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Ausstellung in München

Roter Teppich für "Das Fahrrad"

München

Was wäre die Welt ohne Fahrrad? Es begleitet den Menschen fast ein Leben lang. Sein Besitzer benutzt, pflegt und repariert es. Gelegentlich wird der geliebte Drahtesel ausgeliehen, und viel zu oft wird er auch gestohlen. Dem Kult- und Design-Objekt hat die Pinakothek der Moderne nun eine eigene Ausstellung gewidmet. Bis 24. September 2023 ist sie in München zu sehen

Von Karl Honorat Prestele/KNA

So hätte ein Straßenrennrad 1989 aussehen können, wenn der Entwurf aus Japan Serienreife erreicht hätte. Das besondere Rad gehört zu den Exponaten der Ausstellung "Das Fahrrad".  Foto: Die neue Sammlung/Kai Mewes

Immer schon war das Zweirad von hoher gesellschaftlicher Bedeutung sowie von sozialem und kulturellem Interesse. Es beförderte die Eigenständigkeit der Frauen. In Saudi-Arabien wurde ihnen das öffentliche Radfahren erst 2013 zugestanden. Letztlich ist das Fahrrad ein Symbol der Demokratisierung. Mit ihm konnten sich viele Menschen erstmals unabhängig von Einkommen, Beruf und sozialem Status weiträumig bewegen.

Heute ist das Pedaltreten beliebter denn je: In Deutschland gibt es rund 81 Millionen Fahrräder, auf der ganzen Welt rund eine Milliarde – kein anderes Vehikel ist so weit verbreitet. Dieser Boom ist nicht nur vor dem Hintergrund eines wachsenden Bewusstseins für Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu sehen. Er verkörpert auch ein Lebensgefühl, das für Flexibilität, körperlichen Ausgleich und Sport steht. Neuerdings soll das Rad auch die Verkehrsprobleme der Städte lösen.

Die funktionale Vielfalt kommt noch dazu. Heute scheint es für jeden Bedarf das passende Fahrrad zu geben: Damen-, Herren- und Kinderräder, Dreiräder, Lastenräder, Citybikes, Rennräder, Mountainbikes, Klapp- oder Falträder, Liegeräder, Trekkingräder oder E-Bikes.

Design-Geschichte auf zwei Rädern

Und wie sieht es mit dem Design aus? In dessen Geschichte kommt das Thema Fahrrad kaum vor, „wenn, dann nur am Rande. Das Automobil dagegen ist aus diesen Publikationen nicht wegzudenken“, sagt Kurator Josef Strasser. Das erstaune, denn das Fahrrad gelte als der „Vater des Automobils - und die Kutsche als Mutter“.

Kurator Josef Strasser

Die 70 Modelle aus aller Welt, die der Besucher bequem und der Reihe nach abschreiten kann, gehören zu den ungewöhnlichsten und spannendsten Fahrrädern der Design-Geschichte. Bei jedem Exemplar gehen Technik, Funktion und Ästhetik Hand in Hand. Das gilt schon für seine Anfänge wie etwa für das Laufrad, das 1817 der deutsche Forstbeamte Karl Friedrich Drais erfand. Diese erste lenkbare und zweirädrige Laufmaschine ("Draisine") wurde durch abwechselndes Abstoßen mit den Beinen angetrieben und gilt heute als das Ur-Fahrrad.

Auch historische Modelle wie dieses "Sicherheitsniederrad" aus Frankreich von 1890 sind zu sehen. Foto: Die neue Sammlung /Kai Mewes

Erst 50 Jahre später, 1868, wurde der Kettenantrieb entwickelt, was das Vorankommen deutlich weniger anstrengend machte. Fahrrad-Design ist immer eng verbunden mit technischen Innovationen wie Federungen, Bremsen und die erstmals ab 1904 eingesetzte Gangschaltung. Wichtig war stets auch das Material. So gibt es Exemplare aus Holz, Bambus, Eisen, Stahl, Aluminium, Magnesium, Titan, Kunststoff, Karbon und vielem mehr.

Fokus auf die Technik

Bei der Herstellungstechnik reicht die Bandbreite vom klassischen Rahmenbau (geschweißt, gelötet, geschraubt, gesteckt oder verklebt) über in Form gegossene oder gepresste Rahmen aus Metall oder Kunststoff bis zu 3D-gedruckten Rahmen. Unter den Exponaten gibt es für Radl-Fans viel zu entdecken. Etwa ein Tretkurbelrad von 1869, ein typisches Hochrad, das technisch aber in eine Sackgasse führte: Die Räder wurden immer höher und damit wuchs die Sturzgefahr. Erst die „Sicherheitsräder“ hatten dann zwei gleich große Räder.

Weitere „Kult“-Räder: ein klappbares Militärrad, als Unikat ein Flugzeugrad, ein Steher-Fahrrad, mit dem 1950 mit 154 km/h ein Geschwindigkeits-Weltrekord gefahren wurde, der bis 2021 gültig war. Nicht fehlen dürfen Skurrilitäten wie das „Bonanza-Rad“ aus den 1970er-Jahren, das nur übers Versandhaus zu haben war, oder ein Kunststoff-Fahrrad zum Selber-Zusammenbauen. Eine Schau zum Schauen und Staunen – nicht nur für Technik-Freaks.

"Das Fahrrad. Kultobjekt - Designobjekt", bis 24. September 2023, Pinokothek der Moderne, München, täglich außer montags 10-18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, 10 Euro/ermäßigt 7 Euro, sonntags 1 Euro, mehr nfos hier

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