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WN-Spendenaktion: Fahrräder für Geflüchtete

Kein Rad zu malad für Bat

Münster

Paradebeispiel: Das Integrationsforum Münster stellt Flüchtlingen Fahrräder und Lernkurse kostenlos zur Verfügung. Doch die Hilfe geht so manches Mal weit darüber hinaus – wie die Geschichte von Bat Janzgai eindrucksvoll beweist.

Seit über drei Jahren arbeitet Bat Janzgai für den Zweirad-Fachhändler Kainz in Gievenbeck. Wenn er keine Räder repariert, bastelt der geschickte Tüftler aus der Mongolei aus kaputten Fahrradteilen Kunst- und Gebrauchsgegenstände. Foto: Pjer Biederstädt

Die Fahrradwerkstatt und -ausgabe sowie die Fahrradlernkurse für geflüchtete Frauen sind – wie berichtet – die Kernaufgaben des Integrationsforums Münster. Dabei wird oft vergessen, dass aus den kurzen Kontakten bei der Übergabe einer neuen Leeze oft tiefgreifendere Verbindungen entstehen und die praktische Integrationsarbeit weit über die Hilfe zur Mobilität hinausgeht. Ein gutes Beispiel unter vielen ist die Geschichte von Bat Janzgai.

Im Jahr 2015 kam der heute 39-Jährige mit seiner Familie aus der Mongolei nach Deutschland. Als sie in der ehemaligen Oxford-Kaserne untergebracht waren, entdeckte Bat Janzgai die Fahrradwerkstatt nebenan, die damals noch auf dem Kasernen-Gelände ihr Zuhause hatte.

Gut, besser, Bat

Der gelernte Auto- und Lkw-Mechaniker schaute zwei Mal pro Woche vorbei und half mit. „Es war ziemlich schnell klar, dass Bat gut ins Projekt passt“, erzählt Werkstatt-Gründungsmitglied Bernd Brixius. Ebenfalls ziemlich schnell klar war, dass diese Einschätzung eine Untertreibung ist. „Viele Räder, die längst für tot erklärt wurden, hat Bat in einer halben Stunde auf Vordermann gebracht“, sagt Brixius anerkennend.

„Er ist zuverlässig, schnell und gut“, ergänzt seine Ehrenamtskollegin Elisabeth Böckers. Mit dieser Erkenntnis sprach sie beim Zweirad-Fachgeschäft Kainz vor. Bat Janzgai sollte eine Zeit lang zeigen, was er kann – nach nur einem halben Tag war für Inhaber Roland Kainz klar: Bat bleibt.

Vier Projekte, ein Konto

Über drei Jahre ist das jetzt her. Bat ist zu einer festen Größe im Multi-Kulti-Team des Fahrradgeschäfts geworden. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm und gebe ihn auch nicht wieder ab“, sagt Firmenchef Kainz, der der Familie damals auch bei der Wohnungssuche geholfen hat.

Der Tüftler aus der Mongolei tut sich leicht mit Rädern, Autos und Lkw. Die deutsche Sprache macht ihm mehr Mühe. Mittlerweile versteht er alles, aber beim Sprechen hilft seine Frau Uyanga hier und dort mit Übersetzungen aus. Die drei Kinder der Familie, erzählt sie bei einer Tasse Tee in ihrer Wohnung in Kinderhaus, könnten viel besser Deutsch sprechen als die Erwachsenen.

Freundschaftliche Verbindungen

Elisabeth Böckes hat der Familie Janzgai über die Jobvermittlung hinaus bei Behördengängen und vielem mehr geholfen, mittlerweile sei eine freundschaftliche Verbindung entstanden.

Natürlich sei die Bindung nicht zu allen Geflüchteten, die von dem Projekt profitieren, so eng, aber etwa ein Dutzend von ihnen habe das Integrationsforum seit 2015 in Jobs vermittelt, dazu zwei jüngere in Ausbildungsverhältnisse und zu vielen haben Ehrenamtliche des Projekts weiterhin Kontakt.

Denn die Hilfe des Integrationsforum für Geflüchtete hört oftmals nicht mit der Hilfe zur Mobilität auf, sondern geht weit darüber hinaus.

Neben Geldspenden freut sich der Verein auch über neue Fahrradtrainerinnen, Helferinnen und Helfer sowie über Fahrradspenden. Kontakt unter 0176/50 69 20 12, info@­integrationsforum-muenster.de.

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