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Para-Badminton: SC Münster 08

Annika Schröder in die Nationalmannschaft berufen

Münster

Annika Schröder hat die Paralympics 2028 in Los Angeles fest im Blick. Die Para-Badmintonspielerin des SC Münster 08 ist jüngst in die Nationalmannschaft berufen worden und trainiert nun beim Bundesstützpunkt in Mühlheim an der Ruhr.

Von André Fischer

Annika Schröder treibt ihre duale Karriere voran und wird inzwischen von der Sportstiftung NRW unterstützt.

Sonntag – im Christentum ein heiliger Tag. Einer, an dem sich Menschen dem Gebet, sich selbst oder der inneren Ruhe widmen. Für Leistungssportler wie Annika Schröder ist es der einzige Tag der Woche, um im mitunter hektischen Alltag etwas runterzufahren. „Da schlafe ich gerne aus“, sagt die 24-jährige Para-Badmintonspielerin des SC Münster 08. Die duale Karriere der Psychologin lässt wenig Raum für freie Zeit. Nun ist sie gar in den Bundesnachwuchskader II gerutscht. Sprich: Nullacht hat eine Nationalspielerin in den eigenen Reihen.

Annika Schröder

Es ist knapp ein Jahr her, dass diese junge, selbstbewusste, durch einen inkompletten Querschnitt beeinträchtigte Frau etwas Bemerkenswertes sagt: „Ich sitze nicht im Rollstuhl, ich benutze ihn nur!“ Im täglichen Leben auf Augenhöhe mit Mitmenschen, ohne Mitleid erregen oder erhaschen zu wollen – so lebt sie. Angetrieben vom Ehrgeiz, im Job und Sport voranzukommen.

Im Sommer 2021 beendet sie ihren Master in Psychologie, wechselt aus beruflichen Gründen ins Ruhrgebiet. Ein großer Schritt. „Der richtige“, wie sie sagt. Auch, weil sie fortan um die Ecke in Mühlheim an der Ruhr im dort ansässigen „Deutschen Badminton-Zentrum“ bestmöglich trainieren kann. Im Landes- und neuerdings Bundeskader sammelt sie wertvolle Erfahrungen, richtet den Blick auf die Paralympics 2028 in Los Angeles. „Die Spiele in Paris kommen noch zu früh“, glaubt sie.

Internationale Erfahrung

Ihre internationale Reifeprüfung nimmt ihr 2020 das beklemmende Virus. Erst mit einem Jahr Verspätung ist sie Teil der Spanish Para Badminton International in Cartagena in der Provinz Murcia, sie spielt gegen namhafte Konkurrenz. „Was Besonderes für mich, weil ich so viele andere Athleten getroffen habe.“ Sie ist begeistert, macht weiter – manchmal Überstunden in der Trainingshalle. In der Regel sind es acht Einheiten die Woche, verteilt auf fünf Tage. Reines Badminton-Training genießt Priorität, dazu kommen Kraft-, Ausdauer- und Stabilitätsübungen. Dazu der Job – Schröder ist busy. Verlässt morgens in aller Frühe das Haus, kommt abends spät wieder rein. Von montags bis freitags, samstags kommen nicht selten Ausbildungsseminare hinzu. Oder Turnierverpflichtungen. Der Job und ihr Sport geben sich die Klinke in die Hand. Ein Leben am Limit? „Nein“, sagt sie, „ich liebe das alles, habe Spaß dran.“

Skrzeba ruft an

Und wenn dann das Telefon klingelt, Bundestrainer Christopher Skrzeba am anderen Ende ihr die frohe Kunde übermittelt, jetzt Nationalspielerin zu sein, ist das der Lohn harter Arbeit. Sie ist noch nicht am Ziel, hat aber alles im Blick. Ihre Träume leben.

Annika Schröder ist glücklich, nimmt sich Zeit, mit Freunden zu telefonieren – macht den Haushalt. Es ist Sonntag, einiges ist aus der Woche liegengeblieben. So gänzlich zur Ruhe kommt sie denn also doch nicht am Tag des Herrn.

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