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Navigation auf dem Fahrrad

Umwege unerwünscht

Münster

Wer fährt schon gerne Umwege? Fahrradfahrer schon mal gar nicht. Wer oft im Sattel sitzt, möchte schnell, sicher und auf schönen Wegen zum Ziel gelangen. Eine schwierige Aufgabenstellung – aber nicht unlösbar.

Von Stefanie Meier

Wie geht es jetzt schnell zur nächsten Arbeitsgruppe? Wer das Fahrrad im Alltag nutzt, braucht schnelle und sichere Wege. Foto: Naviki

Wenn Peter Wolter eine Fahrradtour plant, könnte man meinen, er bereite eine kleine Expedition vor. Der Tourenleiter des ADFC Münster überlässt nichts dem Zufall. Seine Werkzeuge: Radfahrkarte, Desktop-PC und Handy. Auf der Radfahrkarte verschafft er sich den groben Überblick und am PC plant er dann mithilfe eines Fahrrad-Navigationssystems die genaue Route. Welches System er benutzt? Das ist unter Radfahrern die Frage aller Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt. „Wenn ich Touren in Nordrhein-Westfalen plane, gibt es nicht besseres als den Radroutenplaner NRW“, sagt er bestimmt. Dort finden sich das gesamte Radverkehrsnetz, alle Themenrouten, Knotenpunkte und auch lokale Radnetze. Der Nutzer kann etwa das Radwegenetz mit einem Haken aktivieren und wird dann bevorzugt darüber geführt. Diese Funktion ist gerade für Freizeitradler wichtig und längst nicht in allen Navigationsapps vorhanden.

Haupstraßen benötigen Radwege

Plant Peter Wolter überregionale Strecken, greift er zum Marktführer Komoot. Dessen Routenplanung führt Nutzer allerdings öfter mal an Hauptstraßen entlang. Für diesen eigentlich ungewollten Fall greift Wolter auf Google zurück und schaut sich auf Satellitenbildern genau an, ob die Hauptstraße einen separaten Radweg hat. „Alles andere geht gar nicht“, meint der Radfreund, der auch schon mit Rad über die Alpen bis nach Venedig gefahren ist.

Synchronisation mit allen Geräten

Wenn die Route dann am PC fertig geplant ist, wird sie automatisch mit Smartphone und/oder Smartwatch synchronisiert und ist so unterwegs stets verfügbar. Die früher oft verwendeten Spezial-Navigationsgeräte seien eigentlich nicht mehr nötig, meint Peter Wolter. „Höchstens bei Regen sind die Geräte besser geschützt, aber auch da gibt es schon gute Lösungen fürs Smartphone“, weiß der Praktiker. Für eine Freizeittour oder eine mehrtägige Radtour lohnt sich der Aufwand mit Papier-Karte, Google-Maps und Planung am heimischen PC, doch was, wenn man im Alltag einfach nur von A nach B möchte? Da gibt es etwa die App Naviki. „Wir wollen zeigen, welche Möglichkeiten Fahrradfahrer im Alltag haben“, erklärt Pressesprecher Achim Hennecke das Anliegen der 2007 an der FH Münster entstandenen und kontinuierlich weiterentwickelten App. Gerade die Pendler hat Naviki dabei besonders im Blick. So gab es auf dieser Plattform das weltweit erste Routing für S-Pedelecs.

Zwei Tipps von Peter Wolter

Vorbereitung daheim

Nichts geht über eine gute Vorbereitung. In der Flut der Möglichkeiten kommt der Nutzer umr ein wenig Ausprobieren aber leider nicht herum.

