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Pflege-Serie

Pflegerepublik Deutschland

Münster/Berlin

In Deutschland gelten 2,54 Millionen Menschen als pflegebedürftig – eingestuft in drei Pflegekategorien, die mit der Lebenswirklichkeit oft nicht viel zu tun haben. 2030 – das Jahr, in dem die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen – werden es schon 3,6 Millionen sein, 2050 dann über 4,5 Millionen.

Frank Polke

Mehr als ein Job: Rabea Reckmann ist examinierte Altenpflegerin in Gronau. Sie sagt. „Für mich ist das ein erfüllender Traumberuf.“ Foto: Jürgen Peperhowe

Auf der anderen Seite gibt es schon heute immer weniger qualifizierte und frei verfügbare Pflegekräfte, steigen die Pflegebeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. „Wir stehen vor einer ungeheuren gesellschaftlichen Herausforderung“, sagt der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Patientenrechte und Pflege, Karl-Josef Laumann.

Noch werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause betreut. „Wenn dies nicht im Regelfall so gut klappen würde, bräuchten wir eine Million zusätzliche Pflegekräfte. Die gibt es nicht auf dem Arbeitsmarkt. Ohne häusliche Pflege würde das ganze System zusammenbrechen.“ Doch viele Angehörige sind überlastet – fühlen sich ausgelaugt von der körperlichen und seelischen Dauerbelastung. Schon heute blüht auch im Münsterland ein Schattenarbeitsmarkt. Pflegekräfte aus Osteuropa und Asien helfen in vielen Familien aus – oft hart am Rande der Legalität. Mit einer Reform will die Politik die Pflegekatastrophe abwenden.

Ab 2015 sollen in den geplanten Vorsorgefonds 1,2 Milliarden Euro pro Jahr fließen, um ab 2030 für die Pflege der geburtenstarken Jahrgänge gewappnet zu sein. Zudem sollen in Zukunft anstelle der drei Pflegestufen fünf gelten. „Unsere bisherige Einstufungskategorien basieren oft auf einem veralteten Bild von Pflegebedürftigkeit“, sagt Laumann. „Wenn jemand die Hände nicht mehr bewegen kann, muss er nach diesem Verständnis gefüttert oder gekämmt werden.

Darauf waren wir eingestellt. Doch jetzt merken wir, dass es durch das Auftreten der Demenzkrankheit andere Symptome gibt, die wir berücksichtigen müssen.“ Wichtig sei, dass die Menschen den für sie nicht leichten Lebensabschnitt ohne große Angst angehen können.

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