1. www.wn.de
  2. >
  3. Specials
  4. >
  5. Fahrrad
  6. >
  7. Weniger ist mehr

  8. >

Unterwegs mit dem Rad

Weniger ist mehr

Aufsteigen, losfahren, sich den Wind durch die Haare wehen lassen. Bei dem Gedanken kommt bei vielen Urlaubsstimmung auf. Deutschland und Nachbarländer wie Österreich, Niederlande, Dänemark und Frankreich haben den Vorteil, dass sie mehrere tausend Kilometer gut erschlossener Fernradwege zu bieten haben. Doch mal eben spontan sein altes Stadtrad satteln und mit gefüllten Gepäcktaschen losradeln, das kann bei längeren Touren Probleme bereiten. Wer gut plant und vorbereitet, hat mehr Spaß und Erholung bei seinem Radurlaub.

Von Armin Herb

In Deutschland gibt es viele Fernradwege, die dem Radfahrer einen großen Teil der Tourenplanung abnehmen. Der Elberadweg (Foto) gehört zu den Favoriten der Radurlauber. Foto: ADFC

Gut geplant - entspannt auf Tour

Wohin soll die Reise gehen? Ideen und Inspiration liefern Radreiseführer, Fahrradzeitschriften, die Touristeninformationen einzelner Regionen und Online-Tourenportale wie Bikemap (www.bikemap.net), Komoot (www.komoot.de) und Outdooractive (www.outdooractive.com). Bei der großen Auswahl ist sicher für jeden etwas dabei. Ein sehr hilfreiches Instrument sind zudem die Online-Radroutenplaner der Bundesländer. Damit kann man sich - fast wie bei der Routenplanung fürs Auto - eine passende Radroute von A nach B ausrechnen lassen (www.radroutenplaner-deutschland.de). Für die gewünschten Routen werden damit so genannte GPX-Tracks generiert, die man mittels einer App auf sein Smartphone oder auf ein Outdoor-Navigationsgerät überträgt. Der GPX-Track zeigt dann am Display immer, wo es lang geht. Aber nicht die Ersatz-Akkus oder Powerbank fürs Handy vergessen, damit unterwegs nicht der Strom ausgeht!
Falls es ohne digitale Hilfsmittel gehen soll: Viele Radwege in Deutschland sind sehr gut ausgeschildert. Allerdings sollte man dann zumindest eine passende Fahrradkarte (meist vom ADFC, Esterbauer- und Kompass-Verlag) als Backup dabeihaben.

Weniger ist mehr

Die Tagesetappen sollten nicht zu lange sein, vor allem, wenn man in hügeligen Regionen, wie zum Beispiel im Bayerischen Wald oder Westerwald, auf Tour gehen möchte. Das gilt auch für E-Biker. Radfahrer brauchen auch regelmäßig Pausen, insbesondere, wenn Kinder mitfahren. Und ein zeitlicher Puffer für eventuelle Pannen, längere Besichtigungen oder unfreiwillige Umwege kann nie schaden.
Ideal ist es, wenn in der Nähe der Radstrecke eine Bahnlinie verläuft oder ein Fahrradbus verkehrt, um eventuell einen Abschnitt zu überbrücken oder notfalls zurückzufahren.
Die Länge der Tagesetappen während einer Radreise hängt von drei wichtigen Faktoren ab:
der persönlichen Fitness, der Streckenführung (Höhenmeter!) und dem verwendeten Fahrrad. Hier eine grobe Übersicht, wie lange man seine Tagesetappen planen könnte:
Basis sind eine Radreise mit einem herkömmlichen Tourenrad und eine nahezu ebene Strecke.
Untrainiert (kein Sport!) = weniger als 30 km/Tag
Etwas Kondition (ca. 1-mal Sport pro Woche) = 30 bis 50 km/Tag
Mittlere Kondition (ca. 2- bis 3-mal Sport pro Woche) = 50 bis 80 km/Tag
Gute Kondition (3- bis 4-mal Sport pro Woche) = 80 bis 120 km/Tag
Sehr gute Kondition (fast täglich Sport) = mehr als 120 km/Tag.
Hinweis: Mit einem E-Bike/Pedelec kann man problemlos auch etwas längere Strecken mit mehr Höhenmetern zurücklegen.

Radfreundliche Unterkunft

Am besten sucht man sich eine vom ADFC zertifizierte Bleibe (www.bettundbike.de), denn diese Unterkünfte haben entscheidende Vorteile für den Reiseradler. Sie nehmen Gäste auch für nur eine Nacht auf. Das ist wichtig bei Etappenfahrten. Außerdem stehen immer Fahrradgaragen und eine kleine Reparaturecke zur Verfügung. Besonders wichtig in diesem Jahr: Die Unterkunft möglichst frühzeitig reservieren, vor allem wenn man entlang der bekannten Flussradwege an Rhein, Donau, Elbe, Main und Weser unterwegs sein will.

Die richtige Ausrüstung

Natürlich kann man auch mit Jeans und T-Shirt losradeln. Das wird nur mit der Zeit unbequem. Es empfehlen sich schnell trocknende Radhosen und Trikots. Der vorausschauende Radler hat unterwegs zudem ein Trikot zum Wechseln dabei. Was allerdings immer Pflicht sein sollte zur Sicherheit: ein gut belüfteter Fahrradhelm, eine bruchsichere Sonnenbrille und Radhandschuhe. Außerdem gehört immer eine Wind- und Wetterschutzjacke ins Gepäck, besser zusätzlich noch eine Regenhose zum Überziehen. Und noch ein Tipp: Eine gepolsterte Fahrradunterhose und spezielle Sitzcreme helfen dabei, dass man auch am zweiten und an den folgenden Radtagen noch schmerzfrei auf dem Sattel sitzen kann. Verstaut werden die Reiseutensilien am besten in einer wasserdichten Gepäcktasche, die am Gepäckträger eingehängt wird. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Denn je weniger das Fahrrad inklusive Gepäck wiegt, umso leichter lässt es sich vorwärts bewegen, bremsen und lenken.

Fahrrad-Check

Nur schnell die Luft prüfen und losradeln, das dürfte zu wenig Vorsorge sein. Wer sich selbst nicht allzu gut mit Fahrradtechnik auskennt, der bringt vor der großen Tour sein Fahrrad zum Service beim Fachhändler. Dort werden vor allem Bremsen, Gangschaltung, Licht und Reifen kontrolliert. Und dort kann auch gleich getestet werden, ob der Gepäckträger stabil genug ist für eine volle Gepäcktasche. Apropos Wartung: Auch der beste Check-up vor der Reise schützt nicht vor plötzlichen Pannen unterwegs. Flickzeug, Miniwerkzeug-Set sowie ein Ersatzschlauch und eine passende Luftpumpe gehören unbedingt ins Gepäck.

Bevor es losgeht

Eine kleine Probefahrt mit komplettem Gepäck bringt die Gewöhnung an das neue Fahrgefühl mit schwererem Fahrrad. Jetzt noch etwas Proviant einpacken, ein kleines Erste-Hilfe-Set und - ganz wichtig - eine Trinkflasche, beispielsweise gefüllt mit Apfelschorle oder Mineralwasser. Gute Reise!

Startseite
ANZEIGE