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Podcasts

Wissen auf die Ohren

Es lebt das gesprochene Wort. Vor allem online. Podcasts sind im Trend, es gibt sie für Fahrradfahrer, Forscher, Fußballer und Feinkostliebhaber – spezielle Audioangebote, die im Internet Tag wie Nacht angehört oder heruntergeladen werden können. Nicht nur immer mehr Nutzer entdecken die Angebote für sich. Auch für Werbetreibende sind sie attraktiv.

Mareike Meiring

Auf dem Fahrrad, im Auto oder in der Bahn sind Podcasts für immer mehr Menschen ein entspannter Zeitvertreib.  Foto: colourbox.de

Nicht zuletzt der Aufstieg des Smartphones hat zu dem Erfolg beigetragen. „Das Smartphone wird zur Schaltzentrale“, sagt Christian Bollert, Geschäftsführer des Podcast-Anbieters „Detektor.fm“. Immer mehr Nutzer hätten den Wunsch, autonom Inhalte zu konsumieren. Beim Autofahren, Putzen oder Kochen – „und das auch ohne Bildschirm vor der Nase.“

Bollert und sein Team setzen vor allem darauf, Nischen ernsthaft zu besetzen, mit Audioangeboten zu Themen wie Verkehr, Essen oder Technik. „Das wird in der Community sehr geschätzt“, sagt Bollert. Der Podcast „Antritt“ etwa, bei dem sich alles ums Radfahren dreht, erreicht monatlich 20.000 bis 40.000 Nutzer.

13 Prozent der Deutschen hören Podcasts

Für „Detektor.fm“ hat sich ein langer Atem bezahlt gemacht. Das Internetradio mit Sitz in Leipzig entstand vor knapp acht Jahren aus einem Kulturpodcast, damals gab es die erste kleine „Podcastwelle“, wie sich der Geschäftsführer erinnert. Trotzdem stiegen die Nutzerzahlen zu Beginn nur langsam, viele hatten das Audioformat längst wieder abgeschrieben.

Doch es kam anders. Von 2015 auf 2016 hat sich bei „Detektor.fm“ die Podcast-Nutzung verdoppelt, in diesem Jahr kommen die Macher voraussichtlich auf deutlich über drei Millionen Downloads. Der Trend ist deutschlandweit zu beobachten: Laut der aktuellen ARD-ZDF-Onlinestudie hören 13 Prozent der Deutschen zumindest gelegentlich Podcasts, im Vorjahr waren es noch zwei Prozentpunkte weniger.

Podcast mit Millionenpublikum

Der Streamingdienst Spotify sprang vergangenes Jahr auf den Trend auf. Exklusiv gibt es dort seit Mai 2016 den Podcast „Fest und Flauschig“ mit Jan Böhmermann und Olli Schulz zu hören, zuvor bekannt geworden als „Sanft und Sorgfältig“ auf dem Berliner Sender Radio Eins. Genaue Abonnentenzahlen veröffentlicht der Streamingdienst nicht, doch das Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ schätzte die Hörerschaft Anfang des Jahres auf mehrere 100.000 Menschen jede Woche.

Die USA sind da längst weiter. Schon vor drei Jahren erreichte der Podcast „Serial“ dort ein Millionenpublikum. Darin recherchierten die Macher einem echten Mordfall aus dem Jahr 1999 hinterher und rollten ihn neu auf. Binnen der ersten zwei Monate hatten sich mehr als fünf Millionen Menschen über iTunes das Angebot heruntergeladen.

Fast ein Viertel der US-Amerikaner über zwölf Jahren hört mittlerweile einmal im Monat in einen Podcast rein, wie das Marktforschungsunternehmen Edison Research mitteilt.

Werbung bei Pocdcasts in den USA längst Normalität

Dieses Potenzial will sich auch die Hörspiel-Plattform Audible nicht entgehen lassen. Hatte es dort bislang nur Hörbücher gegeben, startete die Amazon-Tochter im November mit 22 neuen Podcastreihen. Mit ins Boot holte sie prominente Köpfe wie die Autorin Ronja von Rönne oder die Comedians Oliver Polak und Micky Beisenherz. Der Gagschreiber von Atze Schröder gehört nun auch zum Moderatoren-Team des Fußball-Podcasts „MML“ von Sky. Denn Prominenz bringt Reichweite – und sorgt dafür, dass sich der Podcast im Netz einen Namen macht.

Und je mehr Hörer, desto mehr Werbeeinnahmen. Für Unternehmen werden Podcasts als Werbeplattform immer interessanter. Podcast-Produzenten nennen den Werbepartner als Präsentator zu Beginn und Ende einer Sendung, verlinken ihn auf ihrer Website, widmen ihm Werbeblöcke in der Sendung. Werbetreibende Unternehmen könnten sich mit Podcasts sehr genau ihre Zielgruppe aussuchen, erläutert „Detektor.fm“-Geschäftsführer Bollert.

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Während Nutzer bislang nur ungern für Online-Inhalte zahlen, laufe die Werbevermarktung bei Podcasts gut. Auf die Inhalte hätten die Werbepartner dagegen keinen Einfluss, sagt Bollert. „Wir machen deutlich akustisch klar, dass es sich um Werbeblöcke handelt.“ Während sich mancher deutsche Nutzer daran wohl erst gewöhnen muss, ist das in den USA längst Normalität.

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