet das Resümee: Die Versicherungswirtschaft dürfte sich nicht wirklich über den Trend freuen – es sei denn, sie ist auf dem Gesundheitssektor tätig.

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