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Kommentar

Am Limit

Eine Herkulesaufgabe für alle Rettungsdienste. Unser Kommentator erklärt, warum sie mit Blick auf künftige Notfälle besonders gefördert werden müssen.

wn

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Das Unwetter vor fünf Jahren zeigte die Grenzen der Zivilisation. Niemand hat es erwartet. Keiner konnte sich seine Folgen ausmalen. Fünf Jahre später kann man feststellen, dass Vorsorge immer noch klein geschrieben wird. Die Gefahr bleibt unterschätzt.

Dass die Folgen in dem relativ kleinen Katastrophengebiet von Greven und Münster so groß waren, hängt auch mit der Wohnverdichtung zusammen. Wer Wohnungen im Keller oder im Halb-Parterre hat, lebt gefährlicher als andere. Viele Kommunen haben in den letzten Jahrzehnten in Flussauen Wohngebiete erstellt, wie in der Wöste. Oft stadtnah und eben. In vielen Häusern sind darum intakter Hochwasserschutz, Rückstauklappen, Sicherheitspumpen obligat. Das alles muss gepflegt werden. In Münster starb eines der beiden Todesopfer des 28. Juli 2014, als er die defekte Pumpe im Keller in Gang setzen wollte. Genau in diesem Moment drang die Flut durch ein zerborstenes Fenster ein. Tragisch.

Das Unwetter zeigte auch, wie wichtig ein funktionierender Katastrophenschutz ist. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz, die Mitarbeiter der Stadt und viele andere haben Heroisches geleistet. Oft kamen sie nicht so rasch wie Bürger es gewünscht hätten. Aber auch da zeigte sich die Endlichkeit aller Hilfe.

Angesichts aktueller Gefahren durch brütende Hitze, wieder zu erwartende Unwetter und Waldbrände kann man sich nur wünschen, dass die Hilfsorganisationen gestärkt werden. Jeder der mitmacht, muss belohnt werden. Niemand, der wegen eines Rettungseinsatzes seinen Arbeitsplatz verlässt, sollte benachteiligt werden.

So wie überall Nachwuchs rar wird, werden auch die Hilfsorganisationen in Zukunft mehr um Nachwuchs buhlen müssen. Die Feuerwehr will bald eine Kinderfeuerwehr einrichten – ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Das Unwetter hat auch gezeigt, dass durch interaktive Medien zivile Hilfen rasch und schnell organisiert werden können. Das hat keine Einsätze mit Profi-Gerätschaften ersetzt. Es hat aber in vielen Fällen persönliche Hilfen möglich gemacht. Es wurden Möbel für die gesammelt, die alles verloren hatten. Es wurden große Charity-Aktionen durchgeführt, die manche finanzielle Not gelindert haben.

Die Lehre: Not macht erfinderisch und solidarisch. Bei allen Verlusten, die der Starkregen verursacht hat – eines hat er auch geschafft: Die Bürger näher zusammenzubringen.

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