Die smarte Technik

Komoot, Naviki, Outdooractive – es gibt einige Anwendungen, die sich der Navigation für Radfahrer widmen. Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Jahr einige Wander-Apps untersucht, einige davon bieten die gleichen Funktionen auch fürs Radfahren an. Allen gemeinsam ist, dass sich der Nutzer registrieren muss. Die Grundfunktion ist kostenlos, es können dann etwa Routen geplant, aber nicht heruntergeladen werden. Für diese weiteren Funktionen gibt es unterschiedliche Bezahlmodelle. Mal kann man auf einen Schlag weltweites Kartenmaterial kaufen (Komoot), mal schaltet man eine Funktion wie das Routing für S-Pedelecs (Naviki) frei, mal abonniert man Karten und Funktionen für ein Jahr (Outdooractive). Alle Dienste basieren auf Open-Street-Map-Daten, unterschiedlich ist dagegen der Zeitraum, in dem die Daten aktualisiert werden – bei Streckensperrungen nicht unwesentlich. Wer selbst nicht planen möchte, findet bei Komoot die wohl größte Auswahl an Tourenvorschlägen aus der großen Nutzercommunity – wenn auch aufgrund der schieren Menge etwas unübersichtlich.

www.komoot.de

www.naviki.org

www.outdooractive.com

Die gute alte Landkarte

Die „Bibel“ fürs Münsterland ist laut Peter Wolter die ADFC-Radkarte „Münsterland“ im Maßstab 1:75 000. Dort gibt es nicht nur Infos über die Beschaffenheit, sondern auch über die Frequentierung der Wege. Außerdem sind das Radwegenetz und alle Themenrouten eingetragen. Diese Karte ist also gut für die Übersicht und die Planung. Eine aktualisierte Auflage mit den neuen Knotenpunkten ist gerade erschienen. Wer unterwegs eine Karte nutzen möchte, ist mit dem Maßstab 1:50 000 besser beraten. Fürs Münsterland gibt es Karten für jeden einzelnen Kreis. Wer das Gebiet der Stadt Münster nicht verlassen möchte, kann sogar auf eine Karte im Maßstab 1:25 000 zurückgreifen. Denn beim Maßstab gilt: Je kleiner die Zahl hinter der „1“, desto detailgetreuer die Karte.

Am PC oder Tablet geplant, anschließend mit Smartphone oder Smartwatch synchronisiert - die Navigationsapps wie hier Komoot sind wahre Alleskönner. Foto: Arto Markkanen

Orientierung unterwegs

Wenn der Radfahrer erst mal im Sattel sitzt, ist es mit der Planung einer Tour meist vorbei. Auf dem Handy-Bildschirm kann zwar noch nachgebessert werden, bequem ist das aber nicht. Und wenn der Smartphone-Akku mal leer ist, hilft auch die bestgeplante Route nicht mehr. Aber dafür gibt es ja die guten alten Schilder.

Schilder

Deutschlandweit gibt es mittlerweile eine gute Beschilderung. Weiße Schilder mit – je nach Bundesland – roter oder grüner Schrift weisen an wichtigen Kreuzungen den Weg. Aufgeführt ist jeweils ein Fern- und ein Nahziel mit Entfernungsangabe. Oft gibt es auch noch Hinweise auf den nächsten Bahnhof. Ein mögliches Piktogramm zeigt an, auf welcher Themenroute man sich befindet. Auf der Strecke gibt es immer wieder kleine quadratische Zwischenwegweiser, die den Weg zum nächsten Kreuzungspunkt weisen.

Neu: Knotenpunkte

Dieses aus den Niederlanden bekannte System wird nach und nach in Deutschland eingeführt. Das „Radeln nach Zahlen“ löst auch im Münsterland das bisherige Wabensystem ab. Jetzt werden bestimmte Knotenpunkte mit Nummern versehen. Bei der Planung einer Route muss man sich also nur die Nummern der jeweiligen Knotenpunkte merken – oder notieren – und sie anschließend abfahren. Die Nummern der Knotenpunkte werden an markanten Stellen auf großen Infotafeln, auf Radfahr-Karten und auch in den Navigationsapps veröffentlicht. Im Münsterland ist das Knotenpunktsystem noch im Aufbau. In den Kreisen Borken und Warendorf sind sie bereits installiert, die Kreise Steinfurt und Coesfeld wollen bis Ende des Sommers bzw. bis Herbst damit fertig sein, lautet die Auskunft von Münsterland-Touristik. Die Stadt Münster plant, ab Sommer mit der Umsetzung zu beginnen.

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